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lehrer nrw kritisiert „Chancenspiegel“: „Steilvorlagen für rot-grüne Schulpolitik“

DÜSSELDORF. Es ist ermüdend, schreibt der Verband lehrer nrw in seiner Pressemitteilung zu den Ergebnissen des Chancenspiegels der Bertelsmann-Stiftung. „Nun konstatiert die soundsovielte Studie aus dem Hause Bertelsmann, dass Bildungserfolg stark von der sozialen Herkunft abhängt.“ Das sei eine Steilvorlage für die Politik, die Bildungsstandards nach unten zu korrigieren.

Mathematik ist für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Foto: marco51186 / Flickr (CC BY 2.0)

Einen Wissensvorsprung von bis zu zwei Jahren haben Neuntklässler aus höheren Sozialschichten in Mathematik im Vergleich zu Klassenkameraden aus bildungsferneren Familien. Foto: marco51186 / Flickr (CC BY 2.0)

„Neuntklässler aus höheren Sozialschichten haben in Mathematik bis zu zwei Jahre Vorsprung vor ihren Klassenkameraden aus bildungsferneren Familien“, verweist der Verband auf ein Ergebnis der Studie. Dieses vermeintliche Gerechtigkeitsdefizit sei natürlich auch der Politik nicht entgangen, die solche Bertelsmann-Steilvorlagen gern aufnehme, um mehr Gerechtigkeit herzustellen. „Darum werden Bildungsstandards angepasst – und zwar nach unten“, kritisiert Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw. „So haben alle bessere Noten, können aber weniger. Es ist ja frappierend, dass Deutschland sich im PISA-Ranking verbessert, während Ausbildungsbetriebe gleichzeitig über gravierende Defizite ihrer Bewerber klagen und Hochschulen über mangelnde Studierfähigkeit der Abiturienten.“

Ein starkes Stück sei es, wenn der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger, moniere, dass das „Doppelsystem“ aus Förderschulen und Regelschulen fast fünf Prozent aller Schüler vom Regelschulsystem ausschließe. Obendrein binde dies laut Dräger wichtige Ressourcen, die für inklusiven Unterricht in den Regelschulen gebraucht würden. „Im schönsten Doppelpass mit der Landesregierung werden auf diese Weise Förderschulen diskreditiert. Es ist unerträglich, wie Bertelsmann seine Studien nutzt, um Schulpolitik nach eigenem Gusto zu machen“, sagt Balbach. „Wenn es wirklich um Chancengerechtigkeit geht, müssen die Förderschulen erhalten bleiben. Sie bieten Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten, die Regelschulen nicht haben. Viele Kinder brauchen einen solchen Schonraum – und viele Eltern wünschen ihn ausdrücklich.“

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5 Kommentare

  1. Zitat:
    Neuntklässler aus höheren Sozialschichten haben in Mathematik bis zu zwei Jahre Vorsprung vor ihren Klassenkameraden aus bildungsferneren Familien

    Auf dem Gymnasium sind mehr Kinder bildungsnaher Kreise, häufig als Kann-Kinder früher eingeschult. Infolge G8 sind diese Neuntklässler vor dem Übergang in die SekII und müssen folglich den Mathematik-Stoff der Sekundarstufe I abgeschlossen haben.

    An anderen Schulen können die Jugendlichen am Ende der neunten Klasse folglich noch gar nicht soweit sein wie die Schüler der Gymnasien. Korrekterweise hätte man also Zehntklässler der übrigen Schulformen und Neuntklässler der Gymnasien miteinander vergleichen müssen.

    Aus den gemessenen fakten jetzt herausrechnen zu wollen, ob die Henne vor dem Ei oder das Ei vor der Henne da war, ist aus meiner Sicht hahnebüchener Dung.

  2. Ich habe mich schon öfter gefragt, ob der Medienriese Bertelsmann mit seinen Rundfunk- und Fernsehbeteiligungen, Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen nicht ein Fall unerlaubter Monopolstellung auf dem Meinungsmarkt ist. In Zusammenhang mit der Stiftung, die Pseudo- bzw. Gefälligkeitsstudien am laufenden Band produziert, kann einem angst und bange werden um seriöse Informations- und Meinungsvielfalt.
    Bertelsmann betreibt nicht nur Lagerpolitik, sondern auch Gesinnungs- und Volkserziehung in bedenklich großem Stil.

  3. Trias aus L. Mohn – F. Springer – A. Merkel.
    Die eine macht die Meinung, die andere liefert die entsprechenden Studien und die Dritte surft bzw. agiert/regiert auf dieser Welle. Und der ziehvater hat noch versucht mit schwarzen Kassen die Meinung zu beeinflussen, wie vorsintflutlich. Alternativlosigkeit braucht entsprechende mediale Vorbereitung.

  4. Sie haben Recht. Die Verbindung der Geistesschmiede „Stiftung“ mit der exorbitanten Verbreitungsmacht durch die hauseigenen Medien bzw. Medienbeteiligungen verschafft Bertelsmann eine Sonderstellung auf dem Meinungsmarkt, die bei Monopolprüfungen keine Rolle spielt. Dort zählt nur der prozentuale Anteil am Gesamtpaket „Medien“.
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