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GEW Bayern: Qualität in Kitas nicht ausreichend

MÜNCHEN. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern wendet sich nach eigener Aussage vehement gegen die Meinung der CSU-Fraktion im Landtag, durch ein Bundesqualitätsgesetz seien die „festgeschriebenen hohen Qualitätsvorgaben“ im Freistaat gefährdet. Die Gewerkschaft vertritt die Ansicht, bei der Verbesserung der Qualität in Kindertageseinrichtungen gebe es viel Luft nach oben.

Die CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag habe durch Beschluss eines Dringlichkeitsantrages am 12. November 2014 (DS 17/4220) deutlich gemacht, was sie von den Plänen der Bundesministerin Manuela Schwesig zur Einführung eines Bundesqualitätsgesetzes für die Kindertagesbetreuung halte. „Man will sich im Freistaat nicht in die Karten gucken und schon gar nicht vorschreiben lassen, wie die Qualität in der Kindertagesbetreuung auszusehen hat“, schreibt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bayern in einer Pressemitteilug. Es werde sogar eine Gefährdung der „festgeschriebenen hohen Qualitätsvorgaben“ im Freistaat befürchtet. Dabei könnte nach Angaben der GEW Bayern die Qualität der Betreuung in bayerischen Kitas durchaus eine deutliche Verbesserung gebrauchen, vor allem beim Personalschlüssel. Nach Aussage von Kerstin Schreyer-Stäblein, stellvertretende Vorsitzende der CSU-Fraktion, liege der Personalschlüssel in Bayern bei 1 zu 4,3. Das würde bedeuten, auf 4,3 Kinder käme eine Vollzeitkraft. Es sei mehr als erstaunlich, woher Kerstin Schreyer-Stäblein diese Zahl habe. „Es mag ja sein, dass es die eine oder andere Kita in Bayern gibt, auf welche dieser Schlüssel zutrifft. Aber üblich ist er nicht“, sagt Hermine Sagmeister, Landesfachgruppenvorsitzende Sozialpädagogische Berufe in der GEW und selbst jahrelange Leiterin einer integrativen Kindertagesstätte.

Kindergärten haben in den nächsten Jahren einen immensen Personalbedarf. Foto: JeahFree / Flickr

Kommen in Bayern auf eine Erzieherin durchschnittlich wirklich nur etwa vier Kinder? Die GEW bezweifelt das. Foto: JeahFree / Flickr

Selbst im Krippenbereich müsse eine Vollzeitkraft bis zu sieben Kinder betreuen, damit der Träger finanziell über die Runden komme. Im Kindergartenbereich sei eine Kraft für etwa zwölf Kinder zuständig. Dieser Personalschlüssel sei bereits vor 30 Jahren gültig gewesen. Insofern habe sich also in den letzten 30 Jahren in Bayern nichts verändert. Dagegen seien die Anforderungen an die Kräfte in den Einrichtungen enorm gewachsen. Die Bedürfnisse der Kinder hätten sich geändert, die Ansprüche der Eltern seien höher geworden und von Seiten des zuständigen Ministeriums seien die Vorgaben an Beobachtung, Dokumentation und Verwaltung immens gestiegen. Wenn all diese Faktoren in Relation zum Personalschlüssel gesetzt würden, könne man nur zu dem Schluss kommen, dass die Qualität in der Betreuung der Kinder schlechter geworden sein muss und ist – das bestätige die Erfahrung und Praxis vieler Erzieher und Erzieherinnen, die sich tagaus, tagein bemühten, den Anforderungen gerecht zu werden und sich dabei aufrieben.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordere daher schon seit Jahren eine deutliche Verbesserung des Personalschlüssels unter Berücksichtigung von Vor- und Nachbereitungszeiten, Freistellung der Kitaleitung und Regelungen oder Vereinbarungen zu Fort- und Weiterbildung, zu Fachberatung und eine neue Konzeption der Finanzierung.

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Titelbild: striatic / Flickr (CC BY 2.0)

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