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Talentscouts sollen Kinder von Nicht-Akademikern an Unis bringen

DÜSSELDORF. In Deutschland ist der familiäre Hintergrund oft entscheidender für den Bildungsweg von Schülern als die persönlichen Fähigkeiten. Um das zu ändern sollen im Ruhrgebiet Talentförderer nach begabten Jugendlichen suchen.

Zur Förderung begabter Kinder aus Nicht-Akademikerfamilien will das Wissenschaftsministerium verstärkt Talentscouts einsetzen. Mit 22 Millionen Euro soll in den kommenden vier Jahren ein Programm an Fachhochschulen und Unis ausgebaut werden. Dabei sollen Talentförderer Jugendliche beraten, für die ein Studium bisher viel zu selten infrage komme, wie mitteilte. Dazu gehören insbesondere auch Kinder aus Migrantenfamilien. Wer in weniger privilegierten Verhältnissen aufwachse, habe oft wenig Vertrauen in die eigenen Stärken und glaube nicht an seine Chancen, hieß es in der Mitteilung weiter. Hier sollen die Talentscouts ansetzen und entsprechend der Fähigkeiten motivieren und beraten.

Was die Schüler wollen, wovon sie träumen, was sie gut können - das versuchen die Talentscouts mit den Schülern herauszuarbeiten. Foto: Texas A&M University-Commerce Marketing Communications Photography/flickr (CC BY 2.0)

Was die Schüler wollen, wovon sie träumen, was sie gut können – das versuchen die Talentscouts mit den Schülern herauszuarbeiten. Foto: Texas A&M University-Commerce Marketing Communications Photography/flickr (CC BY 2.0)

In Deutschland sei der familiäre Hintergrund oftmals entscheidender für den Bildungsweg als die Fähigkeiten: Nur 23 Prozent aller Kinder mit Nicht-Akademiker-Eltern finden laut Studentenwerk-Erhebungen den Weg an die Uni. 77 Prozent der Kinder mit Eltern mit Hochschulabschluss dagegen studieren.

Das Prinzip des Talentscoutings wird seit 2010 erfolgreich an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen erprobt. Scout und Sozialarbeiter Suat Yilmaz hat in enger Zusammenarbeit mit Schulen im Umkreis seither mehr als 500 Schüler beraten.

Die ersten zusätzlichen Talentförderer sollen im Juli 2015 ihre Arbeit aufnehmen. Zunächst sollen fünf Hochschulen im Ruhrgebiet mit bis zu je einer halben Million Euro pro Jahr ausgestattet werden, um zwei bis fünf Talentscouts auf die Suche zu schicken. 2017 sollen vier weitere Hochschulen in das Programm aufgenommen werden.

An der Hochschule in Gelsenkirchen wird zudem eine Servicestelle eingerichtet. Dort sollen sich die Hochschulen, die für das Scouting-Programm ausgewählt werden, austauschen können. Außerdem sollen hier neue Formen der Talentförderung entwickelt und erprobt werden. (dpa)

zum Bericht: Hochbegabte mit türkischen Wurzeln fördern – aber wie?

Ein Kommentar

  1. Manche Kinder haben aber auch Pech mit ihren Eltern. Deren Versagen muss dann eben über Talent-Scouts kompensiert werden. Nur was iist jetzt mit den talenten, die kein Interesse an einer akademischen „Ausbildung“ haben?

    Wer erkennt und fördert z.B. das junge Backtalent auf seinem Weg zur eigenen Konditorei? Muss dieses talent jetzt erst vom Talent-Scout an die Uni gebracht werden, um dort seinen Master-Abschluss in Lebensmitteltechnologie zu machen und anschließend sein Talent mit der Herstellung „industrieller“ Süßigkeiten zu vergeuden?

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