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GEW und DGB: Nur mäßige Noten für Krafts Bildungspolitik – mehr Geld gefordert

DÜSSELDORF. Etwas Plus, mehr Minus – unter dem Strich sind die Gewerkschaft GEW und ihr Dachverband DGB nicht zufrieden mit der rot-grünen Bildungspolitik in NRW unter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Zur Mitte der Legislatur fordern sie mehr Investitionen.

GEW und DGB kritisieren ihre Bildungspolitik: NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Foto: Sajak / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

GEW und DGB kritisieren ihre Bildungspolitik: NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Foto: Sajak / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die Gewerkschaft GEW und ihr Dachverband DGB haben der rot-grünen NRW-Regierung in der Bildungspolitik ein mittelmäßiges Zwischenzeugnis ausgestellt. Verbesserungen gebe es bei Betreuungsplätzen für Unterdreijährige oder auch einem – auf knapp 80 Prozent – gesteigerten Schüler-Anteil mit mindestens einem mittleren Schulabschluss. Zugleich seien an anderer Stelle Stillstand oder sogar Verschlechterungen zu beobachten. Vor allem setze sich die soziale Schieflage fort, kritisierten DGB-Landeschef Andreas Meyer-Lauber, die GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer und die Bochumer Schulforscherin Gabriele Bellenberg in Düsseldorf.

Bellenberg sagte, mit rund 155 000 Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren zu Beginn des Kita-Jahres 2014/15 sei der Bedarf in etwa gedeckt. Positiv klinge es, dass 2013/14 im Durchschnitt lediglich 2,4 Prozent der Schüler in der Sekundarstufe I sitzenblieben. In den Hauptschulen sei diese Zahl aber auf 5,1 Prozent geklettert. Und immer noch verließen in NRW 5,9 Prozent der Jugendlichen die Sekundarstufe I ohne Schulabschluss.

Es bestehe weiter ein hoher Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungsbeteiligung, betonte Bellenberg. Einen «dramatischen Befund» nannte sie, dass bei den 13-Jährigen 39 Prozent der Hauptschüler aus einer Arbeiterfamilie kämen. Bei den Gymnasiasten betrage der Anteil nur 13,7 Prozent. Problematisch bei der Inklusion – dem gemeinsamen Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung an Regelschulen – ist laut der Forscherin: Zwar könnten inzwischen 40 Prozent der Kinder mit sozialpädagogischem Förderbedarf in den Grundschulen inklusiv lernen. Beim Übergang in die Sekundarstufe I seien es aber nur noch 20 Prozent. Sie lernten meistens an Hauptschulen.

Meyer-Lauber sprach von einer «ernüchternden» Bilanz. Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt habe sich weiter verschlechtert – schon rein rechnerisch stehe jedem Bewerber aktuell nur 0,7 Lehrstelle gegenüber. Auch Schäfer forderte mehr Investitionen in die Bildung. Sie betonte: „Trotz durchaus positiver Entwicklungen sind wir aber mit den Ergebnissen insgesamt nicht zufrieden.“ dpa

2 Kommentare

  1. Ist jeder Schüler mit sozialpädagogischen Förderbedarf auf einer Regelschule beschulbar? Falls nicht, müssen die im Artikel genannten 40% bzw. 20% relativiert werden. Dass die meisten der beschulbaren Schüler mit sozialpädagogischen Förderbedarf die Hauptschule besuchen, ist „normal“, weil sie auf den Förderschulen auch nur den Hauptschulabschluss schaffen würden. Außerdem: Würden alle Schüler mit sozialpädagogischen Förderbedarf auch vor dem Inklusionszirkus als sozialpädagogisch förderbedürftig diagnostiziert werden? Falls nicht, ist die ganze Rechnung nichtig (die daraus abgeleiteten Aussagen somit auch).

    Bei den Arbeiterkindern muss man auch einige Fragen stellen:
    1) Wie war die Verteilung vor 10, 20. 30, 40 Jahren? Vermutlich deutlich extremer, weil der Anteil Gymnasiasten immer weiter steigt.
    2) Wie ist die Verteilung der Arbeiter, Kaufleute, Techniker, Akademiker, Manager usw. heute im Vergleich zu denen vor 10, 20, 30, 40 Jahren? Diese muss man kennen und aus dem Vergleich Hauptschule-Gymnasium herausrechnen.
    3) Aus meiner Sicht ist schulische Begabung bzw. Leistungsfähigkeit _auch_ genetisch bedingt. Daher ist die Wahrscheinlichkeit für ein Abiturientenkind bei zwei mit Ach und Krach Hauptschuleltern nicht sonderlich hoch. Außerdem sind viele Elternpaare intellektuell auf einem ähnlichen Level, Berlin Tag und Nacht auf RTL2 und Arthouse-Kino auf Arte dürften nur wenige gemeinsame Zuschauer haben.

    (Wohlgemerkt: Ich schreibe hier aus meinem sicherlich vorurteilsbehafteten Bauchgefühl ohne Daten recherchiert zu haben und ohne Rücksicht auf sicherlich ebenfalls vorhandene Gegenbeispiele, widerlegen darf man mich natürlich gerne.)

  2. Immer wieder das Gleiche: Kritik, wenn nicht genug Geld fließt. Die rot-grüne Bildungspolitik ist aber o. k..

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