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Studie: Analphabetismus schädigt Unternehmen – doch die wenigsten Betriebe investieren in Bildung

MAINZ. Bundesweit 7,5 Millionen Erwachsene können nicht richtig lesen und schreiben. Eine Studie, die am morgigen Weltalphabetisierungstag veröffentlicht werden soll, zeigt: Auch in Unternehmen ist das Problem allgegenwärtig.

Viele Analphabeten verstecken sich - und täuschen etwa eine Sehnenscheidenentzündung vor, um nicht schreiben zu müssen. Foto: berwis / pixelio.de

Viele Analphabeten verstecken sich – und täuschen etwa eine Sehnenscheidenentzündung vor, um nicht schreiben zu müssen. Foto: berwis / pixelio.de

Analphabetismus verursacht in Unternehmen nach einer aktuellen Studie der Stiftung Lesen in Mainz zusätzliche Kosten und Mehrbelastung der Kollegen. Dennoch sind nur wenige Betriebe bereit, in die Bildung der betroffenen Mitarbeiter zu investieren. 34 Prozent der Beschäftigten und 42 Prozent der Unternehmer gaben demnach an, mindestens einen Analphabeten im Betrieb zu kennen.

Die Ergebnisse der vom Bundesbildungsministerium geförderten Untersuchung will die Stiftung zum Weltalphabetisierungstag am Montag offiziell vorstellen. Danach berichten 41 Prozent der Arbeitgeber und 47 Prozent der Kollegen von Folgen, wenn ein Beschäftiger nicht richtig lesen und schreiben kann. «In Unternehmen, wo die Betroffenen offen damit umgehen, wird weniger über Probleme berichtet», sagte Studienleiterin Simone Ehmig.

Der von der Unesco 1966 ins Leben gerufene Tag macht jährlich auf das Thema Analphabetismus aufmerksam. Weltweit können 774 Millionen Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben. In Deutschland sind es 7,5 Millionen Menschen über 18 Jahre. Das geht aus der Level-One-Studie hervor, die das Bundesbildungsministerium 2011 veröffentlicht hat. Eine Folgestudie ist für die zweite Hälfte 2015 geplant. Ergebnisse werden für 2017 erwartet.

Für Menschen mit Lese- und Schreibschwächen gibt es viele Anlaufstellen: In den  Einrichtungen der Erwachsenenbildung in Niedersachsen zum Beispiel werden jährlich mehr als 78 000 Unterrichtsstunden angeboten, wie das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft mitteilte. Aber nur 9000 Menschen nutzten dieses Angebot. «Ich wünsche mir, dass noch mehr Betroffene das Bildungsangebot wahrnehmen. Denn nur wer lesen und schreiben kann hat auch gute Chancen auf eine berufliche, soziale und gesellschaftliche Teilhabe», sagte Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne).

Zusätzlich gibt es für Analphabeten acht Anlaufstellen in Hameln, Stade, Göttingen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg, Osnabrück und Lüneburg. «Diese regionalen Grundbildungszentren haben die Aufgabe, eine Grundbildungslandschaft aufzubauen», sagte die Sprecherin der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung Niedersachsen, Oksana Janzen. Zu den Angeboten zählten Selbsthilfegruppen, Lernsoftware für den PC und mobile Laptopkurse.

Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit werde derzeit außerdem ein Konzept entwickelt, um Mitarbeiter der niedersächsischen Jobcenter für die Problematik zu sensibilisieren.

Laut der Studie der Stiftung Lesen befürwortet zwar ein Großteil der Befragten, dass auch Erwachsene noch Lesen und Schreiben lernen sollen. «Wenn es um konkrete Maßnahmen geht, sehen wir jedoch auch klare Grenzen», sagte Ehmig. Im Arbeitsalltag halten es Arbeitgeber und Beschäftigte häufig nicht für nötig, dass die Betroffenen eine Grundbildung erwerben, weil die Abläufe auch so funktionieren: Die Analphabeten werden für bestimmte Aufgaben nicht eingesetzt, Kollegen kompensieren ihr Defizit oder Farbcodes und Symbole ersetzten Schrift. dpa

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