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Nicht ins All, aber doch hoch hinaus – Schüler starten selbstgebaute Satelliten

ROTENBURG. Sie sind nur so groß wie eine Getränkedose, in ihnen steckt aber viel Technik: Schüler haben für einen Wettbewerb Satelliten im Mini-Format gebaut. Mit einer Rakete gingen sie nun in die Luft.

So erklären die Veranstalter Schülern das Prinzip des Wettbewerbs. Screenshot

So erklären die Veranstalter Schülern das Prinzip des Wettbewerbs. Screenshot

Der Countdown läuft: «5, 4, 3, 2, 1». Mit einem lauten Zischen hebt die Rakete ab. Justus Dettki und Golo Völker blicken in 400 Metern Entfernung abwechselnd in den Himmel und auf ihren Laptop, den sie am Rand des Flugplatzes aufgebaut haben. Wenige Sekunden später gleitet ihr kleiner Satellit an einem Fallschirm zu Boden. Ihre Teamkollegen streifen sich orangefarbene Westen über und rennen quer über das Feld, um das Gerät zu bergen.

«Wir haben leider keine Daten auf unserem Laptop empfangen.», sagt der 17-jährige Golo und zuckt mit den Schultern. Für ihn und seine Mitstreiter aus Herrenberg in Baden-Württemberg war es trotzdem ein Erfolg. «Der Satellit hat funktioniert», sagt Justus. «Die Daten sind auf ihm gespeichert.»

Mehr als ein halbes Jahr haben sich die Schüler auf den ersten deutschen «CanSat»-Wettbewerb vorbereitet, bei dem zehn Teams aus acht Bundesländern am Mittwoch in Rotenburg gegeneinander antraten. Mit einer Rakete fliegen die selbst gebauten Mini-Satelliten in etwa 1000 Meter Höhe und schweben an Fallschirmen zurück zum Boden. Währenddessen bestimmen sie unter anderem die Temperatur oder verschiedene Gase.

Jedes Team hat sich für den Wettbewerb eine eigene Mission gesucht. So will das Bremer Team die Suche nach außerirdischem Leben simulieren und dafür die UV-Strahlung und die Luftfeuchtigkeit bestimmen. Ihre Berliner Konkurrenten wollen die Feinstaubkonzentration in der Luft messen. Eine Gruppe aus Bayern wiederum testet ein System, bei dem sich das Taumeln bei einem Stratosphären-Sprung wie bei dem des Extremsportlers Felix Baumgartner vermeiden lassen soll.

Ins All starten die Minis zwar nicht – und kreisen auch nicht um die Erde wie echte Satelliten. «Das ist trotzdem sehr nah dran an einer echten Raumfahrtmission», sagt Dirk Stiefs vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, der den Wettbewerb mitorganisiert hat. Und wie immer in der Raumfahrt gibt es strenge Platz- und Gewichtsvorgaben: Der Satellit darf gerade mal so groß wie eine Getränkedose sein und nicht mehr als 350 Gramm wiegen.

Für die 52 Schüler war es deshalb eine echte Herausforderung, die ganzen Bauteile in den Modellen unterzubringen. «Die haben ja alles an Technik drin, was Satelliten auch haben», sagt der Physiklehrer Daniel Borowski, der ebenfalls zu den Organisatoren gehört.

Doch am Ende zählt nicht nur die technische Fertigkeit. Die Teams mussten für ihr Projekt auch einen Finanzplan aufstellen, Sponsoren werben und sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmern. «Es kommt auf das ganze Paket an», erläutert Borowski. Eine Jury aus sechs Raumfahrtexperten wird am Freitag die Sieger küren. Diese werden im nächsten Jahr zum europäischen Ausscheid reisen.

Egal, wie es ausgeht, Justus und Golo haben bereits das nächste Ziel vor Augen: den Weltraum. Mit ihrem Team vom Jugendforschungszentrum Aerospace Lab in Herrenberg wollen sie in den nächsten Jahren einen richtigen Satelliten losschicken. Der Start an diesem Tag sei für sie ein «Meilenstein auf dem Weg ins All» gewesen, sagt Justus. «Das werden wir natürlich feiern.» Aber nur kurz, dann werden die nächsten Nachtschichten geschoben. Irena Güttel , dpa

Zum Bericht: „Der Wettbewerb CanSat“

Ein Kommentar

  1. Mit dem neuen Lehrplan für Physik in Rheinland-Pfalz sind Beteiligungen an solchen Wettbewerben weitgehend unvorstellbar geworden.

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