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Sächsische Lehrervertreter verurteilen hohe Anzahl befristeter Verträge

LEIPZIG/RADEBEUL. Zum Beginn des neuen Schuljahres in Sachsen beunruhigt die Lehrervertreter die hohe Anzahl befristeter Arbeitsverträge. Nach Angaben des sächsischen Lehrerverbands (SLV) seien fast die Hälfte der neuen Lehrkräfte, 46 Prozent, befristet für ein Schuljahr angestellt. Die sächsische Bildungsgewerkschaft GEW spricht von Konzeptionslosigkeit und fehlende Verlässlichkeit in der Lehrerpersonalpolitik.

Trotz Landtagswahl vor Augen sei es dem Kultusministerium und der Bildungsagentur nur mit Mühe gelungen, bis zum Schuljahresbeginn die offensichtlichen Lücken in der Lehrerversorgung zu stopfen, so GEW-Landesvorsitzende Sabine Gerold. „Es ist zweifelhaft, dass das nur schwer durchschaubare Maßnahmenpaket aus unbefristeten und befristeten Neueinstellungen, Entfristungen, befristet umgewidmeten und entliehenen Stellen sowie aus Mitteln finanzierten Vertretungslehrern über das gesamte Schuljahr trägt.“ Insbesondere der hohe Anteil nur befristet abgeschlossener Verträge mit Nachwuchslehrern sei skandalös.

Sabine Gerold von der GEW Sachsen sagt: "Fette Jahre hat es nie gegeben." Foto: GEW Sachsen

Sabine Gerold von der GEW Sachsen fürchtet, dass die Maßnahmen der Staatsregierung in Bezug auf die Lehrerversorgung nicht über das gesamte Schuljahr tragen werden. Foto: GEW Sachsen

Die negativen Auswirkungen der Befristungen würden im Einstellungsverfahren deutlich, so der SLV. „Während die unbefristeten Stellen mit gut ausgebildetem Lehrernachwuchs besetzt werden konnten, war das bei befristeten teilweise nicht möglich. Insbesondere im Bereich der Oberschulen und Förderschulen, in geringem Maße auch der Grundschulen musste auf Bewerber mit schulartfremder oder unvollständiger Lehrerausbildung (Seiteneinsteiger) zurückgegriffen werden.“ Für die personalverwaltenden Stellen der sächsischen Bildungsagentur sei das Einstellungsverfahren eine enorme Herausforderung. Wegen der Mehrfachbewerbungen in mehreren Bundesländern und der wenig attraktiven befristeten Arbeitsverträge gebe es bis in die letzte Ferienwoche hinein immer wieder Absagen. Diese freien Stellen müssten im Nachrückverfahren besetzt werden – bei immer kleiner werdender Bewerberzahl.

„Junge Menschen brauchen Perspektiven, deshalb brauchen wir mehr unbefristete Einstellungen“, fordert Jens Weichelt, Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes. Laut SLV behindern die befristeten Einstellungen die ausgewogene Lehrerversorgung im ländlichen Raum. Junge Lehrer, die bereit seien, ihren Lebensmittelpunkt außerhalb der kreisfreien Städte zu verlegen, scheuten diesen Schritt wegen fehlender Planungssicherheit. Insbesondere in den Regionen Chemnitz, Bautzen und Zwickau hätten schulartfremde Einstellungen an Oberschulen und Förderschulen vorgenommen werden müssen. „Der Sächsische Lehrerverband bekräftigt seine Forderung, dass an der TU Chemnitz künftig auch Lehrer für die weiterführenden Schulen ausgebildet werden müssen. Ansonsten kann der Bedarf in den Regionen Chemnitz/Zwickau in den nächsten Jahren nicht abgesichert werden“, sagt Jens Weichelt.

Mit befristeten Verträgen für ein Schuljahr halte man den dringend benötigten Lehrernachwuchs nicht im Lande, kritisiert die GEW Sachsen. Es bedürfe einer verlässlichen Perspektive, um sich in den Lehrerberuf einzuarbeiten und im schulischen Alltag Fuß zu fassen. Die GEW erwarte deshalb, dass die Schaffung neuer dauerhafter Lehrerstellen in den anstehenden Haushaltsverhandlungen wirklich hohe Priorität erhält.

Brunhild Kurt ist neue Kultusministerin in Sachsen; Foto: Staatsministerium für Kultus und Sport

Die GEW Sachsen und die SLV kritisieren den bloßen Ersatz aller ausscheidenden Lehrkräfte, den Kultusministerin Brunhild Kurt – hier bei der Amtsübernahme – und Ministerpräsident Tillich zugesichert haben. Foto: Staatsministerium für Kultus und Sport

Der bloße Ersatz aller ausscheidenden Lehrkräfte, den Ministerpräsident Tillich im Wahlkampf versprochen und Kultusministerin Kurth wiederholt zugesichert habe, löse die Personalprobleme im Schulbereich nicht, sagt Sabine Gerold. „Allein um der wachsenden Schülerzahl und den enorm gestiegenen Ausbildungsverpflichtungen gerecht zu werden und in der neuen Legislatur die UN-Behindertenrechtskonvention auch im schulischen Bereich konsequent umzusetzen, ist ein deutlicher Aufwuchs an Lehrerstellen notwendig.“ Darüber hinaus bedürfe es weiterer Anstrengungen, um den Lehrerberuf in Sachsen attraktiver zu machen, um die Lehrerstellen dann auch besetzen zu können. „Es werden auch Lehrer aus anderen Bundesländern geworben werden müssen. Die Deckung des Lehrerbedarfes für Sachsens Schulen wird eine der größten politischen Herausforderungen für die neue Staatsregierung“, so die GEW-Landesvorsitzende.

Die Gewerkschaft warnt aber davor, bei der Werbung neuer Lehrer zu Instrumenten zu greifen, die zu einem Generationenkonflikt in den Lehrerzimmern führen könnten. „Das Lehrerproblem lässt sich nur im Miteinander der Generationen lösen, das hat Frau Kurth richtig erkannt. Nun kommt es aber darauf an, dieses Miteinander auch zu befördern“, so Gerold. Es dürfe nicht nur über Anreize für den Lehrernachwuchs nachgedacht und geredet werden, vielmehr müssten auch die Leistungen der älteren Kollegen – gerade auch ihre Ausbildungsleistungen – durch mehr Wertschätzung, gerechtere Bezahlung und Entlastung im Alter ernsthaft gewürdigt werden.

 

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