Anzeige


Startseite ::: Politik ::: Privat vor Staat: Audi sponsert öffentliche Schule – Seehofer: „Ein leuchtendes Beispiel“

Privat vor Staat: Audi sponsert öffentliche Schule – Seehofer: „Ein leuchtendes Beispiel“

INGOLSTADT. Selten war so viel Begeisterung um eine schulpolitische Premiere. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nennt sie ein „leuchtendes Beispiel für eine gerechtere Verteilung der Chancen in unserer Gesellschaft“. Peter Müller, Amtschef des bayerischen Kultusministeriums, spricht gar von „einer Sternstunde“. Die Rede ist von der Eröffnung der Profilschule in Ingolstadt – einer öffentlichen Bildungseinrichtung, die von Audi und der Roland-Berger-Stiftung gesponsert wird. Eine bundesweit einmalige Konstruktion.

Presented by Audi: Bald auch Ihre Schule? Foto: Sergio Calleja / flickr (CC BY-SA 2.0)

Presented by Audi: Bald auch Ihre Schule? Foto: Sergio Calleja / flickr (CC BY-SA 2.0)

Kritik an dem Projekt wurde bislang nicht laut. Merkwürdig eigentlich: Kann es sein, dass der Staat die Erfüllung einer seiner Kernaufgaben künftig von der Spendierfreude einzelner Unternehmer abhängig macht? Der Eindruck drängt sich auf – auch (oder gerade weil) die Initiative ein fraglos honoriges Ziel hat: Gefördert werden dort begabte Kindern mit schwierigen Startbedingungen, insbesondere Kinder und Jugendliche mit alleinerziehenden Eltern oder aus Einwandererfamilien.

Zielgruppe sind besonders lern- und leistungsbereite Kinder; sie müssen gute Noten vorweisen. Die Aufgenommenen bekommen ein Stipendium der Roland-Berger-Stiftung. Die Kinder haben ganztags Unterricht, der Lernstoff wird in kleinen Gruppen am Nachmittag wiederholt. Für jedes Kind wird ein individueller Förderplan erstellt, der auf die Talente und Bedürfnisse jedes einzelnen Schülers ausgerichtet ist, wie es hieß. Ehrenamtliche Mentoren begleiten die Kinder und stehen ihnen als Ratgeber zur Seite.

Keine Klasse hat mehr als 18 Schüler. In jeder Klasse unterstützt ein Sozialpädagoge die Lehrkraft, wie die Roland-Berger-Stiftung mitteilte. Die öffentliche Schule startete zunächst mit einer 3. Klasse und einer 5. gymnasialen Jahrgangsstufe. Der Freistaat stellt Lehrer für das bundesweit einzigartige Kooperationsprojekt zur Verfügung. Ein Neubau ist in Planung. Er soll Grundschule und Gymnasium unter einem Dach vereinen. Bis es so weit ist, findet der Unterricht in einer bestehenden Grundschule und in einem Gymnasium statt.

„Beste Bildung für jeden einzelnen Schüler, unabhängig von der sozialen Herkunft – das ist das Ziel der Bildungspolitik in Bayern“, meinte Seehofer. Und befand: In besonderem Maße garantiere dies die Profilschule Ingolstadt. Der Ministerpräsident gratulierte den Buben und Mädchen, die in den Genuss „einer Top-Förderung ihrer Talente“ kommen. Stiftungsvorsitzender Roland Berger hob hervor, dass Kinder aus Akademikerhaushalten sechsmal so große Bildungschancen hätten wie Kinder von Nichtakademikern. Auch wenn die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft sich gegenüber 2009 abgeschwächt habe. „Es geht darum, kein Talent in diesem Land zu verlieren“, betonte Berger. Kultusministeriums-Amtschef Müller dankte den Partnern für ihr Engagement und wies darauf hin, dass es für die betreffenden Kinder bislang keine derartige Lobby in der Gesellschaft gegeben habe.Das reizt zu der Frage: Warum eigentlich nicht?

Eine Information fehlte bislang in dem Beitrag. Wie viele Schüler sind es denn, die jetzt in der neuen Profilschule gefördert werden?  Es sind zusammen – 33 Kinder. Zum Vergleich: In Bayern gibt es rund 1,7 Millionen Schüler. News4teachers

Ein Kommentar

  1. Was Deutschland mehr braucht wäre Breitenbildung. Auch in dem Buch „Die Deutschlandblase“ steht einiges Interessantes zum deutschen Bildungswesen drin.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*