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Sinkende Schülerzahlen gefährden Bestand thüringischer Berufsschulen

ERFURT. Angesichts drastisch sinkender Schülerzahlen sieht Thüringens Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) nicht für jede Berufsschule eine Zukunft. Innerhalb von zehn Jahren habe sich die Schülerzahl in den Einrichtungen fast halbiert.
Klassen mit „drei oder sieben Schülern“ seien auf Dauer nicht tragbar, so Matschie. „Das hat natürlich zur Folge, dass diskutiert wird über das Berufsschulnetz, über Standorte von Berufsschulen.“

Thüringens Kultusminister Christoph Matschie möchte an der Regelstudienzeit nicht rütteln. Foto: Kultusministerium Thüringen

Sieht angesichts sinkender Schülerzahlen nicht für jede Berufsschule eine Zukunft: Thüringens Kultusminister Christoph Matschie. Foto: Kultusministerium Thüringen

Nach den Sommerferien beginnt für insgesamt knapp 235.900 Schüler in ganz Thüringen der Unterricht. Das sind rund 1400 mehr als vor einem Jahr. Während etwa Gemeinschaftsschulen oder Gymnasien etwas mehr junge Menschen unterrichten, sind es an staatlichen berufsbildenden Schulen erneut weniger geworden. Zum neuen Schuljahr bestehen noch 42 Häuser, drei weniger als vor einem Jahr.

Für die Bildungsgewerkschaft GEW ist das Berufsschulnetz ein schwieriges Thema. In den einzelnen Gebieten müsse es ausreichend Plätze für Interessenten geben, warnt der stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Rüdiger Schütz. „Das ist natürlich in manchen Regionen jetzt schon schwierig.“ Die Landesarbeitsagentur hält viele schulische Ausbildungsangebote dagegen für überflüssig, weil sie mit den Unternehmen um Bewerber konkurrieren.

In einer Berufsschulklasse müssten mindestens 15 Schüler sein, erklärt Matschie. Von dieser Regel seien bereits viele Ausnahmen genehmigt worden. Er macht auch klar: Wenn die Schülerzahlen sinken, werden weniger Berufsschullehrer gebraucht. Diese Lehrkräfte dann an allgemeinbildenden Schulen einzusetzen, sei schwierig, berichtet Gewerkschafter Schütz.

Nach Angaben des Bildungsministeriums sollen im laufenden Jahr an den staatlichen Schulen insgesamt 400 neue Lehrer eingestellt werden. Der Aufbau einer Vertretungsreserve, zum Beispiel für Krankheitsfälle, sei am Koalitionspartner CDU gescheitert, so Matschie. Er habe 500 neue Lehrer einstellen wollen. „Das war aber in der Koalition nicht möglich.“ Nach Angaben des GEW-Vizechefs Schütz bräuchten Schulleiter dringend eine Personalreserve, sonst drohten wieder hohe Ausfallquoten, „zum Beispiel wenn die Grippewellen rollen“.

Auch die Grünen im Landtag fordern noch mehr Neueinstellungen, eine Vertretungsreserve und mehr sonderpädagogisches Personal. „Der Bildungsminister hat seine Hausaufgaben über den Sommer leider nicht gemacht“, kritisiert die bildungspolitische Sprecherin Astrid Rothe-Beinlich. Die FDP fordert ein neues Personalentwicklungskonzept, das den Lehrerbedarf je Schulart und Fach festlegen und Zeiträume für Einstellungen bestimmen soll. dpa

 

Titelbild: Silvmedia/Flickr (CC BY 2.0)

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