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30.000 Übernachtungen weniger: Klassenfahrt-Boykott der Gymnasien schmerzt Jugendherbergen

HANNOVER. Seit einem Jahr sind die Fronten zwischen Landesregierung und Gymnasiallehrern verhärtet. Vielerorts haben die Pädagogen wegen der verordneten Mehrarbeit freiwillige Leistungen gestrichen. Jugendherbergen leiden, Schüler protestieren.

Klassenfahrten sind pädagogisch wertvoll - und für Lehrer oft Zusatzarbeit. Foto: gostockholmgoeteborg / (CC BY-NC-SA 2.0)

Klassenfahrten sind pädagogisch wertvoll – und für Lehrer Zusatzarbeit. Foto: gostockholmgoeteborg / (CC BY-NC-SA 2.0)

Der Klassenfahrt-Boykott von Gymnasiallehrern trifft die Jugendhergen in Niedersachsen hart. Insgesamt seien in diesem Jahr allein im Nordwesten rund 30 000 Übernachtungen von Schulklassen weggefallen, sagte Oliver Engelhardt, Marketingleiter für die 32 Jugendherbergen und zwei Jugendzeltplätze zwischen der Grenze zu Nordrhein-Westfalen und der Nordsee. Für das kommende Jahr rechnet der Verband ebenfalls mit etwa sechs Prozent weniger Übernachtungen in der Region.

Aus Protest gegen die von Rot-Grün beschlossene Mehrarbeit hatten die Lehrer vor einem Jahr angekündigt, Klassenfahrten und andere freiwillige Leistungen zu streichen. Nach Angaben des Philologenverbandes sprachen sich die Personalräte von rund 170 der 250 niedersächsischen Gymnasien für den Boykott aus. An wie vielen Schulen dieser tatsächlich umgesetzt wird, lässt sich nicht ermitteln. Es gebe Schulleiter, die einzelne Kollegen unter Druck setzten, Fahrten zu begleiten, sagte der Chef des niedersächsischen Philologenverbandes, Horst Audritz.

Seit den Sommerferien müssen die Pädagogen an Gymnasien eine Stunde mehr pro Woche unterrichten. Mit der neuen Arbeitszeitverordnung spart das Land etwa 80 Millionen Euro ein, die an anderer Stelle in die Bildung fließen sollen. Gegen die Beschlüsse wehren sich die Lehrerverbände auch vor Gericht. Stellvertretend haben sieben Pädagogen am Oberverwaltungsgericht in Lüneburg eine Normenkontrollklage eingereicht.

Das Kultusministerium appelliert an die Gymnasiallehrer, den Boykott von Klassenfahrten einzustellen. Die Lehrkräfte hätten ein spezielles Entlastungspaket geschnürt bekommen. Unter anderem würden fast alle Ganztagsangebote bei der Unterrichtszeit angerechnet, es gebe weniger Klausuren und weniger Korrekturen, kleinere Klassen oder ein spezielles Altersteilzeitmodell speziell für Lehrer, heißt es aus dem Ministerium.

Die Reaktionen auf die Lehrerproteste sind in der Schülerschaft geteilt. Es gab sowohl Solidaritätskundgebungen als auch Demonstrationen gegen den Klassenfahrt-Boykott. An der Kooperativen Gesamtschule Rastede (Landkreis Ammerland) wollten sich die Schüler nicht mit dem Verzicht auf Fahrten zufriedengeben und kündigten ihrerseits einen Boykott von Klassenbuch- und Tafeldienst an.

«Wir ermuntern Schüler zu solchen Aktionen», sagte der Vorsitzende des Landesschülerrates (LRS), Helge Feußahrens. Am 14. Januar 2015 soll es in Hannover eine weitere Demonstration gegen den Klassenfahrten-Boykott geben. Die Schüler haben allerdings auch Verständnis für den Frust der Lehrer, deren Mehrarbeit während der Ausflüge kaum angerechnet wird. Das Kultusministerium müsse die Rahmenbedingen verbessern, sagte der Schülervertreter: «Die Lehrer bleiben teilweise auf ihren Kosten sitzen.» dpa

Zum Bericht: Lehrerboykott von Klassenfahrten flaut nicht ab – jetzt planen Schüler Gegenstreik

Ein Kommentar

  1. Respekt vor der Geschlossenheit der Lehrer in Niedersachsen. Warum sollten sie auch bei einer Jahresarbeitszeit von fast 2100 Stunden (wie viele Studien zeigten) noch mehr arbeiten??

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