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Pseudonym-Studie: Hollywoods Künstlernamen werden realitätsnäher

HOLLYWOOD. In früheren Zeiten wählten Hollywood-Schauspieler häufig komplett neue Namen. Heute bleiben die Stars ihren bürgerlichen Namen weitgehend treu.

Bernard Schwartz, Issur Demsky, Doris Kappelhoff, Norma Jeane Mortenson – unter ihren Geburtsnamen hätten sie es in Hollywood vielleicht nicht so weit gebracht. Doch mit den Pseudonymen Tony Curtis, Kirk Douglas, Doris Day und Marilyn Monroe wurden sie zu großen Stars. Derart drastische Namensänderungen sind inzwischen aus der Mode gekommen, wie die Germanistin Nikola Kunz vom Deutschen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz herausfand. «Heute ist es richtig schwer, unter den jüngeren Jahrgängen wirkliche Pseudonyme zu finden, wie sie in früheren Hollywoodjahren üblich waren», sagte die Namenforscherin.

Marion Michael Morrison, geboren als Marion Robert Morrison, bekannt geworden als John Wayne. Foto: Soerfm / Wikimedia Commons

Marion Michael Morrison, geboren als Marion Robert Morrison, bekannt geworden als John Wayne. Foto: Soerfm / Wikimedia Commons

Für ihre Studie «Von Melvin Kaminsky zu Mel Brooks – Wie Hollywood sich einen Namen macht» nahm Kunz die Künstlernamen von etwa 900 Hollywood-Schauspielern der Geburtsjahre 1910 bis 1989 unter die Lupe. Die Ergebnisse will sie Mitte September auf einer Tagung zur Namenforschung in Mainz vorstellen.

Nach dem Motto «kurz und knackig» und möglichst nah am eigenen Namen verpassen die jüngeren Künstler ihren Geburtsnamen nur kleine Änderungen. Willard wurde zu Will Smith (45, «Men in Black»), Catherine zu Cate Blanchett (45, «Blue Jasmine») und Benjamin zu Ben Affleck (42, «Argo»). «Glee»-Star Lea Michele Sarfati (27) ließ einfach ihren Nachnamen fallen. Insgesamt bleibt man dem bürgerlichen Namen weitgehend treu. Dahinter stehe wohl die Absicht, den eigenen Namen besser zu vermarkten und nah am Publikum zu bleiben, vermutet Kunz.

Für Barbra Streisand (72, «A Star is Born») machte schon ein einziger Buchstabe einen großen Unterschied. «Mit 18 Jahren wollte ich einzigartig sein, ohne aber meinen ganzen Namen zu verändern, das wäre falsch gewesen», erzählte die gebürtige Barbara Streisand 2009 dem US-Sender CBS. So musste nur ein «A» im Vornamen dran glauben.

Ein Grund für die kompletten Namensänderungen im Hollywood der 40er und 50er Jahre war das damalige Studiosystem, fand Kunz bei ihren Forschungen heraus. «Die Schauspieler waren per Vertrag angestellt und stark abhängig. Oft wurde ihnen ein Name vorgeschrieben, der zu dem Image passte, das das Studio aufbauen wollte.»

So wurde aus Roy Fitzgerald Hollywoods Frauenheld Rock Hudson (1925 – 1985, «Giganten»). «Rock hörte sich rauer an und passte damit besser zu dem Heldenimage», erklärt Kunz. Der Künstlername Doris Day (geborene Doris Mary Ann Kappelhoff) ging mit den leichten Komödien («Bettgeflüster») und Musicals einher, mit denen sie berühmt wurde.

Kim Novak (81, «Vertigo – Aus dem Reich der Toten»), die als Kind tschechischer Einwanderer 1933 in Chicago als Marilyn Pauline Novak geboren wurden, stritt sich mit dem mächtigen Studioboss Harry Cohn, der ihr den Künstlernamen Kit Marlowe verpassen wollte. Das klang für sie einfach «falsch», sagte Novak 1996 der «Washington Post». Bei «Kim» habe sie am Ende nachgegeben.

Auch heute gibt es im Hollywood-System noch Auflagen. Fast alle Schauspieler sind Mitglied des SAG-Verbands (Screen Actors Guild), der keine identischen Namenseinträge erlaubt. So konnte sich «Batman»- Darsteller Michael Keaton (62) nicht unter seinem bürgerlichen Namen Michael Douglas einschreiben, der war schon vergeben. Er wählte Keaton als Hommage an seine Kollegin Diane Keaton.

Nicolas Cage (50, «Leaving Las Vegas»), der als Nicholas Kim Coppola zur Welt kam, nahm einen neuen Namen an, um sich von seinem berühmten Onkel Francis Ford Coppola («Der Pate», «Apocalypse Now») abzugrenzen. «Danach wusste niemand, dass ich Coppola bin. Ich musste mich neu erfinden und habe angefangen, an mich selbst zu glauben», sagte Cage 2011 beim Filmfestival in Toronto. «Mein wahres Ich ist Nicolas Cage. So steht es auch in meinem Pass.»

Wenn schon ein neuer Name, dann ist die Wahl meistens «neutral, nicht zu exotisch, mehr wie eine weiße Leinwand», sagt Kunz. Das dachten sich wohl auch Melvin Kaminsky, Maurice Micklewhite und das Schauspieler-Duo Carlo Pedersoli und Mario Girotti . Bekannt wurden sie mit den Künstlernamen Mel Brooks (88, «Robin Hood – Helden in Strumpfhosen»), Michael Caine (81, «The Dark Knight») und als Italo-Western-Stars Bud Spencer (84) und Terence Hill (75). (Barbara Munker, dpa)

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