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Umfrage: Schüler geben IT-Ausstattung in den Schulen noch schlechtere Noten als die Lehrer

BERLIN. Schüler in Deutschland geben der IT-Ausstattung an ihren Schulen von Jahr zu Jahr immer schlechtere Noten. Das ist das Ergebnis einer Studie des IT-Branchenverbandes Bitkom, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Jeder fünfte Schüler hält einer repräsentativen Umfrage zufolge die technische Ausstattung seiner Schule mit Computern und Internetzugängen für «schlecht» oder «sehr schlecht», berichte Bitkom-Vizepräsident Achim Berg. Dies liegt deutlich unter den Werten vergleichbarer Studien aus den Vorjahren. Die internationale ICIL-Studie hatte unlängst ergeben, dass die Kompetenz von deutschen Schülern im Umgang mit digitalen Medien allenfalls mittelmäßig ist.

Computer im Unterricht? Gibt's in Deutschland nicht allzu häufig. Foto: Vancouver Film School / flickr (CC BY 2.0)

Computer im Unterricht? Gibt’s in Deutschland nicht allzu häufig. Foto: Vancouver Film School / flickr (CC BY 2.0)

Die Schüler seien in ihrer Einschätzung deutlich kritischer als die Lehrer, bei denen in der Bitcom-Studie nur sechs Prozent von schlechten Voraussetzungen gesprochen haben, heißt es nun. „Die IT-Ausstattung der Schulen ist mittelalterlich“, hatte allerdings unlängst Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) kritisiert. Anlass war eine VBE-Umfrage zum gleichen Thema. Ergebnis: Schulen seien weit davon entfernt, dass der PC für Lehrkräfte zum alltäglichen persönlichen Arbeitsgerät am Arbeitsplatz Schule zähle. PCs ständen in der Regel als Einzelexemplar im Lehrerzimmer, bei der Schulleitung oder in Computerräumen. Jeder fünfte Lehrer – unter Grundschullehrern sogar jeder vierte – hat keinen Zugang zu einem Dienst-PC.

Angesichts der aktuellen Umfrage unter Jugendlichen sagt Bitkom-Vertreter Berg nun: «Die Schüler legen damit den Finger in die Wunde: Wenn die Ausstattung nicht stimmt, sind alle anderen Bemühungen zum Einsatz digitaler Medien zum Scheitern verurteilt.» Zu oft werde Ausstattung angeschafft – und dann über Jahre nicht gewartet oder auf dem Stand der Technik gehalten.

Als Folge der zunehmend veralteten Ausstattung bringe jeder zweite Schüler eigene technische Geräte für die Nutzung im Unterricht mit in die Schule. Bei jedem Dritten sei das ein eigenes Notebook, bei jedem Fünften ein Tablet Computer. «Zweifellos können solche Geräte das Lernen erleichtern – aber wir müssen aufpassen, dass dies nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängt», sagte Berg. Der Branchenvertreter forderte, im Idealfall die Klassen vollständig über die Schule auszustatten. «Oder wir müssen wenigstens dafür sorgen, dass das Schüler-Notebook oder Schüler-Tablet auf der Steuererklärung der Eltern vollständig geltend gemacht werden können.»

„Die digitale Schule gibt es in Deutschland bislang nur virtuell entgegen aller Ankündigungen der Politik“, kritisiert VBE-Chef Beckmann jetzt anlässlich der aktuellen Schülerbefragung. „Lehrer wie Schüler sehen darin ein Fiasko.“  Nicht nur die IT-Ausstattung sei mittelalterlich, so Beckmann. Auch die Wartung werde den Schulen allein überlassen. „Und die Aneignung von Kenntnissen für IT-gestützten Unterricht eignen sich neun von zehn Lehrern auf privatem Wege an, weil Fortbildungsangebote fehlen.“

Beckmann weiter: „Die zuständige Politik muss endlich ihre Verweigerungshaltung aufgeben und die Mittel für eine zeitgemäße IT-Ausstattung aller Schulen, auch der Grundschulen, bereitstellen. Dienstherren und Schulträger schieben das Thema als Privatangelegenheit auf die Lehrer ab. Es muss Schluss damit sein, die digitale Agenda nur zu beschwören.“ Es sei ein Skandal, betont Beckmann, wenn von Lehrern und Schülern erwartet werde, ihre Privatgeräte in der Schule zu nutzen. „Das ist nicht nur Rotstiftpolitik auf dem Rücken der Lehrer, es schafft auch neue Abhängigkeiten vom Geldbeutel der Eltern. Die öffentlichen Schulen dürfen von der Politik nicht auf diesen Holzweg geschickt werden.“ News4teachers / mit Material der dpa­

Zum Kommentar: Der “ICILS-Schreck”: Alles halb so schlimm? – Leider doch

2 Kommentare

  1. Wundern diese Einschätzungen der Schüler denn irgendjemand?? Wir leben in einer extrem reichen Gesellschaft – mehr als die Hälfte unserer Schüler hat ein smartphone, d.h. ein Gerät im Wert von 500 Euro, in der Tasche. Wir reden also über 500 * 500 = 250’000 Euro allein an unserer Schule für Geräte, die nach etwa 2 – 3 Jahren technisch veraltet sind und ausgetauscht werden, sofern sie nicht schon vorher zu Bruch gingen. So viel Geld für Hardware an Schulen kann kein Kreis aufbringen.
    Und der aufwendigere, teurere Teil ist die kompetente Betreuung solcher Geräte: wöchentliche updates, Aufspielen von Software, Reparatur von Sabotage, die von Schülern häufig begangen wird. PCs, die von vielen Lehrern benutzt werden, füllen sich in kurzer Zeit mit großen Mengen Datenmüll, weil wir in unserem Beruf ja von Pflicht zu Pflicht rasen – nur wenige sind zu so viel Selbstausbeutung bereit, dass sie diese Geräte ohne Entlastungsstunden warten. Wo es diese Idealisten gibt, ist der Gerätepark halbwegs „in Ordnung“.

    Natürlich wünscht sich der IT-Branchenverband Bitkom, dass jede Schule mit jährlich neuen Geräten ausgestattet werde, daran würde die Branche ungeheure Summen verdienen. Aber es ist nicht unsere Aufgabe, der Branche Umsätze zu generieren. Wir fragen nach dem pädagogischen Nutzen im Vergleich zum Aufwand und im Vergleich zu anderen Lehr- und Lernmitteln, und der ist bescheiden.
    Dass Schüler diese Zusammenhänge durchschauen, kann niemand erwarten. Also wessen Interessen dient eine Schülerbefragung?

  2. Aber auch mit diesen alten Geräten können die Schüler nicht umgehen. Einigermaßen vernünftige Inhalte können auch an 10 Jahre alten PCs unterrichtet werden. Tabellenkalkulation, Datenbanken, Programmierung – dafür benötigt man nicht die neuesten Modelle. Recherchieren im Internet kann nach 10 Minuten Erklärung jeder. Das Problem ist die Beurteilung der Quellen, aber das ist ja kein Problem der PC-Ausstattung.

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