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Brodkorb schenkt jedem Lehrer im Land die Hattie-Studie – Auftakt einer Qualitätsoffensive

SCHWERIN. Nach den Extra-Millionen für zusätzliche Lehrerstellen in Mecklenburg-Vorpommern will Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) die Unterrichtsqualität erhöhen und die Lehrer dafür fit machen. Knapp die Hälfte der landesweit rund 12.000 Pädagogen soll in den kommenden fünf Jahren Fortbildungskurse belegen. Dafür stehe ein zweistelliger Millionenbetrag aus dem EU-Sozialfonds bereit. «Wir rücken das Lehrerpersonal in den Vordergrund, denn vom Lehrer hängen die Erfolge der Schüler maßgeblich ab», sagte Brodkorb unter Hinweis auf die sogenannte Hattie-Studie.

Möchte Lehrer über die Erkenntnisse der Bildungsforschung informieren: Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Möchte Lehrer über die Erkenntnisse der Bildungsforschung informieren: Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Der neuseeländische Pädagogik-Professor John Hattie hatte in 15-jähriger Arbeit rund 80.000 Bildungsstudien aus aller Welt ausgewertet. Er war danach zu dem Schluss gelangt, dass strukturelle Bedingungen wie die Klassengröße weit weniger Einfluss auf den Lernerfolg habe, als Kompetenz, Haltung und Leidenschaft der Pädagogen. «Auf den Lehrer kommt es an», lautete das Fazit.

Im Auftrag des Schweriner Bildungsministeriums verfasste der Oldenburger Erziehungswissenschaftler Prof. Klaus Zierer eine Kurzfassung der Hattie-Studie. Die 130-seitige Broschüre wurde laut Brodkorb in einer Auflage von 15.000 Stück gedruckt und soll jedem Lehrer im Land zur Verfügung gestellt werden. Den Auftakt der Qualitätsoffensive soll der Schulkongress am 13. Dezember in Rostock bilden, zu dem mehr als 500 Pädagogen erwartet werden.

Nach Ansicht Zierers ist die Motivation der Lehrer der Schlüssel für gute Schule. «Lernen ohne Motivation funktioniert nicht. Nur ein motivierter Lehrer kann seine Schüler zum Lernen motivieren», sagte der Wissenschaftler bei der Vorstellung seiner Publikation «Hattie für gestresste Lehrer» in Schwerin. Wichtig sei dabei immer auch die Rückmeldung an den Schüler. Die Note in Leistungskontrollen sei dabei nur ein Aspekt. «Wichtiger ist das Feedback im Lernprozess, weil es die Selbstregulierung des Schülers beeinflusst.»

Diese Frage werde auch ein zentrales Thema der Fortbildungen sein, kündigte Brodkorb an. Damit solle auch der Austausch unter den Lehrern verbessert und die Bereitschaft zur Diskussion über die eigene Arbeit erhöht werden. «Wir alle machen Fehler, sollten sie aber nicht als Versagen sehen, sondern als Erkenntnismöglichkeit für Veränderungen», mahnte Brodkorb.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, rief den Minister auf, die Unterrichts- und Rahmenbedingungen für die Lehrer zu verbessern. Nur so könnten die Ergebnisse der Hattie-Studie auch zur Qualitätsentwicklung beitragen. So sei die Zahl der Beraterlehrkräfte seit 2011 auf 62 halbiert worden. Zudem fehle eine Strategie für die Arbeit der Fachberater, da die Verwaltungsvorschrift dafür seit zwei Jahren außer Kraft sei. «Es kommt eben nicht nur auf die Lehrerinnen und Lehrer an, sondern auch auf den Bildungsminister», erklärte Oldenburg. dpa

Zum Bericht: Brodkorb lobt sich: Bester Schulstart seit Jahren – Opposition kritisiert trotzdem

4 Kommentare

  1. Andreas Wischnewski

    Der Herr Brodkorb weiß offenbar nicht, dass die Hattie-Studie grundlegende Auswertungsfehler hat und darum für die Tonne ist.
    http://ollieorange2.wordpress.com/2014/08/25/people-who-think-probabilities-can-be-negative-shouldnt-write-books-on-statistics/

  2. steht in der Hattie-Studie eigentlich anderes als was Lehrer seit Jahrzenten wussten, allerdings seit PISA nicht mehr laut sagen durften?

  3. Da die Motivation vieler Lehrkräfte negativ korreliert mit den Klassengrößen, „Ideen“ bzw. Experimenten der Kultusministerien, (unbezahlten) Verwaltungsaufgaben usw. macht der Minister ja alles richtig. Zumindest für die Öffentlichkeit, die vom wirklichen Lehrerberuf keine Ahnung haben.

  4. Es sind immer 3 Faktoren, die den Lernerfolg bestimmen: der Lehrer, die Schüler, der Unterricht !!!

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