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Feindbild Malala: Koranschulen hetzen gegen Friedensnobelpreisträgerin

ISLAMABAD. Die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai wird in ihrer Heimat scharf angegriffen. Die All Pakistan Private Schools Federation – die nach eigenen Angaben 150.000 Schulen repräsentiert – startete jetzt eine Kampagne „Ich bin nicht Malala“ (eine Anspielung auf das „Ich bin Malala“ betitelte Buch der 17-Jährigen). Mirza Kashif Ali, Präsident der Organisation, erklärte auf einer Pressekonferenz: „Für mich repräsentiert sie den Westen, nicht uns.“ Er kündigte an, dass Malalas Buch aus den Bibliotheken der Privatschulen entfernt werde – und forderte die pakistanische Regierung auf, das Werk zu verbieten. Es greife den Islam an. Dies berichtet die „New York Times“.

Die Taliban bedrohen sie weiterhin mit dem Tod: die 17-jährige Malala. Foto: Russell Watkins/Department for International Development / Wikimedia Commons

Die Taliban bedrohen sie weiterhin mit dem Tod: die 17-jährige Malala. Foto: Russell Watkins/Department for International Development / Wikimedia Commons

Tatsächlich schießen in Pakistan Verschwörungstheorien um Malala ins Kraut, wie die Schweizer „Weltwoche“ berichtet. Das Attentat – Taliban hatten die Schülerin auf dem Weg zur Schule gezielt angegriffen und in den Kopf geschossen – sei vom Westen inszeniert worden, um eine anti-islamische Heldin zu schaffen, heißt es. „Jetzt wird alles klar über Malala“, sagte Ali, offenbar auf diese Gerüchte anspielend. „Wir sind alle für Bildung und die Besserstellung von Frauen“, betonte er. „Aber der Westen hat diese Person geschaffen, die sich gegen die Verfassung und die islamische Ideologie von Pakistan stellt.“

Mehr noch: Malala verteidige in ihrem Buch den Autor Salman Rushdie, auf dessen Ermordung eine iranische Stiftung immer noch 3,3 Millionen Dollar ausgesetzt hat und dessen Roman „Die satanischen Verse” in Pakistan verboten ist. „Es ist offensichtlich, dass Malala eine Verbindung zu Salman Rushdie hat und mit seinem Club verbündet ist“, sagte Ali. In dem Buch gibt es eine kurze Passage, in dem Malala schildert, wie ihr Vater meint, dass Muslime das Buch doch erst mal lesen sollten, bevor sie es verurteilen. Die All Pakistan Private Schools Federation vertritt laut „New York Times“ vor allem Schulen aus den armen Gegenden Pakistans. Faktisch handelt es sich weit überwiegend um Koranschulen, also keine allgemeinbildenden Einrichtungen.

Aus dem britischen Birmingham, wo Malala derzeit mit ihrer Familie lebt, entgegnete sie den Vorwürfen: „Ich weiss nicht, warum Menschen die ganze Welt in zwei Gruppen aufgeteilt haben, den Westen und den Osten. Bildung ist weder westlich noch östlich, Bildung ist Bildung, und jeder Mensch hat ein Recht darauf“, sagte sie laut „Weltwoche“. Sie sei weiterhin entschlossen, in ihre Heimat zurückzukehren – allerdings erst in einigen Jahren. „Zuerst will ich mich vollständig dafür wappnen. Ich muss mich stärken, und dafür brauche ich nur eines: Wissen. Also gehe ich zuerst auf die Universität, dann kehre ich nach Hause zurück.“ Sie möchte Politikerin werden. „Früher wollte ich Ärztin werden. Doch als Ärztin kann ich nur einer kleinen Gemeinschaft helfen. Ärzte müssen Patienten behandeln, die durch Gewaltakte verletzt worden sind. Als Politikerin hingegen kann ich jene Leute stoppen, die das Töten als Geschäft betreiben. Als Politikerin kann ich die Ärztin des ganzen Landes sein“, erklärte sie.

Die pakistanischen Taliban haben unterdessen einen neuen Chef gekürt, Mullah Fazlullah. Aus seiner Truppe entstamme der Attentäter, der Malala in den Kopf geschossen habe, schreibt die „Weltwoche“. Die Taliban hätten Malala erneut gedroht: Sie werde enden wie ihr Vorbild Benazir Bhutto. Die ehemalige Premierministerin von Pakistan wurde 2007 bei einem Attentat getötet. News4teachers

Zum Kommentar: Der Fall Malala zeigt: Die islamische Welt hat ein Problem mit Bildung

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