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Amtsarzt untersucht 600 Kasseler Drittklässler

KASSEL. Von U1 bis J2: Bereits ab der Geburt werden Kinder in Deutschland zur Früherkennung von Krankheiten untersucht. Nach den Früherkennungsuntersuchungen im Kindesalter und der Schuleingangsuntersuchung klafft nach Ansicht von Experten ein Lücke. Wie Schulen dazu beitragen können, diese zu schließen, untersucht das Bundesgesundheitsministerium in einem Modellversuch. Kassel ist eine von drei Modellregionen.

Rund 600 Drittklässler in Nordhessen bekommen bald Besuch vom Amtsarzt. Kassel ist eine von bundesweit drei Regionen, die in einem Modellversuch des Bundesgesundheitsministeriums eine Untersuchung an ausgewählten Grundschulen einführen. Ziel sei es, bis zu den Osterferien 2015 etwa ein Drittel, also rund 600 der Drittklässler, zu untersuchen. Bei Elternabenden sollen die Eltern vorab informiert werden, sagte Regine Bresler, die Leiterin des Schulärztlichen Dienstes in Kassel. Die Teilnahme sei freiwillig, betonte sie. Gemacht werden unter anderem ein Seh- und ein Hörtest, untersucht werden Herz, Zähne oder Entwicklung der Wirbelsäule. Auch Größe und Gewicht werden gemessen sowie Motorik, Koordination, Sprache und Verhalten bewertet.

Viele Schüler sehen nach der Schuleingangsuntersuchung jahrelang keinen Arzt mehr. Foto: Unbekannt (http://www.defenseimagery.mil; VIRIN: DA-ST-85-12888) / Wikimedia Commons

Viele Schüler sehen nach der Schuleingangsuntersuchung jahrelang keinen Arzt mehr. Foto: Unbekannt (http://www.defenseimagery.mil; VIRIN: DA-ST-85-12888) / Wikimedia Commons

Der Arzt vom Gesundheitsamt, der direkt in die Schule kommt, soll frühzeitig Krankheiten oder gesundheitsschädliche Entwicklungen erkennen, etwa Übergewicht, Haltungsfehler oder psychische Probleme. «Wir wollen mehr wissen über die Gesundheit der Kinder in der Schule, um bessere Angebote machen zu können», sagt Birgit Babitsch, Professorin für New Public Health an der Universität Osnabrück, die das Projekt wissenschaftlich auswertet.

«Mit dem Ansatz, in die Schulen zu gehen, haben wir die Chance, alle Kinder zu erreichen», sagt Babitsch. Anschließend bekomme jedes Kind eine individuelle Rückmeldung.

Mit dem Projekt sollen die Schulen außerdem besser in die Gesundheitsförderung einbezogen werden. Dafür werden die Ergebnisse anonymisiert ausgewertet. Die Schulen sollen so erfahren, mit welchen gesundheitlichen Problemen ihre Schüler zu kämpfen haben, um gezielter Lösungen zu finden. Es geht also zum einen um individuelle Verbesserungen für Schüler, zum anderen aber auch um Angebote für Klassen und ganze Schulen. «Das hat langfristige Effekte», sagt Babitsch.

Doch wie könnten solche Maßnahmen aussehen? «Brillen sind oft ein Thema, auch Motorik. Man könnte zum Beispiel Schlangenlinien auf den Boden malen, auf denen die Schüler gehen, oder Ähnliches im Sportunterricht einbauen» , berichtet Babitsch.

Michael Scholz, Direktor am Landesschulamt, betont, es gebe bereits Landesprogramme, allerdings müssten dafür die Schulen auf das Land zukommen. In Kassel seien für das neue Programm «GrundGesund» nun 15 Grundschulen ausgewählt worden, ein Querschnitt der Schullandschaft.

Nach Angaben der Abteilungsleiterin des Gesundheitsamtes Kassel, Gabriele Oefner, bietet das Projekt die Chance, nach der Schuleingangsuntersuchung «zu gucken, was aus den Kindern geworden ist». Denn nicht jedes Kind sei über die Eltern optimal gesundheitlich versorgt, beispielsweise bei Vorsorgeuntersuchungen. Laut Robert-Koch-Institut lassen insbesondere Familien mit Migrationshintergrund oder sozial schwache Eltern ihre Kinder seltener untersuchen.

Die Lehrergewerkschaft GEW warnte allerdings vor weiteren Zusatzaufgaben für Lehrkräfte. «Es ist ein Problem, wenn Eltern Schwierigkeiten haben mit ihrem Erziehungsauftrag. Die Schule muss schon eine Menge auffangen», sagte GEW-Geschäftsführer Ulrich Märtin.

Weitere Testläufe gibt es auch in Recklinghausen und Flensburg. Flächendeckende Arztbesuche an Grundschulen haben bereits Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern eingeführt – mit dem Ergebnis, dass es hohe Teilnehmerraten geben würde, wie es in der Machbarkeitsstudie des Projekts heißt. (Timo Lindemann, dpa)

zum Bericht: Modellprojekt für mehr Schuluntersuchungen startet

2 Kommentare

  1. Was soll das? Schon länger etabliert und von vielen Krankenkassen bezahlt:
    U10 zwischen 7.-8. Lebensjahr
    U11 zwischen 9.-10. Lebensjahr
    Durch den Kinderarzt, der das Kind am besten kennt.
    Und, wo gibt es heute denn noch Schuleingangsuntersuchungen?

  2. Diese Untersuchung muss ja nicht nur „medizinisch“ sein.
    Verständnis der deutschen Sprache, Einblicke in den deutschen Kulturkreis (v.a. Stellung der Frau); das wäre schon nützlich!
    rfalio

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