Anzeige


Startseite ::: Aus den Verbänden ::: BLLV warnt vor einer Zwei-Klassen-Schulbildung und verlangt bessere Ausstattung der Schulen 

BLLV warnt vor einer Zwei-Klassen-Schulbildung und verlangt bessere Ausstattung der Schulen 

MÜNCHEN. Wenige Tage nach Schulbeginn fordert der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, die Staatsregierung auf, Schulen besser auszustatten. „Mehr Personal, ausreichend Zeit, verbesserte Lern- und Arbeitsbedingungen müssen auf der schul- und bildungspolitischen Agenda ganz oben stehen“, erklärt Wenzel.

Der Ausbau von Ganztagsangeboten, die Umsetzung der Inklusion, die Einführung des Neuen LehrplanPlus an den Grundschulen, die zu großen Klassen an den Realschulen sowie die Neugestaltung des Gymnasiums erforderten Investitionen in Milliarden Höhe. Die Gelder blieben jedoch aus. Wenzel befürchtet stattdessen erneute Unterrichtsausfälle. Immer mehr Eltern, die es sich leisten könnten, würden ihr Kind daher in alternative Bildungseinrichtungen geben. Dieser Trend muss aus Sicht des BLLV gestoppt werden. „Er befördert Bildungsungerechtigkeit, erschwert Zugänge und befeuert Ausgrenzungsmechanismen.“

BLLV-Präsident Klaus Wenzel

BLLV-Präsident Klaus Wenzel fordert von der bayerischen Staatsregierung, Schulen besser auszustatten. Foto: BLLV

Privatschulen haben nach BLLV-Angaben auch in Bayern großen Zulauf. Demnach besucht derzeit etwa jeder siebte Schüler eine private Schule, jede fünfte Schule wird nicht mehr von der öffentlichen Hand getragen. Laut Jako-o –Studie – sie wurde vor einigen Tagen in Berlin veröffentlicht – geht die Mehrheit der Mütter und Väter davon aus, dass Kinder an Privatschulen besser gefördert werden.

„Private Bildungseinrichtungen, dazu zählen auch Kindertagesstätten oder Hochschulen, sind in der Regel tatsächlich gut ausgestattet“, sagt Wenzel. In der Regel ermögliche dies auch eine bessere Förderung der Schüler. „Die attraktiven Angebote können sich aber nur die leisten, die sie auch bezahlen können.“ Für den privaten Schulbesuch müssen Familien im Schnitt 150 Euro monatlich ausgeben. Wenzel warnt davor, dass die damit verbundenen Aus- und Abgrenzungstendenzen das Konfliktpotential einer Gesellschaft befördern könnten. Zumal – gerade auch in Bayern – die in zahlreichen Studien immer wieder belegte und bemängelte Bildungsungerechtigkeit hoch sei. Viele Eltern, die ihr Kind in eine private Bildungseinrichtung geben würden, seien sich der Zusammenhänge bewusst, würden aber trotzdem keine Alternative sehen – auch das sei ein Ergebnis der Studie.

Am Beispiel Medienerziehung werde das Missverhältnis anschaulich: Während private Schulen bestens mit Computern versorgt seien, hinkten die öffentlichen hinterher, so der Verband. Die Folge: Der Einsatz von Computern komme zu kurz. „Das hat natürlich unmittelbare Auswirklungen auf die Qualität des Lernens“, sagt der BLLV-Präsident.

Laut einer Anfrage der SPD vom Juli dieses Jahres verfügten außerdem über 1100 öffentliche Schulen über einen nur sehr langsamen Internetanschluss. Die Übertragungsrate liege bei einem Megabit (MBit/s). Zugriff auf eine schnellere DSL-Breitbandverbindung gebe es keinen. Eine Reihe sinnvoller und unterstützender Angebote, wie zum Beispiel MEBIS, der offiziellen Lernplattform des Landesmedienzentrums, könnten daher nicht genutzt werden. „Dieses Beispiel zeigt, wie schnell öffentliche Schulen von privaten Einrichtungen abgehängt werden können.“

Ähnliche Entwicklungen zeichneten sich beim Thema Ganztagsschule ab: Auch hier seien kommerzielle Anbieter mit rhythmisierten Angeboten und bester Ausstattung klar im Vorteil. Hinzu komme das Problem des Personalmangels: „An den öffentlichen Schulen fällt wegen fehlenden Personals sehr viel Unterricht aus, Lehrerinnen und Lehrer können zusätzliche Angebote nicht mehr stemmen. Die Schulen verlieren so an Attraktivität.“ Wenn die Staatsregierung nicht schnell gegensteuere und kräftig in öffentliche Bildungseinrichtungen investiere, verstärke sich ein Trend, der zu einer gesellschaftlichen Destabilisierung führen könnte: „Immer mehr wohlhabende Familien werden dann ihre Kinder in gut ausgestattete kommerzielle Bildungseinrichtungen schicken. Die Zwei-Klassen-Schulbildung ist programmiert.“

Zum Beitrag: Bildungsexperte im Interview: Zulauf für Privatschulen – kein «Bulimie-Lernen»
Zum Beitrag: Privatschulen sind bundesweit stark nachgefragt

Titelbild: hpeguk / flickr (CC BY 2.0)

 

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*