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Niedersächsische Lehrervertreter: Altersteilzeitregelung kein Ersatz für Altersermäßigung

HANNOVER. Die in den niedersächsischen Landtag eingebrachte neue Altersteilzeitregelung ist laut Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL/VDR) kein Ersatz für die volle Altersermäßigung, die Lehrern ab 55 Jahren vorenthalten wird. Der niedersächsische Philologenverband teilt diese Ansicht und spricht sogar von „massiver Täuschung der Öffentlichkeit“.

„Schon wieder finanzieren Lehrerinnen und Lehrer vermeintliche Wohltaten der rot-grünen Regierung. Die neue Altersteilzeitregelung wird nicht die notwendige Entlastung für Lehrkräfte bringen“, kritisiert Manfred Busch, VNL/VDR-Landesvorsitzender. Es sei offen, wer sich die neue Altersteilzeitregelung überhaupt leisten könne. Immerhin verzichteten diejenigen auf fast ein Drittel ihres Gehaltes.

Diese Frage stellt sich auch der niedersächsische Philologenverband: Wenn ein Lehrer beispielsweise in den letzten zehn Jahren seines Berufslebens von dieser Form der Altersteilzeit Gebrauch mache, müsse er sechs Jahre lang für nur 70 Prozent seines Einkommens voll arbeiten. Die restlichen vier Jahre sei er bei ebenfalls 70 Prozent seines Einkommens von seinem Dienst freigestellt. „Wer kann schon ab Mitte 50 zehn Jahre lang auf ein Drittel seines Gehaltes verzichten, zumal in einem Zeitraum, in dem sich Kinder häufig noch in der Ausbildung befinden?“, fragt der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz.

Der VNL/VDR gibt zudem zu bedenken, dass die angekündigte Chance für Neueinstellungen nur dann greifen könne, wenn sehr viele Lehrer die Altersteilzeit in Anspruch nähmen. Die Arbeitsbedingungen würden sich für die Lehrer durch die neue Regelung jedenfalls nicht verbessern, so der Verband.

1000 schleswig-holsteinische Kollegen haben bald weniger Geld in der Tasche, fürchten CDU, FDP und Piratenpartei. Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

VNL/VDR und der niedersächsische Philologenverband bezweifeln, dass sich viele Lehrer die neue Altersteilzeitregelung werden leisten können. Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

„Es bleibt dabei: Mit der Streichung der vollen Altersermäßigung hat die Landesregierung Wortbruch begangen. Wir fordern die Landesregierung auf, schon aus ihrer Fürsorgepflicht den Lehrerinnen und Lehrern gegenüber die volle Altersermäßigung wieder einzuführen. Niedersachsens Lehrerinnen und Lehrer sind mit der Schulpolitik der rot-grünen Landesregierung aufs Höchste unzufrieden. Der Unmut in den Kollegien wächst weiter“, so Busch.

Der Philologenverband Niedersachsen bezeichnet die Aussage von Rot-Grün, das jetzt in den Landtag eingebrachte „Blockmodell“ der Altersteilzeitregelung für Lehrkräfte stelle einen Ausgleich für die Arbeitszeiterhöhung und die Streichung der Altersermäßigung dar, sogar als „massive Täuschung der Öffentlichkeit“. „SPD und Grüne verschweigen total, dass dieses Blockmodell kostenneutral ist, also von den Lehrkräften, die davon Gebrauch machen würden, selbst finanziert werden muss“, sagt der Vorsitzende Horst Audritz. Zudem werde den Lehrkräften in Altersteilzeit auch noch die letzte verbliebene eine Stunde Altersermäßigung ab 60 gestrichen. Da von einem „Zugeständnis“ der Landesregierung zu fabulieren und die Lehrer aufzufordern, die rot-grünen Zumutungen nunmehr hinzunehmen, sei schon mehr als dreist, betont Audritz. Man müsse sich wirklich fragen, für wie dumm die Landesregierung die Lehrer noch verkaufen wolle.

Nicht übersehen werden dürfe auch, dass die neue Regelung jederzeit für ganze Lehrergruppen zurückgenommen werden könne, wenn es die Unterrichtsversorgung erfordere. Wer garantiere denn nach den schlimmen Erfahrungen, die die Lehrkräfte jetzt mit Rot-Grün machten, dass nicht erneut Zusagen einkassiert würden und dass der zinslose Kredit, den die Lehrkräfte dem Land in der Arbeitsphase des Blockmodells geben, wirklich zurückgezahlt werde? Damit seien von vornherein große Unsicherheiten gegeben, die allein schon eine weitere Zumutung darstellten.

Alle bisherigen Pläne von Rot-Grün zu angeblichen „Entlastungsmaßnahmen“ für Lehrkräfte hätten sich als Luftnummern oder Mogelpackungen erwiesen, unterstreicht Audritz. Das Blockmodell der Altersteilzeitregelung bestätige diese Einschätzung einmal mehr. Man müsse sich fragen, ob die Landesregierung denn wirklich nicht merke, dass mit jedem neuen Täuschungsmanöver die ohnehin schon tiefen Gräben zwischen Lehrerschaft und Landesregierung weiter vertieft würden. Eine „Rückkehr zur Normalität“, wie sie die Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Modder, gefordert habe, könne es jedoch erst dann geben, wenn die Landesregierung die Erhöhung der Pflichtstundenzahl der Gymnasiallehrer zurücknehme und die Altersermäßigung so regele, wie das zugesagt und in Rechtsvorschriften festgelegt war.

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