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SPD und Grüne für Verbesserungen beim «Turbo-Abitur» – nicht für Abschaffung

DÜSSELDORF. Weniger Hausaufgaben, Nachmittage ohne Pflichtunterricht, aber beim «Turbo-Abitur» soll es in Nordrhein-Westfalen bleiben. Die Regierungsparteien SPD und Grüne haben am Wochenende in der Schulpolitik die Weichen dafür gestellt. Nun ist der Landtag an der Reihe.

Die Koalitionsparteien SPD und Grüne haben am Wochenende jeweils auf kleinen Parteitagen den Weg freigemacht für Reformen beim umstrittenen «Turbo-Abitur» nach nur 12 Jahren Schulzeit. Beide Parteien sprachen sich für wirksame und fühlbare Entlastungen der Schüler auf dem Weg zum G8 aus und bezogen sich auf die Empfehlungen des Runden Tischs vor einem Monat.

Das Gremium mit Interessenvertretern aus Schulen, Politik und weiteren gesellschaftlichen Bereichen hatte sich dafür ausgesprochen, in Nordrhein-Westfalen nicht zum neunjährigen Gymnasium (G9) zurückzukehren. Gleichzeitig empfahl der von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) initiierte Runde Tisch Veränderungen für das G8, unter anderem die Begrenzung von Hausaufgaben sowie weniger Nachmittagsunterricht und Lehrstoff. Das «Turbo-Abitur» wird unter anderem von zwei Initiativen bekämpft; Schüler beklagen Stress durch zu verdichteten Lernstoff und wenig Freizeit.

«Jedes Kind hat das Recht auf Freizeit und Erholung – in und außerhalb der Schule», sagte der NRW-Vorsitzende der Grünen, Sven Lehmann, laut einer Mitteilung der Partei. Es könne nicht sein, dass Schüler nach acht Stunden Schule mit einem Berg Hausaufgaben nach Hause gehen.

Zu den Vorschlägen der Grünen gehört auch, die Zahl der Klassenarbeiten zu verringern und an Ganztagsschulen Nachmittage ohne Pflichtunterricht zu haben. Der Leitantrag wurde nach Angaben eines Grünen-Sprechers mit großer Mehrheit angenommen. Die Jugendpartei der Grünen konnte sich mit einem Antrag zur Rückkehr zu G9 nicht durchsetzen.

Einstimmig hatte der SPD-Parteirat bereits am Samstag in Oberhausen Verbesserungen beim «Turbo-Abitur» empfohlen. Die Einführung von G8 durch die damalige CDU/FDP-Landesregierung sei falsch angelegt gewesen, bemängelte die SPD in ihrem Beschluss. Maßgabe der Verbesserungen sind für die Sozialdemokraten die Empfehlungen des Runden Tisches vor gut einem Monat.

Die Parteisitzungen sind nur ein Zwischenschritt auf dem Reformweg. Schulministerin Löhrmann möchte möglichst noch in den letzten Landtagssitzungen vor Weihnachten einen breit getragenen Grundsatzbeschluss zur Verbesserung des achtjährigen Gymnasiums. Im nächsten Jahr will die Ministerin dann mit neuen Erlassen und Verordnungen für verbindliche Reformschritte sorgen. Die neuen Regelungen sollen möglichst bis zum nächsten Schuljahr greifen. dpa

3 Kommentare

  1. Ist die rotgrüne Lösung demnach einfach „weniger Lernen“? Denn darauf könnte es nach den genannten Maßnahmen hinauslaufen.

  2. Weniger Pflichtstoff heißt ja nicht, dass die SuS weniger lernen. Noch einmal die lerntheorien durchgehen. Manchmal ist weniger tatsächlich mehr.

    • Nur das „weniger Lernen“ meistens auf die Ausdünnung am schwierigen Ende des Lehrplans bedeutet. In der Oberstufe ist es auch jetzt schon häufig möglich, den Stoff tiefer zu behandeln als laut Lehrplan vorgesehen, was zur Folge hat, dass Klausuren anspruchsvoller sind als die Abiturprüfungen.

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