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Kultusminister: Sachsen will einheitliche Bildungsstandards forcieren

BERLIN/DRESDEN. Die Kultusministerkonferenz wird ab dem 1. Januar 2015 von der sächsischen Ressortchefin Brunhild Kurth geleitet. Das Gremium wählte die 60-jährige CDU-Politikerin zur Nachfolgerin der grünen Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann. Vizepräsidentin ist künftig die Bremer Bildungssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD). Sachsen will den Vorsitz in der Kultusministerkonferenz nutzen, um noch stärker Standards durchzusetzen – nicht zuletzt im Interesse mobiler Familien.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) koordiniert die Bildungs- und Kulturpolitik, für die die 16 Bundesländer jeweils selbstständig die Verantwortung tragen. Nichtsdestotrotz gibt es aber viele gemeinsame Interessen. Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth verweist auf die Bedeutung von Bildungsstandards in Deutschland. „Sie sind nötig, damit Kinder beim Umzug der Eltern in ein anderes Bundesland auf gleichem Niveau weiterlernen können“, sagte Kurth. Im Interview sprach sie über Schwerpunkte ihrer Arbeit im nächsten Jahr.

Kultusministerin Brunhild Kurth will besonders engagierte Lehrkräfte belohnen. (Foto: Sächsisches Kutlusministerium)

Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth will als KMK-Vorsitzende die Vergleichbarkeit der Bildungsabschlüsse stärker voranbringen. Foto: Sächsisches Kutlusministerium

N4T: Sachsen hat erstmals seit der Wende den Vorsitz in der Kultusministerkonferenz. Welche Schwerpunkte möchten Sie setzen?

Kurth: Die Konferenz ist wichtig, weil sie uns Gelegenheit gibt, fachlich in einen Austausch zu treten. Bildung ist bekanntlich Ländersache. Sachsen will die Vergleichbarkeit der Bildungsabschlüsse thematisieren. Auf dem Arbeitsmarkt wird heute Flexibilität gefordert, was den Familien mehr Mobilität abverlangt. Deshalb brauchen wir einheitliche Bildungsstandards in Deutschland. Sie sind nötig, damit Kinder beim Umzug der Eltern in ein anderes Bundesland auf gleichem Niveau weiterlernen können. Bildungsstandards sind ja bereits formuliert, sie müssen aber auch eingehalten werden.

N4T: Ist das auch ein Problem der verschiedenen Schulsysteme?

Kurth: Nein. Wir müssen uns gar nicht darauf verständigen, alle einheitliche Schulformen zu haben. Das ist ja mehr eine ideologische Debatte. Wenn wir Standards setzen, heißt das nichts anderes, als dass der Schüler am Ende eines Schulabschnittes ein bestimmtes Wissen und bestimmte Fähigkeiten aufweisen muss. Man kann das mit Hochsprung vergleichen: Am Ende der vierten Klasse muss ich eine bestimmte Höhe überspringen können. Welche Technik ich dazu wähle, ist jedem selbst überlassen.
Wir sollten uns unter den Kultusministern einig sein, dass wir diese Standards nicht nur einhalten, sondern auch nach mehr Vergleichbarkeit streben. Das sind wir den Familien schuldig, die Mobilität zeigen müssen. Hier ist die Kultusministerkonferenz auf einem guten Weg.

N4T: 2014 haben sechs Bundesländer erstmals einheitliche Prüfungsstandards beim Abitur genutzt. Ist das der richtige Weg?

Kurth: Ganz klar ja. Das ist ein wichtiger Schritt zu mehr Vergleichbarkeit und damit höherer Chancengerechtigkeit für die Abiturientinnen und Abiturienten. Schüler aus Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Schleswig-Holstein haben zeitgleich vereinheitlichte Aufgaben in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch gelöst, wenn sie diese Fächer als Leistungsfach hatten. Jetzt gibt es zwei weitere Interessenten: Brandenburg und Bremen.
Die größte Herausforderung besteht darin, dass wir für die Prüfungen einen gemeinsamen Termin finden müssen. Das ist wirklich schwierig, denn die Tourismusindustrie verlangt einen möglichst breiten Korridor für die Ferien. Für mich ist aber zugleich das Signal wichtig, dass wir mit vergleichbaren Aufgaben das Niveau nicht senken.

N4T: Was bleibt in der Lehrerausbildung noch zu tun?

Kurth: Die Ausbildung ist ein ganz entscheidender Faktor. Wir müssen Lehrer künftig in noch besserer Qualität ausbilden. Sie schaffen mit gutem Unterricht die Basis für ein bestmögliches Erreichen der Standards. Die Leistungen werden von Lehrern und Schülern gemeinsam erreicht. Deshalb darf die Lehrerausbildung an den Universtäten nicht das fünfte Rad am Wagen bilden. Ganz im Gegenteil: Sie muss in der Rangordnung ganz weit oben rangieren.
Gute Ausbildung sichert guten Unterricht. Das eine bedingt das andere. Wir brauchen Kontinuität und Verlässlichkeit, genau wie beim Schulsystem. Wer es häufig wechselt und experimentiert, verunsichert Schüler und Eltern und bindet bei den Lehrkräften unnötig Energien, die sie eigentlich für die pädagogische Arbeit brauchen.

Das Interview führte Jörg Schurig, dpa.

Zur Person: Brunhild Kurth (60) stand bis zur Wende als Lehrerin für Biologie und Chemie in Sachsen selbst vor Schulklassen. Nachher war sie unter anderem Leiterin des Gymnasiums Burgstädt und in diversen Positionen in der sächsischen Schulverwaltung tätig. Seit März 2012 amtiert sie als Kultusministerin in Sachsen.

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2 Kommentare

  1. N4T: Ist das auch ein Problem der verschiedenen Schulsysteme?

    „Kurth: Nein. Wir müssen uns gar nicht darauf verständigen, alle einheitliche Schulformen zu haben. Das ist ja mehr eine ideologische Debatte. Wenn wir Standards setzen, heißt das nichts anderes, als dass der Schüler am Ende eines Schulabschnittes ein bestimmtes Wissen und bestimmte Fähigkeiten aufweisen muss. Man kann das mit Hochsprung vergleichen: Am Ende der vierten Klasse muss ich eine bestimmte Höhe überspringen können. Welche Technik ich dazu wähle, ist jedem selbst überlassen.“

    Ich meine, der Vergleich mit dem Sport ist nicht zutreffend. Heutzutage werden Weltrekorde im Hochsprung ausschließlich mit der Technik Fosbury-Flop erreicht. Frühere Techniken wie z.B. der Straddle haben dagegen keine Chance.
    Auch im Bildungswesen gibt es sehr wohl leistungsstarke und -schwache Schulformen. An einer IGS werden in der Tendenz niemals die Leistungen erzielt wie an einem gut geführten Gymnasium. Deshalb ist diese Schulform doch u.a. bei Eltern so beliebt.
    Was ich dann von der Entwicklung in Richtung „Einheitsschule“ halte, brauche ich wohl nicht weiter auzuführen.

    Ich ziehe daraus den Schluss, dass sich bei den Standards eben nicht an der überlegenen „Methode“, sprich „Schulform“ orientiert wird, sondern da wird dann so weit nach unten korrigiert, dass auch andere „Methoden“, sprich „Schulformen“ Berücksichtigung finden.

    Diese Manupulation oder Trickserei scheint nur im Bereich Schule zu funktionieren. In anderen gesellschaftlichen Bereichen wie zum Beispiel im Sport wäre das Scheitern vorprogrammiert.

  2. ich fürchte auch, dass die standards schulformunabhängige minimalpunkte umfassen. eigentlich müsste man die aktuell härtesten anforderungen noch deutlich verschärfen. die abschaffung teurer graphik- bzw. cas-rechner und die Wiedereinführung des fehlerquotienten sind dabei nur der anfang. aus wahltaktischen gründen wird das aber nicht passieren.

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