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Seehofer nennt G8 einen „Quickie“ – CSU-Fraktion beschließt «epochale» Gymnasialreform

MÜNCHEN. «Das war 2003 ein bisschen als Quickie eingeführt», meinte Bayerns Ministerpräsident Seehofer zum achtjährigen Gymnasium. Jetzt wird korrigiert. Die CSU beschließt eine Rundum-Erneuerung des G8 – und nennt diese «epochal». Damit will die CSU den Dauerstreit um G8 oder G9 auflösen.

"Quickie" korrigiert: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Foto:  Henning Schlottmann / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

„Quickie“ korrigiert: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Foto: Henning Schlottmann / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die CSU-Landtagsfraktion hat die weitreichendsten Änderungen am bayerischen Gymnasium seit Einführung des G8 einstimmig beschlossen. Dies berichteten Fraktionschef Thomas Kreuzer und Kultusminister Ludwig Spaenle nach der Abstimmung bei der Herbstklausur in Kloster Banz. Kreuzer sprach von einer «epochalen Entscheidung», Spaenle vom «Gymnasium des 21. Jahrhunderts».
Das Programm hat vier Bausteine: die Wiedereinführung neunjähriger Züge am Gymnasium im Laufe der nächsten Jahre, mehr Ganztagsangebote, eine bessere Lehrerbildung und einen neuen Lehrplan vom Schuljahr 2017/18 an. Grundlage bleibt das G8 mitsamt des G8-Lehrplans. Zusätzlichen Stoff sollen G9-Schüler nicht lernen müssen. Die CSU hofft, nun den G8/G9-Streit befrieden zu können: «Wir sind die ersten, die in der Lage sind, diesen Gegensatz aufzuheben», sagte Spaenle zu dem bundesweiten Streit um die Schulzeit am Gymnasium.

In Bayern gibt es rund 330 staatliche und etwa 70 private Gymnasien. Die Schulen sollen in Absprache mit Eltern, Lehrern, Schülern und den örtlichen Kommunen selbst entscheiden können, ob sie neunjährige Züge anbieten wollen oder nicht. Eine zweijährige Pilotphase startet im Schuljahr 2015/16. Wahlweise sollen die Gymnasien auch Ganztagsunterricht anbieten können, um den Schülern mehr Lernzeit zu bieten. Damit ist auch klar, dass es möglicherweise nicht überall neunjährige Züge geben wird. «Der Anspruch «für jeden überall alles» ist in der Realität des Schulalltags auch heute nicht möglich», sagte Spaenle. Kritik am Vorgehen Spaenles geäußert hatte bei der Klausur in Kloster Banz unter anderem der frühere Wissenschaftsminister Thomas Goppel. Goppel stieß sich daran, dass der Fraktion ein Entwurf ohne große vorherige Diskussion präsentiert wurde. Nach der Diskussion zeigte er sich jedoch besänftigt: «Wir haben eine sehr viel bessere Diskussionskultur als 2003», sagte er. Der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber hatte das G8 quasi ohne Vorwarnung angekündigt – was Ministerpräsident Horst Seehofer am Vortag als «Quickie» bezeichnet hatte.

Den gleichen Fehler will die CSU dieses Mal unbedingt vermeiden. Pilotgymnasien soll es in jedem Regierungsbezirk geben, doch legte sich die CSU-Fraktion in Banz noch nicht auf eine Zahl fest. Unklar ist, wieviel die Reform kosten wird – dazu wurden der CSU-Fraktion auch keine Zahlen präsentiert. Zusätzliche Ausgaben soll Kultusminister Spaenle mit seinem regulären Etat abdecken. Die Beamten des Kultusministeriums gehen davon aus, dass etwa 20 Prozent der Gymnasiasten die neunjährige Variante wählen. Die neunjährigen Züge sollen auch kein Schleichweg zu einer späteren Wiedereinführung eines prinzipiell neunjährigen Gymnasiums sein. Die SPD ist skeptisch: «In Baden-Württemberg haben sich 90 Prozent für das G9 entschieden», sagte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. «Es stellen sich viele Fragen: Was ist mit der Finanzierung? Warum macht die CSU das erst in drei Jahren, und warum nur für wenige Schüler?»

Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger forderte ein schnelleres Tempo: «Wer G9 nehmen will, soll das ab nächstem Jahr wählen dürfen. Jahrelange Modellprojekte sind überflüssig.» Die Grünen kritisierten den CSU-Beschluss als Fortsetzung des «G8-Murks». Die kleinste Landtagsfraktion hatte allerdings über Jahre das G8 favorisiert, bevor sie vor wenigen Monaten in Richtung G9 umschwenkte. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband – der mit der CSU in der Bildungspolitik ansonsten in Dauerfehde liegt – äußerte dagegen «grundsätzliche Zustimmung». BLLV-Präsident Klaus Wenzel sieht aber ebenfalls noch viele offene Fragen. Auch die bayerischen Arbeitgeber sind zufrieden. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) macht seit langem gegen eine Wiedereinführung des G9 Front. «Das ist das richtige Signal», sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt zur Entscheidung, es grundsätzlich beim G8 zu belassen. dpa

Zum Bericht: Seehofer will keine Kompromisse bei der Gymnasialreform

Ein Kommentar

  1. Wirklich epochal ist das nicht, was Seehofer ankündigt. Das gleiche gilt für den G9-Lehrplan, nach dem die Kinder keinen zusätzlichen Stoff zu lernen brauchen.

    Übrigens wird es in Bayern außerhalb von Nürnberg, Augsburg und München nur wenige Orte mit fünf-zügigen Gymnasien geben. Denn nur dort ist mit 20% der Schüler eines Jahrgangs ein G9-Zweig machbar. In Zeiten abnehmender Schülerzahlen ist auch das ein sehr wackeliges Konstrukt. Ferner steht aus meiner Sicht die Erstellung schulinterner Curricula für 30 von 150 Schülern eines Jahrgangs in keinem Verhältnis zum Ertrag. Man muss sich auch die Frage stellen, wie die jährlich sicherlich schwankenden Schülerwahlen hinsichtlich G8 / G9 und Sitzenbleibern umzugehen ist.

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