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Psychologie: Schwarzseher von Geburt an? Weltsicht auch genetisch bedingt

SAARBRÜCKEN. Nicht nur Familie, Gesundheit, Geld oder Erfolg tragen zu unserer Zufriedenheit bei, auch die Gene spielen hier eine gewichtige Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt die Psychologin Elisabeth Hahn von der Saar-Universität in einer Studie. Danach sind die Unterschiede zwischen Menschen in ihrer Zufriedenheit zu 30 bis 37 Prozent genetisch bedingt. Die Psychologin untersuchte, inwieweit Gene und Umwelt das subjektive Wohlbefinden und die Persönlichkeit beeinflussen.

Jeder Mensch ist das Produkt aus angeborenen, genetischen Anlagen und Umwelteinflüssen, also allem, was uns im Laufe des Lebens vom Mutterleib an widerfährt. Der komplizierte Mix aus beidem macht jeden Menschen einzigartig. Elisabeth Hahn hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Universität des Saarlandes untersucht, inwieweit Erbanlagen Unterschiede speziell in der Zufriedenheit und der Persönlichkeit erklären können und inwieweit Umwelteinflüsse hier eine Rolle spielen. Ihr Ergebnis: Zu 30 bis 37 Prozent stehen die Unterschiede in Sachen Zufriedenheit unter genetischem Einfluss.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass es eine stabile Komponente der Zufriedenheit gibt, und diese lässt sich vermutlich genetisch erklären. Für jeden Menschen existiert also eine Art Grundtendenz, eher zufrieden oder unzufrieden zu sein. Das bedeutet aber nicht, dass derjenige, der von seinen Anlagen her die Dinge eher negativ sieht, daran nichts ändern kann“, erklärt Elisabeth Hahn. Ein angeborener Hang zum Schwarzsehen bedeute für die Betreffenden jedoch, dass sie sich wahrscheinlich mehr anstrengen müssen, um zufrieden zu sein. „So macht etwa mehr Geld nicht alle Menschen gleichermaßen zufrieden – jeder hat seine eigene Grundtendenz und individuelle Umwelteinflüsse, die ihn prägen“, sagt die Psychologin.

Zwillinge eigene sich besonders für die Forschung nach genetisch bedingten Verhaltensweisen. (Foto: Baerchen57/Flickr)

Zwillinge eignen sich besonders für die Forschung nach genetisch bedingten Verhaltensweisen. (Foto: Baerchen57/Flickr)

Auch wie die Lebenszufriedenheit mit der Persönlichkeit zusammenhängt, untersuchte die Psychologin. „Dass die Wesenszüge eines Menschen etwa zur Hälfte erblich sind, haben Studien immer wieder bestätigt, das gilt auch für meine Studie. Interessant war aber, dass sich zwischen Lebenszufriedenheit und Persönlichkeit ein stabiler Zusammenhang zeigte. Das hat die Frage aufgeworfen, inwieweit für diesen Zusammenhang gemeinsame genetische Einflüsse verantwortlich sind“, sagt sie. Das Ergebnis war überraschend eindeutig: „Sämtliche genetischen Einflüsse auf die Lebenszufriedenheit wirkten sich zugleich auf die Persönlichkeit aus und können somit durch die Persönlichkeit erklärt werden. Der Zusammenhang zwischen diesen beiden Merkmalen scheint demnach auf gemeinsamen genetischen Faktoren zu beruhen“, erläutert sie.

Um Fragen nach dem Einfluss von Genen und Umwelt zu beantworten, untersucent die Saarbrückener üblicherweise Zwillinge: Eineiige sind zu 100 Prozent genetisch identisch, daher spricht viel dafür, dass Unterschiede zwischen ihnen durch Umwelteinflüsse bedingt sind. Auch Elisabeth Hahn analysierte für ihre Studie Zwillinge, darüber hinaus aber auch Geschwisterpaare, Mütter und Kinder, Großeltern und Enkel. Insgesamt waren es 1308 Paare im Alter von 17 bis 70 Jahren. Bei ihrer Forschung konnte sie auf repräsentative Befragungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) aus einem Zeitraum von 20 Jahren zugreifen: Das DIW befragt jedes Jahr deutsche Haushalte auch zur Zufriedenheit. Die Gruppe der ein- und zweieiigen Zwillinge befragte Elisabeth Hahn selbst.

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