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GEW will eine Ausbildungsgarantie für junge Menschen

FRANKFURT AM MAIN. „Mehr als 1,3 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren haben keinen Berufsabschluss. Das ist ein gesellschaftspolitischer Skandal ersten Ranges, den wir uns aus sozialen Gründen, aber auch ökonomisch nicht erlauben können“, sagt Ansgar Klinger, verantwortliches Mitglied für Berufsbildung im Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Klinger bezieht sich auf die Ausbildungsmarktzahlen der Bundesagentur für Arbeit, vor deren Hintergrund sich die Bildungsgewerkschaft für eine Ausbildungsgarantie für junge Menschen einsetzt. 

Lehrstellen-Bewerber und ausbildende Betriebe finden immer seltener zusammen. Foto: Tognum / flickr (CC BY-NC 2.0)

Aus Sicht der GEW gibt es in Deutschland zu wenig Ausbildungsplätze, um alle Bewerber zu versorgen. Eine Ausbildungsgarantie soll das Problem lösen. Foto: Tognum / flickr (CC BY-NC 2.0)

Für das Jahr 2013/2014 habe die Bundesagentur für Arbeit (BA) einen Anstieg der Ausbildungsstellen von weniger als einem Prozent gegenüber dem Vorjahr gemeldet – und das bei einer nahezu konstanten Zahl der Bewerber. „Junge Menschen brauchen die bestmögliche Bildung und Ausbildung, unsere Gesellschaft ist auf hochqualifizierte Fachkräfte angewiesen“, so Klinger. Obwohl die Arbeitgeber vor dem Hintergrund der enorm hohen Jugendarbeitslosigkeit in Süd- und Südosteuropa stets den Eindruck eines „Ausbildungsparadieses Deutschland“ erweckten und vor einem Fachkräftemangel warnten, hätten sie die vergleichsweise gute konjunkturelle Lage nicht genutzt, um ein deutliches Plus an Ausbildungsplätzen zu schaffen. „Deshalb haben 2013 knapp 260.000 junge Menschen keine Ausbildung bekommen und sind im so genannten Übergangssystem gestrandet.“

Daher setze sich die Bildungsgewerkschaft für eine Ausbildungsgarantie ein, die zugleich eine Voraussetzung für Inklusion in der beruflichen Bildung sei. „Das Recht auf Ausbildung darf nicht von der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland abhängen. Wir brauchen dringend eine Ausbildungsplatzumlage, die ausbildungswilligen Unternehmen ermöglicht, zusätzliche Lehrstellen zu schaffen.“ Nur noch gut ein Fünftel aller Betriebe bilde aus, so Klinger. „Das zeigt: Wer allein auf die Kräfte des Marktes setzt, wird seiner Verantwortung gegenüber der nachwachsenden Generation nicht gerecht.“ Die Arbeitgeber seien zudem gut beraten, von ihrem hohen Ross herunterzukommen und die jungen Menschen nicht länger als „nicht ausbildungsreif“ zu stigmatisieren. „Hohe Abbrecherquoten deuten darauf hin, dass bei der Ausbildung in den Betrieben einiges im Argen liegt.“

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4 Kommentare

  1. Hohe Abbrecherquoten können auch anders gedeutet werden als die GEW das tut. Das ist dieser „Bildungsgewerkschaft“ aber nicht recht, weil sie in hohem Maße mitverantwortlich ist für die die verheerenden Bildungslücken vieler Schulabgänger in den „verachteten“ Kulturtechniken, die sowohl ein erfolgreiches Studium als auch eine erfolgreiche Ausbildung behindern.
    Selbstkritik und Realitätssinn waren noch nie die Stärke dieser Gewerkschaft, die sich so gut wie nie für eine neutrale solide Wissensbildung der jungen Menschen einsetzt und einsetzte, sondern immer Schulreformen initiierte und vorantrieb, die „höheren“ Geisteszwecken dienten und auf die Kurzform „Neosozialismus“ gebracht werden können.
    Die Marktkräfte zu verteufeln und Planwirtschaft im Ausbildungssektor zu fordern, ist wie so vieles Andere Rückschritt in Zeiten und Zustände, deren hohes Maß an staatlicher Macht und Lenkung allgemeine Glückseligkeit bringen sollte. Aus ihr wurde bekanntlich nichts, stattdessen herrschte überall geistige Bevormundung, Unfreiheit bis ins Privat- und Familienleben und schließlich auch noch wirtschaftliches Zusammenbrechen trotz statistischer Vollausbildung und -beschäftigung.

  2. Alle Zeitungen schreiben, dass es eine riesige Anzahl offener Ausbildungsplätze gibt. „Garantie“ bedeutet in erster Linie, dass bei nichtgelingender Ausbildung nicht der Lernende, sondern Betriebe oder Schulen „schuld“ sind und zahlen müssen. Selbstanstrengen war gestern.

    • Absolut richtig! Immer werden im Schulbereich die Falschen ins Visier genommen, wenn es schief läuft. Und jetzt maßt sich die GEW auch noch an, Ausbildungsbetriebe in die Pflicht zu nehmen für ihren saftigen Beitrag an der jahrzehntelangen miserablen Schulpolitik.
      Hat sie sich jemals stark gemacht für das, was die Firmen schon lange händeringend suchen, nämlich Schulabgänger, die noch halbwegs lesen, schreiben und rechnen können und darum ausbildungsfähig sind?
      Die Heuchelei und Kunstfertigkeit, eigene Mitschuld ausgerechnet auf die Geschädigten ihres Tuns abzuwälzen und sich dabei noch als edelmütige Helferin aufzuspielen, ist eine einzige Schweinerei, mit der sie aber immer wieder durchkommt.

      • Ihre Empörung teile ich voll und ganz.
        Erst die Schule kaputt machen und nun auch noch die „Axt“ an die Betriebe legen wollen.
        Offensichtlich gibt es aber eine Menge Lehrer, die das perfide „Spiel“ dieser „Bildungs“gewerkschaft nicht durchschauen oder es bewusst beiseite schieben.
        Nur wenn der GEW die Mitglieder in Scharen davonliefen, käme es zu einem Umdenken. Nein, umdenken kann dieser „Verein“ nicht, weil er sich seit Jahrzehnten ideologisch verrannt hat und erst Ruhe gibt, wenn der Traum von der Einheitsschule und dem anstrengungsfreien Lernen flächendeckend verwirklicht ist.

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