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Flüchtlingsrat rennt mit Forderung nach mehr Deutschlehrern offene Tore ein

LÜBECK/KIEL. Die Zahl der Flüchtlingskinder in Schleswig-Holstein steigt derzeit rapide an. Die Zentren für Deutsch als Fremdsprache platzen aus allen Nähten. Landesflüchtlingsrat und GEW fordern daher mehr speziell ausgebildete Lehrkräfte. Auch Bildungsministerin Ernst will die Kapazitäten erweitern.

Der wachsende Zustrom von Flüchtlingen nach Schleswig-Holstein stellt nicht nur die Kommunen, sondern auch die Schulen vor Probleme. Unter den Neuankömmlingen sind viele schulpflichtige Kinder, die kein Wort Deutsch verstehen.

Derzeit werden in den 84 DaZ-Zentren in Schleswig-Holstein 1853 Kinder und Jugendliche unterrichtet. Foto: DFID - UK Department for International Development / Wikimedia Commons (CC-BY-2.0)

Derzeit werden in den 84 DaZ-Zentren in Schleswig-Holstein 1853 Kinder und Jugendliche unterrichtet. Foto: DFID – UK Department for International Development / Wikimedia Commons (CC-BY-2.0)

Eigentlich habe Schleswig-Holstein mit den Zentren für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) ein sehr gutes System des Sprachunterrichts für nicht-deutsche Schüler, sagte die Mitarbeiterin des Flüchtlingsrates Schleswig-Holstein, Johanna Boettcher. Doch die Zahl der Lehrer in den Zentren liege seit Jahren unverändert bei 210 – viel zu wenig angesichts der aktuellen Zahl der Flüchtlingskinder.

In den DaZ-Zentren lernen Schüler mit fremder Muttersprache Deutsch, damit sie dem normalen Unterricht folgen können. Dann werden sie in die Schulart eingeschult, die sie in ihren Herkunftsländern besucht haben. In der Übergangszeit erhalten sie neben dem normalen Fachunterricht spezielle Sprachförderung. Insgesamt gebe es in den Kreisen und kreisfreien Städten 84 DaZ-Zentren, sagte der Sprecher des Kieler Bildungsministerium, Thomas Schunck. Dort werden aktuell 1853 Kinder und Jugendliche unterrichtet. «Allerdings sind darunter auch junge Zuwanderer aus EU-Ländern und in Deutschland aufgewachsene Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse», erläuterte Schunck.

Aber: «Viele Kinder besuchen inzwischen die Schule, ohne ein Wort vom Unterricht zu verstehen, weil keine Plätze in den DaZ-Zentren frei sind» sagte Boettcher. Ein weiteres Problem ergibt sich auf dem flachen Land. Wenn Flüchtlingsfamilien in kleinen Orten untergebracht sind, ist das nächste Sprachzentrum mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft nur schwer oder gar nicht zu erreichen. «Wir fordern daher neben mehr besonders geschulten Lehrern, dass Flüchtlingsfamilien mit schulpflichtigen Kindern in der Nähe von DaZ-Zentren untergebracht werden», sagte sie.

Unterstützung bekommt der Flüchtlingsrat von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Nach Auffassung ihres Landesvorsitzenden Matthias Heidn sind 250 zusätzliche Lehrerstellen nötig. «Uns ist durchaus bewusst, dass sich dieser Bedarf nicht von heute auf morgen decken lässt. Aber das Schulministerium darf vor dem tatsächlichen Bedarf auch nicht die Augen verschließen», heißt es in einer GEW-Pressemitteilung.

Kinder, von denen nicht wenige durch Krieg, Verlust der Heimat und Fluchterlebnisse traumatisiert seien, dürften nicht einfach ohne geringste Deutschkenntnisse in normale Klassen gesteckt werden, sagte Heidn. «Für die Kinder, die im Unterricht nichts mitbekommen, ist das der pure Frust. Die mit der Situation völlig überforderten Lehrkräfte leiden ebenfalls darunter», sagte der Gewerkschaftsvorsitzende.

Das System der DaZ-Zentren sei bedarfsgerecht, sagte Schunck. Er räumte aber ein, dass es an einigen Schulen räumliche Engpässe gebe. «In sechs Kreisen gibt es Gespräche mit anderen Partnern wie zum Beispiel den Kirchen, um zeitnah Lösungen zu finden», sagte er.

Und Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) sagte Hilfe zu: «Mit den DaZ-Zentren haben wir eine gute Ausgangslage. Aber angesichts der immer größeren Flüchtlingsströme wollen wir die vorhandenen Kapazitäten erweitern. Dazu gibt es interministeriell einen engen Austausch.» (dpa)

zum Bericht: Deutschunterricht für Flüchtlingskinder – „Lehrerstellen fehlen hinten und vorne“
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