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DGB und GEW Bayern warnen: „Mittelstufe plus“ führt zu mehr Abschottung

MÜNCHEN. Die geplante Gymnasialreform weist aus Sicht von DGB Bayern und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern in die falsche Richtung. Statt mehr Durchlässigkeit zu ermöglichen, drohe eine weitere Abschottung des Gymnasiums. Zudem gebe es keine Antworten auf die in Bayern besonders ausgeprägte soziale Selektion und Bayern könnte das einzige Bundesland werden, das einem großen Teil der Gymnasiasten die Mittlere Reife erst nach der 11. Klasse verleiht.

„Der CSU-Landtagsfraktion ist kein großer Wurf gelungen“, sagt der Vorsitzende des DGB Bayern, Matthias Jena. „Es soll von allem ein wenig mehr geben: Mittelstufe Plus, Lehrplan Plus, Weiterentwicklung der Gymnasialpädagogik und Ausbau der Ganztagsschulen. Das klingt erstmal gut, wird den aktuellen sozialen und gesellschaftlichen Entwicklungen aber nicht gerecht. Demographischer Wandel und zunehmende soziale Selektion beim Zugang zum bayerischen Gymnasium werden gar nicht erst thematisiert. Die CSU versucht mit ihren Maßnahmen die Debatte um G8 und G9 einzudämmen. Eine umfassende Reform des bayerischen Gymnasiums sieht anders aus.“

Eingang eines Gymnasiums (Ausschnitt)

DGB und GEW Bayern sehen die von der CSU geplante Gymnasialreform äußerst kritisch. Vor allem fürchten sie eine weitere Abschottung des Gymnasiums. Foto: bbroianigo / pixelio.de

Auch der Vorsitzende der Landesfachgruppe Gymnasium der GEW Bayern, Andreas Hofmann, kritisiert die Pläne der CSU: „Jetzt wird es wirr. Die bereits im Modell des Flexibilisierungsjahres gescheiterte Verlängerung der Mittelstufe um ein Jahr soll bei der angekündigten Reform des Gymnasiums das wesentliche Element darstellen. Die vierjährige Mittelstufe am Gymnasium droht zum bayerischen Holzweg zu werden.“

Die Bildung von eigenen Klassen für einen vierjährigen Zug benötige erheblich mehr Lehrerstunden und sei planerisch sehr aufwändig. Bereits jetzt gebe es durch die verschiedenen Zweige in der Mittelstufe des Gymnasiums eine Aufteilung der Schüler. Eine Modellrechnung zeige, dass die notwendigen Ressourcen für eine extra Klasse in einer vierjährigen Mittelstufe in höchstens vierzügigen Jahrgängen ausreichten, um für alle ein Jahr mehr an schulischer Bildung und Zeit zur Entwicklung zu ermöglichen. Wenn diese zusätzlichen Ressourcen für eine vierjährige Mittelstufe aber nicht zur Verfügung gestellt würden, sei eine Verschlechterung der Lernbedingungen für alle Schüler die Folge.

Die Verlängerung der Mittelstufe könnte außerdem zur Folge haben, dass gerade jenen Schülern die mittlere Reife nach der 10. Klasse verwehrt werde, die am ehesten nach der 10. Klasse andere Bildungswege einschlagen möchten. So verlängere sich der Weg zum allgemeinen Abitur über die Fachoberschule für diese Schüler auf 14 Jahre. Ein solches Angebot sei nicht sinnvoll. Bayern könnte so das einzige Bundesland werden, das deutschlandweit einem großen Teil der Schüler am Gymnasium die Mittlere Reife erst nach der 11.Klasse verleiht.

„Ich fordere die Bayerische Staatsregierung auf, in diesem Punkt keinen Alleingang vorzunehmen, sondern die Abstimmung mit den anderen Bundesländern zu suchen. Nur so könnte vermieden werden, dass die Hürden für einen notwendigen Schulwechsel bei einem Umzug nach Bayern oder von Bayern weg nicht noch höher werden“, sagt Andreas Hofmann.

DGB und GEW Bayern wollen, dass das Gymnasium durchlässiger wird, damit bildungswillige junge Menschen von der Mittel- und Realschule leichter den Weg über das Gymnasium gehen können. „Es darf nicht dabei bleiben, dass das Gymnasium überwiegend nur Schüler abgibt. Es muss stattdessen eine neue Kultur des Aufnehmens geben. Eine Flexibilisierung und Ausweitung der gymnasialen Mittelstufe wäre hier kontraproduktiv. Das würde nur zu einer weiteren, im Endeffekt auch stärkeren sozialen Abschottung des Gymnasiums führen“, so Jena.

DGB und GEW fordern, dass die Mittelstufe mit einem mittleren Schulabschluss am Ende der zehnten Jahrgangsstufe endet. Das biete eine deutlich bessere Anschlussfähigkeit. „Jungen Menschen sollten hier Wege geöffnet und nicht verbaut werden.“ Darüber hinaus wollen die Gewerkschaften ein möglichst einfaches Schulsystem mit größtmöglicher Förderung jedes einzelnen Kindes. Die Schulen müssten so gestaltet werden, dass in der Sekundarstufe I (5. bis 10. Jahrgangsstufe) allen Kindern in sechs Jahren die Grundlagen vermittelt werden können. Dann bleibe die Möglichkeit, in der Oberstufe in zwei Geschwindigkeiten den Weg zum Abitur zu ermöglichen.

Zum Beitrag: Bayerischer Lehrerverband sieht „Mittelstufe plus“ skeptisch
Zum Beitrag: Bayerns Gymnasiallehrer sehen Spaenles G9-Pläne zwiespältig

3 Kommentare

  1. Ui,
    jetzt sage ich als Lehrer den Gewerkschaften, wie man am Besten für gerechte Löhne kämpft und was das überhaupt ist!
    Schuster, bleib bei deinem Leisten!
    Übrigens, ich bin auch nicht glücklich mit diesem Hin und Her, G8 und G9 und zwischendrin und…..
    Aber ein Votum des DGB entspannt die Diskussion nicht wirklich, da kenne ich unsere CSU gut genug (Ironiesmiley kann gedacht werden!).
    rfalio

  2. Ist es in Bayern eigentlich möglich, bei anständigen Noten von der Realschule in die gymnasiale Oberstufe zu wechseln, sprich nach der Realschule-10 auf das Gymnasium-10. Falls ja: Wo ist dann das Problem? Falls nein: Wie wäre es mit der Einführung? Immer unter der Annahme, dass die Oberstufe drei Jahre dauert. Ersatzweise müsste man die Klasse 10 am Gymnasium inhaltlich so gestalten, dass die Gymnasiasten nach Klasse 9 und die (guten) Realschüler nach Klasse 10 das gleiche Rüstzeug für die Oberstufe haben.

    Eine geringe Übergangsquote nach oben ist ein gutes Zeichen der Grundschulen, Schülerkarrieren auf zu geringem Niveau zu verhindern. An der Übergangsquote von oben nach unten muss gearbeitet werden, im Idealfall müsste man die Übergänge zwischen den Schulformen in der Sek I auf Null reduzieren. Das könnte man dann auch feiern.

    • In Bayern gibt es mehrere Möglichkeiten:
      – Übergangsklasse am Gaymnasium in 2 Formen (mit Wiederholung 10 = 3 Jahre oder ohne = 2 Jahre)
      – 2 Jahre FOS => Fachhochschulreife
      – 3 Jahre Fos => fachgebundene Hochschulreife
      – 3 Jahre FOS + 2. Fremdsprache => allgemeine Hochschulreife
      – weitere Möglichkeiten stehen nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung zur Verfügung

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