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Schulpsychologen schlagen Alarm: katastrophale Versorgung

LANDSHUT. Eigentlich soll auf 5000 Schüler in Deutschland ein Schulpsychologe kommen, so die bereits aus dem Jahr 1973 stammende Empfehlung der Kultusministerkonferenz. Doch nur drei der 16 Bundesländer erfüllen diese Quote annähernd. Angesichts der aktuellen Herausforderungen aus der Inklusion, der gewachsenen Zahl von Flüchtlingskindern und dem Ausbau des Ganztags eine Katastrophe befindet der Berufsverband Deutsche Psychologinnen und Psychologen und erhält Unterstützung vom bayerischen Philologenverband.

„Die bereits 1973 durch die Kultusministerkonferenz und durch die Bund-Länder-Kommission empfohlene Mindestversorgung von einem Schulpsychologen auf 5.000 Schüler erreichen nach unseren aktuellen Erhebungen nur drei von sechzehn Bundesländern“, erklärte BDP-Präsident Michael Krämer anlässlich des 21. Bundeskongresses für Schulpsychologie zum Thema „Neue Schulwelten – Herausforderungen für die Schulpsychologie“, der heute in Landshut zu Ende geht

Schüler in psychischen Notlagen benötigen professionelle Unterstützung. Foto: Texas A&M University-Commerce Marketing Communications Photography/flickr (CC BY 2.0)

Schüler in psychischen Notlagen benötigen professionelle Unterstützung. Foto: Texas A&M University-Commerce Marketing Communications Photography/flickr (CC BY 2.0)

Im Durchschnitt stehen in Deutschland für 8.617 Schüler und 635 Lehrkräfte ein Schulpsychologe zur Verfügung. So das Ergebnis der alle zwei Jahre durchgeführten Erhebung des Verbands. Lediglich in Berlin, Bremen und im Saarland werde die empfohlene Quote annähernd erreicht. Auf 5082 (Berlin), 5146 (Bremen) bzw. 5451 Schüler (Saarland) kommt hier ein Schulpsychologe. Schlusslichter bilden Schleswig-Holstein mit 13.268, Sachsen mit 14.318 und Niedersachsen mit 16.118 Schülern pro Psychologen.

Im Bundesdurchschnitt ist ein Psychologe statistisch für 8617 Schüler zuständig. Insgesamt hat sich die Quote damit leicht verbessert. Im Schuljahr 2011/2012 waren es über alle Schulformen hinweg noch 9169 Schüler.

Verbandspräsident Krämer zufolge seien für die Schulen seien jedoch erheblich mehr psychologische Kompetenzen notwendig, denn sonst könnten die aktuellen Herausforderungen in der Schule nicht bewältigt werden.

Einig kann sich Krämer dabei mit dem bayerischen Philologenverband wissen. Dessen Vorsitzender Max Schmidt konstatierte zum Kongress ebenfalls einen wachsenden Bedarf an schulpsychologischer Beratung: Konkret nannte Schmidt drei Gründe: Durch den Ausbau der Ganztagesangebote verbrächten viele Schülerinnen und Schüler immer mehr Zeit an der Schule und bräuchten entsprechende Angebote. Die Inklusion bringe auch mehr Schüler mit seelischen Erkrankungen und psychischen Beeinträchtigungen an die Schulen.und für diese werde dringend schulpsychologische Arbeit gebraucht, die hilft, diese Schüler zu integrieren, und die Lehrer unterstützt. Nicht zuletzt bräuchten auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien, die oft sehr leidvolle Erfahrungen hinter sich haben, Hilfsangebote im schulischen Raum“

Das spezifisch bayrische Modell, dass Schulpsychologen gleichzeitig auch Lehrer sind habe sich seit vielen Jahren bewährt. Nach Ansicht des bpv-Vorsitzenden sollte der schulpsychologische Anteil allerdings auf die Hälfte des wöchentlichen Stundendeputats dieser Lehrkräfte ausgeweitet werden. Zudem müsse gewährleistet sein, dass zumindest jede größere Schule in Bayern einen Schulpsychologen im Kollegium hat.

Zur Begründung verwies Schmidt auf Zahlen, wonach rund fünf Prozent aller Schüler als zumindest psychisch labil gelten. Diese Schüler zu identifizieren und adäquat zu betreuen sei im normalen Unterrichtsbetrieb schlichtweg nicht möglich. (News4teachers)

Versorgung mit Schulpsychologen in den Bundesländern (BDP)
Sektion Schulpsychologie des BDP

zum Bericht: Psychologen: Schule kann Inklusion nicht allein stemmen

3 Kommentare

  1. Warum braucht es mehr Psychologen durch die „Herausforderung der Inklusion“?
    Die Inklusion sollte doch eine Bereicherung für alle sein und diese führt gewöhnlich zu mehr Zufriedenheit und seelischer Ausgeglichenheit. Also müsste die Inklusion nicht mehr, sondern weniger Schulpsychologen erfordern.
    Irgendwie ist die Inklusion voller Widersprüche und das wird nicht von ihren Befürwortern bemerkt und auch nicht von den Psychologen, die aus Gründen des Berufsethos eigentlich den Zeigefinger heben und vor der Inklusion warnen müssten.

  2. Die Erfahrungen, die ich mit Schulpsycholgen machen durfte, waren alle ziemlich negativ.

    In einem Fall holte ich mir schulpsycholog. Hilfe für einen verhaltensauffälligen Schüler. Das wurde dann von dem Begutachter für die Verbeamtungsprüfung negativ in der Beurteilung vermerkt. Wer informierte den Menschen der Schulbehörde wohl über mein Hilfegesuch? Unterliegen die Schulpsycholgen nicht auch der Verschwiegenheitspflicht?

    In einem anderen Fall erlebte ich indirekt die vollkommene Hilflosigkeit einer Schulpsychologin mit, die versuchte, einen Lehrkraft-Schulleiter-Konflikt zu moderieren. Die Moderation war „so erfolgreich“, dass der Lehrkraft einige Wochen später die Klasse weggenommen wurde.

    Weitere Beispiel erspare ich mir.

  3. nichtverwundertbin

    Leider durften wir auch negative Erfahrungen machen und sicherlich auch in Zukunft noch machen dürfen weil ich glaube, dass man mir nicht richtig zuhören möchte und nur seinen eigenen Kopf durchsetzen WILL .

    Man wird vom Schulsozialdienst in die Enge getrieben, mit Jugendamt und weiteren Konsequenzen mehrfach bedroht ohne genau hinzuschauen was da gerade passiert. Gerade als gefestigte Familie hat man scheinbar kein Anrecht auf freie Meinungsäußerung……

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