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Sexuelle Vielfalt: Bildungsplangegner gehen wieder auf die Straße

Zum aktuellen Bericht von der  Demonstration.

STUTTGART. Letzte Nachwehen einer beendeten Diskussion oder Fortschreibung eines heftig geführten Streits? Am Sonntag soll es wieder Demonstrationen gegen den Bildungsplan geben.

Zu regeln, welche Kompetenzen Schüler fächerübergreifend erwerben sollen, das ist die Aufgabe von Bildungsplänen. Das dabei Wertorientierungen berührt werden ist naheliegend. Da kann es schon einmal zu Unstimmigkeiten kommen. Eine so heftig geführte Auseinandersetzung wie in Baden-Württemberg ist allerdings eher die Ausnahme.

Unter dem Motto “Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder” wollen die Bildungsplangegner in Stuttgart wieder auf die Straße gehen. (Das Bild zeigt eine Szene aus einer Demonstration am 28. Juni 2014 in Stuttgart.) Foto: Demo für Alle / flickr (CC BY-SA 2.0)

Unter dem Motto “Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder” wollen die Bildungsplangegner in Stuttgart wieder auf die Straße gehen. (Das Bild zeigt eine Szene aus einer Demonstration am 28. Juni 2014 in Stuttgart.) Foto: Demo für Alle / flickr (CC BY-SA 2.0)

Das Vorhaben der Landesregierung, dem Thema sexuelle Vielfalt in den Bildungsplänen ab 2015 mehr Raum zu geben hatte zum Streit geführt. Petitionen, Gegenpetitionen und Protestkundgebungen haben bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Im April reagierten Ministerpräsident Kretschmann und Bildungsminister Stoch. Statt eines Querschnittsthemas sexuelle Vielfalt gebe es nun die neue allgemeine Leitperspektive, Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt, so Kretschmann. Und Kultusminister Stoch ergänzte: „Es werden darin neben der sexuellen Vielfalt die Themen Toleranz und diskriminierungsfreier Umgang mit Vielfalt in personaler, religiöser, kultureller, ethnischer und sozialer Hinsicht in einem größeren Kontext behandelt. Die Einführung des Bildungsplans wurde um ein Jahr nach hinten geschoben.

Damit könnte das Thema eigentlich erledigt sein und das sah auch der Petitionsausschuss so, zumindest die darin sitzenden Regierungsvertreter. Die Petition «Kein Bildungsplan unter der Ideologie des Regenbogens» die 192 000 Unterstützer fand, wurde abgelehnt. Es bestehe keine Aussicht auf Erfolg, weil Landesregierung an ihrem Ziel festhalte. Dies hatte Unmut in Teilen der CDU erregt.

Die Bildungsplangegner geben sich damit noch lange nicht geschlagen. Unter dem Titel “Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder” ruft am kommenden Sonntag das Aktionsbündnis “Demo für Alle” in Stuttgart zu einer Demonstration für die Bewahrung von Ehe und Familie auf.

Durch die Ablehnung der Petition erwarte sie einen Mobilisierungsschub, sagte Hedwig von Beverfoerde vom Aktionsbündnis. Die Gegner kritisieren die ihrer Ansicht nach geplante «Sexualisierung» des Unterrichts. Wenn es um Fragen der Intimsphäre oder die Sexualität gehe, seien in erster Linie die Eltern gefragt. Die Schule müsse dabei hinten anstehen.

In dem Aktionsbündnis mit 19 Untergruppen sind beispielsweise ein Evangelischer Arbeitskreis von CDU-Kreisverbänden genauso vertreten wie das Forum deutscher Katholiken oder das katholische Hilfswerk Kirche in Not. Aber auch die eurokritische AfD ist am Sonntag mit einem Redebeitrag mit von der Partie. Innerhalb der Partei gibt es scharfe Kritiker am Bildungsplan. Sie sind im Pforzheimer Kreis organisiert, in dem sich Christen gegen die Abtreibung und für die Wertschätzung von Ehe und Familie einsetzen. AfD-Landeschef Bernd Kölmel erklärte auf Anfrage: «Es muss sich eine Unaufgeregtheit beim Thema Homosexualität in der Gesellschaft einstellen. Aber im Bildungsplan stellt Grün-Rot das Thema über alles. Das ist falsch.»

Die GEW äußerte sich indessen zurückhaltend: Das Thema sexuelle Vielfalt sei nur ein kleiner Teil der Debatte, sagte ein Sprecher. Gut sei, dass Kultusminister Andreas Stoch (SPD) die Einführung des Bildungsplans um ein Jahr verschoben habe. «Wir haben schon die Erfahrung gemacht, dass sexuelle Vielfalt ein heikles Thema sein kann.» Manche religiös-orientierten Eltern meldeten ihre Kinder bei dem Thema vom Unterricht ab. Als betroffene Gebiete nannte der Sprecher Teile des Nordschwarzwalds oder auch die Schwäbische Alb.

Die grün-rote Landesregierung hat den Widerstand lange Zeit unterschätzt. Zu der erneuten Protestkundgebung wollte sich ein Ministeriumssprecher nicht äußern.

Es ist inzwischen die fünfte Kundgebung in Sachen Bildungsplan. Es gab auch schon einmal Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern. Am Sonntag ist die Polizei mit mehreren hundert Beamten im Einsatz, um Rangeleien zu vermeiden, wie ein Sprecher sagte. (News4teachers mit Material der dpa)

zum Bericht: Neue Eskalation im Streit um Bildungsplan? – CDU kritisiert Ablehnung der Petition
zum Bericht: Sexuelle Vielfalt im Unterricht: Demonstrationen in Stuttgart – 100 Teilnehmer vorübergehend festgenommen

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