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Drastische Strafmaßnahme? Lehrerin soll Schüler an einen Stuhl gebunden haben

BAD MERGENTHEIM. Weil sie ihre Stühle am Vortag nicht auf die Tische gestellt hatten, mussten Erstklässler an einer katholischen Privatschule eine Stunde auf dem blanken Boden verbringen – so zumindest der Vorwurf. Die Lehrerin hat inzwischen „aus persönlichen Gründen“ gekündigt, das Stuttgarter Regierungspräsidium untersucht den Vorfall. Die Schule hüllt sich in Schweigen.

Eine Lehrerin in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) soll einen Erstklässler während der Schulstunde mit einem Seil an einen Stuhl festgebunden haben. Das berichteten die «Fränkischen Nachrichten». Mehrere andere Erstklässler aus derselben Klasse der katholischen Privatschule hätten die gesamte Schulstunde auf dem blanken Fußboden kniend verbringen müssen. Anlass des Vorfalls, der sich bereits in der vergangenen Woche ereignet hatte, sei gewesen, dass die Schüler am Vortag ihre Stühle beim Aufräumen nicht richtig auf die Tische gestellt hatten. Das Regierungspräsidium Stuttgart prüft die Vorfälle.

Drakonische Bestrafung: Wegen nicht hochgestellter Stühle bindet eine Lehrerin einen Erstklässler an einen Stuhl. (Foto: Thomas Favre-Bulle/Flickr CC BY-NC 2.0)

Drakonische Bestrafung: Wegen nicht hochgestellter Stühle bindet eine Lehrerin einen Erstklässler an einen Stuhl. (Foto: Thomas Favre-Bulle/Flickr CC BY-NC 2.0)

Die Behörde hat die Rechtsaufsicht über die Privatschule. Danach hatte sich die Elternbeiratsvorsitzende am Donnerstag vergangener Woche an die Schulleitung gewandt. Bei dem Gespräch mit Schulleitung, Lehrerin, Elternvertretern sowie weiteren Pädagogen am Samstag sei klar geworden, dass die Vorgehensweise der Lehrerin grundsätzlich nicht den pädagogischen Vorstellungen und Werten der Schule entspreche. Sie habe dann «aus persönlichen Gründen» gekündigt, sagte eine Sprecherin des Regierungspräsidiums.

Die Angelegenheit werde durch schulfachliche und juristische Mitarbeiter geprüft. Zudem werde untersucht, ob der Lehrkraft eine künftige Tätigkeit als Lehrerin an einer Privatschule zu untersagen sei. «Weitere Aussagen wollen wir aufgrund der Verschwiegenheitspflicht in Personalangelegenheiten nicht erteilen», sagte die Sprecherin weiter.

Der Schulleiter war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, das Kultusministerium in Stuttgart wollte sich nicht äußern. «Für Privatschulen sind wir nicht zuständig», sagte eine Sprecherin. Grundsätzlich lege jede Lehrkraft einen Diensteid ab, zudem müsse sich jeder Pädagoge an Paragraf 90 des Schulgesetzes halten, in dem es unter anderem heißt: «Die körperliche Züchtigung ist ausgeschlossen.»

Generell gilt für Lehrer in ganz Deutschland seit 1973 das Gewaltverbot. Immer wieder kommt es allerdings zu Vorfällen an Schulen. Zuletzt stand im Mai 2014 ein Lehrer aus dem hessischen Eschwege vor Gericht, weil er Gewalt gegen seine schwer erziehbaren Schüler angewendet haben soll. Der Pädagoge wurde indes freigesprochen. (dpa)

zum Bericht: Eltern bringen Lehrer mit erlogenen Prügelvorwürfen vor Gericht – Freispruch

zum Bericht: Studie: Strafen beeindrucken Kinder weit weniger als ein gutes Beispiel

15 Kommentare

  1. „Generell gilt für Lehrer in ganz Deutschland seit 1973 das Gewaltverbot. Immer wieder kommt es allerdings zu Vorfällen an Schulen. Zuletzt stand im Mai 2014 ein Lehrer aus dem hessischen Eschwege vor Gericht, weil er Gewalt gegen seine schwer erziehbaren Schüler angewendet haben soll. Der Pädagoge wurde indes freigesprochen. (dpa)“

    Der Pädagoge wurde indes freigesprochen. Genau, immer zuerst diese Sensationsmeldungen, aber was am Ende dann herauskommt, wird leider viel zu oft verschwiegen!!

    Wer weiß, was hier tatsächlich passierte. Allerdings fällt schon auf, dass die Lehrerin umgehend kündigte.

  2. @ mdn, nehmen Sie mir meinen Einwurf nicht übel, wenn ich um „mehr Nachdenken“ bitte. In GANZ Deutschland gilt dieses Verbot sicher nicht seit 1973 oder haben DDR und Alt-BRD dieses Verbot beide im gleichen Jahr beschlossen?!? (Das mag Ihnen jetzt kleinkariert vorkommen, aber als Ossi ärgere ich mich doch immer wieder über solche und ähnliche Aussagen, die vergessen scheinen, dass 1990 16 Millionen Menschen hinzugekommen sind und man das „ganze Deutschland“ nicht mit Westdeutschland alleine vergleichen kann.)

  3. @ mnd, ha, und schon ergibt eine kurze Recherche im Internet, dass das halbe Deutschland alias „Alt-BRD“ die Prügelstrafe an Schulen zwar 1973 abschaffte, die andere Hälfte alias DDR in diesem Falle aber Vorreiter war und die Prügelstafe an Schulen bereits 1949 abgeschafft hat.

    • Toll! Es lebe die ehemalige DDR!

    • An den Schulen gab’s evtl. keine körperliche Züchtigung mehr. Manchmal schmerzt die subtile oder psychische Gewalt aber noch mehr.

      Ihre Angabe zur Abschaffung der Prügelstrafe in der ehemaligen DDR zweifele ich nicht an.
      Hier keine physische Gewalt, dort aber dafür um so mehr. Immerhin musste die DDR ihre Bürger im wahrsten Sinne einmauern, damit sie ihnen nicht davonlaufen. Wer das wagte, wurde verfolgt und wie Wild gejagt. Viele bezahlten ihren Freiheitsdrang auch mit dem Leben.

      Es ist aber schon interessant, dass ein an sich so repressives System wie die ehemalige DDR im Raum Schule viel früher auf physische Gewalt verzichtete als der andere Teil Deutschlands.

      Ich erwähnte es bereits, in meinem Kommentar geht’s mir aber nicht um diesen Aspekt.

    • Mir ist schleierhaft, warum Sie außen vorlassen, dass die Kinder nicht genehmer, also nicht angepasster DDR-Staatsbürger ohne SED-Mitgliedschaft am Studium behindert wurden. Dass Sie außen vorlassen, dass nur denen Chancen geboten wurden, die sich dem Regime als willige Gefolgsleute anboten.
      Ich komme nicht aus dem Osten, viielleicht verstehe ich deswegen nicht, warum manche „Ossis“ immer wieder auf die „Vorzüge“ dieses Staates verweisen. Wünschen Sie sich auch die DDR zurück?

      • Ich gehe davon aus, dass Sie mit Ihrem Kommentar @sofawolf ansprechen.

        „Mir ist schleierhaft, warum Sie außen vorlassen, dass die Kinder nicht genehmer, also nicht angepasster DDR-Staatsbürger ohne SED-Mitgliedschaft am Studium behindert wurden. Dass Sie außen vorlassen, dass nur denen Chancen geboten wurden, die sich dem Regime als willige Gefolgsleute anboten.“

        Das meine ich, wenn ich von subtiler oder psychischer Gewalt spreche.

  4. @ Gerald, es stimmt, wenn man nicht in der DDR gelebt hat, dann hat man nur eine beschränkte Sicht auf das, was dort geschah. Das eigene Erleben ist immer anders und nicht mit einer Beobachterperspektive zu vergleichen. Ich fand es auch sehr interessant, als ich bei kurzer Internetrecherche gelesen habe, dass die Alt-BRD die Prügelstrafe erst 1973 abschaffte, die DDR aber schon 1949. Was dieser Fakt anderes aussagt, als dass die Prügelstrafe im Osten eher abgeschafft wurde als im Westen, erschließt sich mir nicht. Das ist von Ihnen hineininterpretiert ( = unterstellt). Auf eine DDR-Dikusssion, die niemanden überzeugt und bei der doch vom Anfang bis zum Ende jeder bei seiner (eigenen) Meinung bleibt und sie dann nur von Beitrag zu Beitrag heftiger und unfreundlicher vorträgt, hab ich keine Lust. Es tut mir leid. Und auch keine Zeit. Ich bin berufstätig.

    • @sofawolf, Sie sagen: „Was dieser Fakt anderes aussagt, als dass die Prügelstrafe im Osten eher abgeschafft wurde als im Westen, erschließt sich mir nicht.“ Das sehe ich genauso.
      Erst durch Sie selbst und Ihren Ärger als Ossi darüber, dass die Vorreiterrolle der DDR in der Abschaffung der Prügelstrafe (1949!) nicht erwähnt wurde und durch den Begriff „ganz Deutschland“ 16 Mio Menschen ignoriert wurden, kam doch erst eine gewisse Dramatisierung in die Diskussion.
      Wer selbst einen „Fakt“ überhöht und in der unzulänglichen dpa-Aussage westliche Arroganz sieht, muss damit rechnen, dass die eigenen Worte ebenfalls überhöht werden und entsprechende Reaktionen hervorrufen.

  5. Mir ging es aber um etwas anderes, nämlich darum, dass Westdeutsche 25 Jahre nach dem Mauerfall immer noch reden, als sei das Deutschland nach 1989 immer noch das gleiche wie vor 1989 – siehe die Aussage von mnd, 1973 sei in GANZ Deutschland die Prügelstrafe abgeschafft worden. Das ist eine „Selbstbezogenheit“ (um mal ein deutlicheres Wort zu meiden), die „uns im Osten“ ignoriert, ausgrenzt und deshalb zurecht ärgert. Und das begegnet einem immer wieder.

    • Weil die Gesetzeslage der DDR für Westdeutschland aufgrund der Präambel des GG und des Alleinvertretungsanspruches uninteressant ist.

      Warum waren die FNBL noch einmal gleich dem „Geltungsbereich des GG“ – das zufällig mit dem Verbreitungsgebiet der DEM und der Zuständigkeitsgebiet der Deutschen Bundesbank übereinstimmt – beigetreten?

    • @sofawold, nicht ich habe von „ganz Deutschland“ gesprochen, sondern die dpa. Ich zitierte lediglich aus dem dpa-Artikel. Richten Sie bitte Ihre Worte an die Nachrichtenagentur.

  6. Mit Grauen stelle ich mir vor, was passieren würde, wenn ich heute das eine oder andere wiederholte, was ich vor Jahrzehnten tat.
    Ein Schüler störte z. B. ständig den Unterricht durch sein Geplapper. Schließlich kündigte ich an, ihm den Mund zuzukleben, wenn er nicht endlich ruhig sei. Es gelang ihm nicht trotz warnender Blicke.
    In der Klasse baute sich eine Erwartungshaltung auf. Was würde ich tun? Weiterhin nur mahnen?
    Schließlich griff ich zum Klebeband und machte meine Ankündigung wahr.
    Die Klasse kicherte und der Junge ebenfalls unter seinem Band. Er musste es immer wieder festdrücken, damit es nicht runterrutschte.
    Als ich ihm das Klebeband kurz vor Stundenschluss abnahm, schmunzelten wir uns gegenseitig an und die Mitschüler applaudierten. Damit war die Sache gegessen. Es gab kein Beschwerdenachspiel – weder bei dem Jungen noch seinen oder anderen Eltern. Ich rechnete auch nicht damit.
    Heute, im Zeitalter der Skandalisierung von Lehrerverhalten, wäre das vermutlich auch ein Fall für die Zeitung. Ein Glück, dass ich die erste Hälfte meines Berufslebens noch in einer Atmosphäre unterrichten durfte, die nicht geprägt war von Verachtung und Misstrauen gegenüber den Lehrern.
    An Eltern und Schülern zeigt es sich vielleicht am deutlichsten, doch ins Leben gerufen und geschürt haben es meiner Meinung nach ganz andere durch verschiedene Eigeninteressen.
    Über den Fall der Lehrerin an der Privatschule möchte ich mit meinem Erlebnis kein Urteil fällen. Dazu ist die Sache zu undurchsichtig. Grundsätzlich aber neige ich dazu, hinter solche Skandalgeschichten erst einmal ein dickes Fragezeichen zu setzen und abzuwarten, bis sich der Nebel lichtet.

    • Liebe Frau Prasuhn,
      ähnliches habe ich in meinen langen Lehrerleben auch „gemacht“ und bin wie Sie froh darüber, dass die Menschen/Eltern vor fast 40 Jahren noch Humor hatten und meist auch sehr froh darüber waren, wenn die Schule ihnen einen kleinen Teil der Erziehungsarbeit abgenommen haben – heute muss man ihnen gewöhnlich die benötigten Hilfen förmlich aufdrängen und wird anschließend auch noch „verklagt“, wenn nicht sofort das WUNDER geschieht.
      Ansonsten bin ich ganz Ihrer Meinung: Ohne Kenntnis der realen Vorgänge neige auch ich nicht zu übereilten Schlussfolgerungen und Vor- Verurteilungen.

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