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Bildungswirtschaft: Überraschender Abschied von der Cornelsen-Spitze – Bob tritt ab

BERLIN. Paukenschlag bei der Verlagsgruppe Cornelsen: Alexander Bob, bislang Vorsitzender der Geschäftsführung, wird das Unternehmen – einer der größten Anbieter in der deutschen Bildungsbranche – verlassen. Hat ihm die Konzernspitze nicht mehr zugetraut, das Geschäft mit digitalen Schulbüchern für Cornelsen im Alleingang zu entwickeln? Auf der letzten Bildungsmesse didacta in Stuttgart hatten die Cornelsen Schulverlage überraschend eine eigene Plattform für digitale Bildungsmedien vorgestellt – in Konkurrenz auch zum verlagsübergreifenden Angebot des Verbands Bildungsmedien.

War bislang einer der mächtigsten Manager in der Bildungsbranche: Alexander Bob. Foto: Cornelsen.

War bislang einer der mächtigsten Manager in der Bildungsbranche: Alexander Bob. Foto: Cornelsen.

„Nachdem die Neuorganisation der Franz Cornelsen Bildungsgruppe abgeschlossen ist und das Unternehmen auch wirtschaftlich wieder auf einem guten und erfolgreichen Weg ist, hat Dr. Alexander Bob heute den Mitarbeitern der Bildungsgruppe mitgeteilt, dass er das Unternehmen zum Ende des Jahres verlässt und Anfang November aus der Geschäftsführung der Franz Cornelsen Bildungsholding und aus der Geschäftsführung der Cornelsen Schulverlage ausscheidet“, so verlautete aus dem Konzern.

Also Abschied aufgrund von großem Erfolg? Wohl eher beschönigender Unternehmenssprech. Fakt ist: Mit dem jüngsten Großprojekt „scook“ hatte Cornelsen für Verwunderung in der Branche gesorgt. „Der Vorstoß von Cornelsen ist deshalb bemerkenswert, weil es mit den ‚Digitalen Schulbüchern‘ bereits seit Ende 2012 ein ganz ähnliches verlagsübergreifendes Angebot gibt. Dessen Träger ist der Verband Bildungsmedien e.V., ein Zusammenschluss deutscher Schulbuchverlage“, so berichtete seinerzeit der Wirtschaftsnachrichtendienst Heise online. Und diesem Zusammenschluss gehört Cornelsen eigentlich an.

Den Unterschied zwischen dem bestehenden Angebot und scook sehe Cornelsen in den weiterführenden Möglichkeiten zur Interaktion und Kommunikation, so hieß es bei der Präsentation: Auf scook können Lehrer und Schüler Material hochladen und sich austauschen. Ein durchaus riskanter Kurs: Kann sich ein einzelner Anbieter – selbst einer von der Größe Cornelsens – auf dem sich erst entwickelnden deutschen Markt für digitale Bildungsmedien behaupten? Zweifel sind erlaubt, zumal der Soft- und Hardware-Gigant Apple unlängst sein Angebot für digitale Schulbücher und Lerninhalte nach Deutschland gebracht hat. Mit „iBooks Textbooks“ können mit einfachen Mitteln interaktive und multimediale Lernbücher erstellt werden, die Animationen, rotierende 3D-Diagramme, Fotogalerien oder Videos enthalten. Nach Angaben von Apple finden sich auf der Plattform bereits über 25.000 Lehrbücher – und das soll erst der Anfang sein.

Der digitale Bereich ist ein wesentliches Element in der Konzernstrategie von Cornelsen. Die Bildungsgruppe hatte 2012 angekündigt, sich umzustrukturieren – und sich künftig auf den Schulbuchmarkt und das digitale Geschäft zu konzentrieren. Andere Unternehmensteile wie Nachhilfe und Wissenschaftsverlage wurden dafür abgestoßen. Man werde in Prozesse und IT-Systeme investieren und sich so aufstellen, dass „das (digitale) ,Schulbuch der Zukunft’ von den Cornelsen Schulverlagen kommt“, hieß es in einer Pressemeldung seinerzeit. Sehr ambitioniert. Ist der Start von scook womöglich nicht so verlaufen, wie sich die Mehrheitsgesellschafterin, die Franz Cornelsen Stiftung, das vorgestellt hat? Jetzt übernimmt erst mal ein Mann aus dem engsten Führungszirkel das operative Geschäft: Wolf-Rüdiger Feldmann, bislang Mitglied im Vorstand der Franz Cornelsen Stiftung und zuvor viele Jahre Geschäftsführer der Cornelsen Schulverlage. Vorerst jedenfalls, „bis zur Regelung der Nachfolge“ von Bob, wie die Verlagsgruppe mitteilte. Dass die ungeklärt ist, deutet auf eine plötzliche Entscheidung hin. Offenbar hat es im Verlagssitz in Berlin heftig gekracht.

Der 55-jährige Bob werde sich, so teilte Cornelsen auch noch mit, „eine Auszeit“ gönnen, „bevor er sich dann wieder unternehmerischen Aktivitäten zuwendet“. Branchenüblich ist eine solche Pause, um einen schnellen Wechsel zur Konkurrenz und damit die Weitergabe von Interna zu verhindern – in der Regel abgefedert mit einer großzügigen Abfindung. News4teachers

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