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Mehr Prävention in Schulen: Schleswig-Holstein will Kampf gegen Salafismus verstärken

KRONSHAGEN. 43 radikale Islamisten aus Schleswig-Holstein reisten bereits ins syrische Kriegsgebiet. Jeder Vierte kam mehr oder weniger direkt von der Schulbank. Mit mehr Präventionsarbeit will Bildungsministerin Ernst Anwerbeversuche künftig ins Leere laufen lassen.

Die heilige Schrift des Islam, der Koran, wird von Salafisten zur Anwerbung junger Menschen verteilt; Foto: Suzanne Chapman / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Die heilige Schrift des Islam, der Koran, wird von Salafisten zur Anwerbung junger Menschen verteilt; Foto: Suzanne Chapman / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Schleswig-Holstein will mit mehr Prävention Anwerbeversuche von Extremisten an den Schulen verhindern. «Wir dulden keine Missionierungsversuche von Extremisten an unseren Schulen, nicht von Rechtsradikalen, nicht von Salafisten und nicht von anderer Seite», sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Noch in diesem Monat will das Kabinett ein ressortübergreifendes Konzept zur Extremismusprävention beschließen.

Ernst setzt dabei vor allem auf Aufklärungsarbeit. Damit will sie verhindern, dass Vorurteile das Verhältnis der Schüler zu Klassenkameraden muslimischen Glaubens belasten. Es gebe derzeit zwar keinerlei Grund für Aktionismus und auch keine Vielzahl besorgniserregender Vorfälle durch Salafisten an den Schulen. «Wir wollen aber nicht warten, bis die Radikalisierung an den Schulen ankommt.» Am Dienstag hatten schleswig-holsteinische Experten aus Bildungsministerium, Schulen, Polizei und Verfassungsschutz über das Thema diskutiert.

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden im Land steigt die Zahl von Aktivisten im Bereich des Salafismus im Norden an. Aktuell werden im Land etwa 230 Menschen diesem Spektrum zugeordnet, 20 mehr als im Vorjahr. «Der Salafismus ist derzeit die dynamischste und am schnellsten wachsende islamistische Bewegung», sagte Innen-Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler. Schwerpunkte sind im Norden weiter Kiel, Lübeck, Neumünster und Pinneberg.

Bereits 43, überwiegend junge Salafisten reisten in der Vergangenheit aus Schleswig-Holstein ins syrische Kriegsgebiet. Fünf von ihnen kamen dort ums Leben. Elf kehrten bereits wieder zurück. Besonders alarmierend: Jeder vierte ausgereiste Salafist kam mehr oder weniger direkt von der Schulbank. Ernst betonte, durch frühzeitige Präventionsarbeit an den Schulen und in der Jugendarbeit sollten die Schüler sensibel gemacht werden für Extremismus, Salafismus und vereinfachende Weltsichten.

Konkret stellte Ernst einen Fünf-Punkte-Katalog für die Schulen vor. Mit Ausnahme der Grundschulen könnten alle Einrichtungen ab sofort Filmmaterial der Polizei abrufen. Am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQSH) steht ein Team von Schulbegleitern bereit, das Schulen auch längerfristig berät. Zudem setze das Land auf den Austausch insbesondere mit Hamburg und die Fortbildung der Lehrer und Schulleiter. Zudem erhalten die Schulen einen Infloflyer mit Kontaktdaten von Ansprechpartnern.

IQSH-Direktor Thomas Riecke-Baulecke sagte, im Vorbereitungsdienst und in der Lehrerfortbildung solle der Grundgedanke der Anerkennung unterschiedlicher Kulturen und Religionen noch stärker in den Fokus gerückt werden. Schüler müssten lernen, andere Kulturen zu verstehen und zu respektieren. Bildungsministerin Ernst will auch muslimische Verbände in die Arbeit einbeziehen. Außerdem kündigte sie für Anfang kommenden Jahres eine Fachtagung zum Thema Extremismus/Salafismus an. dpa

Zum Bericht: „Islamismus: Lehrer auf schmalem Grat im Umgang mit Salafisten“

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