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Gemeinsam stark: Wenn 350 Lehrerinnen zusammenkommen, um ihre Schulen zu entwickeln …

MÜLHEIM AN DER RUHR. Was erwarten Lehrer einer Schule, die die Gelegenheit bekommen, sich unter fachkundiger Anleitung mit Kollegen aus 18 weiteren Schulen zusammenzuschließen – oder, um es auf Neudeutsch auszudrücken: sich zu vernetzen? „Eine Verbesserung der Unterrichtsmethoden“, „Erfahrungsaustausch zur Inklusion“, „Entlastung“ – drei typische Antworten, die nach Gesprächsrunden auf den Pinnwänden im großen Saal der Mülheimer Stadthalle zu lesen waren. Dort hatten sich rund 350 Lehrerinnen (vor allem) und Lehrer von insgesamt 19 Grundschulen aus den Nachbarstädten Essen und Mülheim an der Ruhr eingefunden, um die Aktion „Systematische Schulentwicklung“ zu starten. Die findet in den kommenden Jahren im Rahmen von „RuhrFutur“ statt, einer Bildungsinitiative der Stiftung Mercator, des Landes Nordrhein-Westfalen sowie jeweils fünf Ruhrgebietsstädten und -universitäten.

Die Kollegien der beteiligten 19 Grundschulen diskutierten in getrennten Runden ihre Erwartungen an das Projekt. Foto: Sascha Kreklau, RuhrFutur

Die Kollegien der beteiligten 19 Grundschulen diskutierten in getrennten Runden ihre Erwartungen an das Projekt. Foto: Sascha Kreklau, RuhrFutur

„Es handelt sich um ein Pilotprojekt, mit dem wir den Grundschulen in Essen und Mülheim eine praxisnahe Unterstützung bei Prozessen der inneren Schulentwicklung bieten“, erklärte RuhrFutur-Geschäftsführerin Ulrike Sommer. „Wir gehen davon aus, dass die meisten Schulen vor ähnlichen Herausforderungen stehen, so dass sich hier Möglichkeiten ergeben, gemeinsam und voneinander zu lernen. Wenn das Projekt erfolgreich verläuft, ist daher durchaus denkbar, dass wir das Modell auch auf andere Schulen und Schultypen im Ruhrgebiet übertragen.“ Es ist die erste städteübergreifende Kooperationsmaßnahme, die im Rahmen von RuhrFutur initiiert und mit 320.000 Euro finanziert wird. Und um das erste praktische Anschauungsobjekt der unlängst gestarteten Bildungsinitiative mit Sitz in Essen: RuhrFutur soll die Kräfte im Ruhrgebiet bündeln.

Tatsächlich ist das Ruhrgebiet in Sachen Bildung stark entwicklungsbedürftig. Nordrhein-Westfalen rutschte erst kürzlich bei einem Bildungsvergleich auf den vorletzten Platz unter allen Bundesländern ab. Im «Bildungsmonitor 2014» des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belegt NRW nur noch Platz 15 – nach Platz 13 im vergangenen Jahr. Nicht unerheblich bei der Bewertung dürften die Leistungen im strukturschwachen Ruhrgebiet sein – dies jedenfalls legt der 2012 von einer mehr als 20 Mitglieder zählenden Wissenschaftlergruppe vorgelegte „Bildungsbericht Ruhr“ nahe.

Es zeigte sich dabei unter anderem, dass die wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen besondere Herausforderungen hinsichtlich der Sprachkompetenz von Kindern und Jugendlichen und den erreichten Bildungsabschlüssen hervorbringen. So ist im Ruhrgebiet der Anteil von Einwanderern bei den Kindern und Jugendlichen noch erheblich höher als unter Erwachsenen, und jedes vierte Kind in der Region wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Um die damit verbundenen Probleme in der Bildung angehen zu können, empfehlen die Wissenschaftler den „Aufbau und die Weiterentwicklung eines regionalen Bildungsmonitorings“, also die wiederholte Erhebung relevanter Daten, und „den Aufbau einer regionalen Koordinationsstruktur – dies soll RuhrFutur nun leisten.

Mit Projekten wie „Systematische Schulentwicklung“ eben. Mindestens zwei Jahre lang unterstützen Berater die daran beteiligten Schulen dabei, sich in den Bereichen Lehre, Schulkultur und Schulmanagement systematisch weiterzuentwickeln. Im Rahmen des Projekts werden sich die Grundschulen unter anderem mit Fragen der Unterrichtsgestaltung, des Lernklimas und der Motivation, der Elternarbeit und des Umgangs mit heterogenen Klassen auseinandersetzen. Aber auch Themen wie Ganztag, Ressourcenplanung und Personaleinsatz stehen auf der Agenda der Schulleitungen und Lehrkräfte.

„Ich freue mich, dass sich so viele Grundschulen aus Mülheim und Essen für dieses Projekt beworben haben“, so Dagmar Mühlenfeld, Oberbürgermeisterin von Mülheim an der Ruhr, bei der Auftaktveranstaltung. „Das zeigt, für wie wichtig die Schulen in Essen und Mülheim das Thema Schulentwicklung halten und wie groß ihre Bereitschaft ist, daran aktiv mitzuarbeiten.“

Die war, wie sich am Engagement der Teilnehmer erkennen ließ, tatsächlich groß – wenngleich von Einzelnen auch die Befürchtung artikuliert wurde, dass die zeitliche Belastung durch die Initiative zu groß sein könnte und vor allem „zu viel Schreibkram“ erwartet werde. Diesen Ängsten konnte Ulrike Sommer gleich die Spitze nehmen: „Wir möchten nicht, dass Mehrbelastung auf Sie zukommt“, sagte sie, „es ist im Gegenteil unsere Absicht, Sie zu entlasten“. Und eine Dokumentation werden von den Schulen auch nicht erwartet. Großer Beifall aus dem Plenum. News4teachers

Hier gibt es weitere Informationen zu RuhrFutur.

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