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Auch wir sind Charlie: Die Meinungsfreiheit lebt!

DÜSSELDORF. Wem bislang noch nicht klar war, wo die Frontlinie verläuft, der wurde nun erneut brutal darauf gestoßen. Das Attentat von Paris galt vordergründig der Redaktion von „Charlie Hebdo“, tatsächlich uns allen: allen, denen die Freiheit etwas bedeutet.Charlie

Vor wenigen Wochen, am 16. Dezember, geschah die unfassbar monströse Bluttat von Peshawar. Mehr als 140 Menschen, die meisten davon Kinder, kamen ums Leben, als Terroristen eine Schule stürmten. Sie zielten darauf, das wohl größtmögliche Leid zu erzeugen – Kinder zu töten, eine Bildungseinrichtung als Symbol für Zukunft zu zerstören, um eine Gesellschaft in ihren Grundfesten zu erschüttern. Letzteres dürfte den Extremisten gelungen sein. So wie es ihnen auch gestern gelungen ist, indem sie auf einen Kern unserer Demokratie zielten: die freie Meinungsäußerung.

Die Täter sind Moslems, jedenfalls nach eigenem Bekunden. In Peshawar waren die Opfer aber gleichfalls Muslime, Kinder mit dem gleichen religiösen Bekenntnis wie ihre Mörder – und dies macht deutlich, dass es hier nicht um einen Krieg zwischen Morgen- und Abendland geht, nicht um einen Konflikt zwischen Islam und Christentum, auch wenn so mancher derjenigen, die in diesen Tagen in Dresden oder andernorts in Deutschland im Rahmen der Pegida-Bewegung gegen „Religionskriege“ demonstrieren, das gerne so vermitteln möchte.

Wir stehen am Rande eines Weltkrieges, dessen Frontlinie zwischen Barbarei und Zivilisation verläuft – nicht zwischen Ost und West. Barbarei, das ist die blinde Zerstörungswut, Mordlust und Bildungsfeindlichkeit der Islamisten, das ist aber auch die Intoleranz und Dumpfheit von Fremdenfeinden hierzulande. Zivilisation, das ist eine Welt, in der Kultur, Bildung und ein friedliches Miteinander in Freiheit (samt Freiheit zur Satire) zentrale Werte sind. Die 17-jährige Schülerin Malala, gerade mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, steht mit ihrem friedlichen und mutigen Kampf für das Recht auf Schulbildung derzeit wie keine zweite für diese aufgeklärte Welt – eine junge Muslima, wohlgemerkt.

Wir trauern um die Opfer von Peshawar, wir trauern um die Opfer von Paris. Und wir werden von der Meinungsfreiheit nicht lassen. Um es mit den Worten derjenigen auszudrücken, die seit gestern in sozialen Netzwerken zu Hunderttausenden ihre Solidarität mit der Redaktion von „Charlie Hebdo“ bekunden: Wir sind Charlie.

Die Redaktion von News4teachers

39 Kommentare

  1. Mein Beileid ! 🙁

  2. Die Bekundung „Wir sind Charlie“ finde ich fragwürdig, weil in diesem medialen „Solidaritätszeichen“ die Behauptung mitschwingt, das eigene Redaktionsteam sei entschlossen, für die Meinungsfreiheit ähnlich mutig und unnachgiebig einzutreten wie die Mitarbeiter von “Charlie Hebdo”. Genau das aber bezweifle ich.
    Eine Solidaritätsbekundung durch Veröffentlichung einiger Karikaturen von “Charlie Hebdo” wäre zumindest überzeugender als die selbstzufriedene, wohlfeile und risikoarme Eigendarstellung der Medien als lauter Charlies.
    „Wir trauern um Charlie“ – „Wir danken Charlie“ – „Wir bewundern Charlie“ – alles klingt besser als die anmaßende Behauptung „Wir SIND Charlie“.
    Die Toten können nicht mehr gefragt werden. Darum bleibt die Frage offen, welche Solidaritätskundgebung sie sich gewünscht hätten.

    • Liebe Frau Prasuhn,

      „Wir sind Charlie“ (Je suis Charlie) ist eine Bewegung, der sich Hunderttausende – nicht nur Journalisten, nicht nur Franzosen – in den sozialen Netzwerken und auf den Straßen angeschlossen haben (zu sehen übrigens auch auf der Fremdenfreundlichkeitsdemo unlängst in Dresden). Natürlich nicht gemeint ist damit, dass wir uns – die wir diese Aktion unterstützen – anmaßen, uns ebenfalls zu Opfern des Terrors zu stilisieren. Gemeint ist damit sehr wohl, für die Meinungsfreiheit einzustehen und auch die Meinungsfreiheit derjenigen zu verteidigen, die dieses demokratische Grundrecht bis an die Grenzen ausreizen, sei es mit bitterböser und mitunter verletzender Satire wie Charlie Hebdo, sei es mit Pauschalisierungen und platten Parolen wie Pegida. News4teachers ist kein Satireblatt, hält aber mit seiner kritischen Haltung auch gegenüber der muslimischen Welt und schon gar gegenüber dem Islamismus nicht hinter dem Berg, wie folgende Beiträge beispielhaft zeigen:
      http://www.news4teachers.de/2014/11/der-fall-nigeria-zeigt-die-islamische-welt-hat-ein-problem-mit-bildung/
      http://www.news4teachers.de/2014/11/feindbild-malala-koranschulen-hetzen-gegen-friedensnobelpreistraegerin/
      Die Veröffentlichung solch kritischer Beiträge werden wir uns auch künftig nicht nehmen lassen. In diesem Sinne: „Wir sind Charlie“.
      Herzliche Grüße
      Andrej Priboschek
      Herausgeber News4teachers

      • Danke, Herr Priboschek, für Ihre Antwort.
        Dass mit „Je suis Charlie“ gemeint ist, „für die Meinungsfreiheit einzustehen und auch die Meinungsfreiheit derjenigen zu verteidigen, die dieses demokratische Grundrecht bis an die Grenzen ausreizen“, habe ich wohl verstanden.
        Erst nach dem Schreiben meines Kommentars ging mir flüchtig durch den Kopf, dass die Redaktion von „news4teachers“ kein so guter Adressat für meine Zeilen ist, weil Sie und Frau Braun in der Tat auch kritische Töne zulassen – nicht zuletzt in den Kommentaren.
        Dass viele der Medien, die sich heute mit „Je suis Charlie“ schmücken, es aber mit der Meinungsfreiheit und -ausgewogenheit nicht so ernst nehmen und fast regelmäßig der sog. politisch korrekten Linie das Wort reden sowie anders denkende Personen lächerlich machen oder mit Unterstellungen verunglimpfen, kann ich nicht ignorieren. Ich müsste mich denn blind und taub stellen.
        Und wenn es hier heißt „Je suis Charlie“, dann kommt mir die Galle hoch. Dann wird für mich die Teilnahme an der Solidaritätsaktion zur Farce – sogar zum Hohn für „Charlie Hebdon“.
        Wie ich schon mehrmals geschrieben habe, ist es m. E. um die Meinungsfreiheit in unserem Lande nicht so gut bestellt wie behauptet. Sie ist zwar gesetzlich garantiert, wird aber mit subtilen Mitteln wie soziale Ächtung unterlaufen. Für Menschen, die im Licht der Öffentlichkeit stehen, kann das „tödlich“ sein, weswegen meiner Beobachtung nach gerade diese für die Meinungsbildung wichtigen Leutel ihre Worte auf die Goldwaage legen. Sie äußern sich fast ausnahmslos im Sinne dezidierter Moralvorschriftenund und verlassen sich lieber nicht auf eine trügerische Meinungsfreiheit.

        • „Dass viele der Medien, die sich heute mit “Je suis Charlie” schmücken, es aber mit der Meinungsfreiheit und -ausgewogenheit nicht so ernst nehmen und fast regelmäßig der sog. politisch korrekten Linie das Wort reden sowie anders denkende Personen lächerlich machen oder mit Unterstellungen verunglimpfen, kann ich nicht ignorieren.“

          Volle Zustimmung. Ich habe nichts dagegen, wenn sich die Satire auch damit mal beschäftigt!!

  3. Zunächst: Der Anschlag auf das Satiremagazin mit vielen Toten ist ein fürchterliches Verbrechen!

    In diesem Zusammenhang wird immer wieder das hohe Gut der Meinungsfreiheit betont. Grundsätzlich stimme ich zu, denn sonst könnte ich mich z.B. hier auf n4t nicht so – und ab und zu auch recht zugespitzt – äußern. Allerdings gibt es auch auf dieser Plattform KEINE UNEINGESCHRÄNKTE Meinungsfreiheit. Wer gegen die Netiquette verstößt und z.B. andere gezielt unflätig beschimpft oder diffamiert, kann zu Recht gesperrt werden.

    Mit dem Bsp. will ich verdeutlichen, dass es DIE UNEINGESCHRÄNKTE Meinungsfreiheit auch in unserem freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat nicht gibt.

    Von der menschenverachtenden Barbarei im Mittelalter bis zum Artikel 1 unseres GG, in dem von der „unantatastbaren Würde“ des Menschen die Rede ist, war es langer und mit vielen Toten gepflasterter Weg.

    Unsere Verfassung verpflichtet den Staat alles zu tun, um das Individum vor psychischer und physischer Gewalt zu schützen. Wir leben also nicht mehr in einem rechtsfreien Raum, sondern in unserer zivilisierten Gesellschaft gelten Regeln und Gesetze mit Ge- und Verboten.
    Wir spüren recht schnell, was „gut“ oder „böse“ ist, was „geht oder „nicht geht“. Unser moralisches Gewissen ist so etwas wie der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammen hält.

    Auch Künstler, Kabarettisten oder Satiriker leben nicht außerhalb unserer Gesellschaft. Auch sie haben sich an Regeln und Gesetze zu halten. Ihr moralisches Gewissen sollte wie ein Seismograf fein spüren, was noch lustiger Witz ist, über den alle lachen können oder bereits beißender Sarkasmus, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt, weil er so geschmacklos, ja, widerwärtig daherkommt, und den Betroffenen jeglicher Würde beraubt.

    Ich meine, nicht nur gegenüber uns Bürgern gibt es für Satiriker Grenzen. Auch Institutionen, Regierungen oder Religionen haben ein Recht auf Würde und es geht nicht, sie unter Verweis auf die Meinungsfreiheit von oben bis unten mit Dreck zu bewerfen und zum Gespött werden zu lassen.
    Gegen eine sachliche Kritik ist dagegenn nichts einzuweden.

    Welche Möglichkeiten haben sie denn, sich dagegen zu wehren? Zunehmend weisen Gerichte Klagen eben unter Hinweis auf das angeblich hohe Gut der Meinungsfreiheit ab.
    Dabei vergisst die Justiz offensichtlich, dass politische oder religiöse Einrichtungen ja keine anonymen Gebilde sind, sondern in ihnen leben und arbeiten Menschen, die sich möglicherweise in hohem Maße mit der Einrichtung identifizieren und deshalb auch ziemlich betroffen fühlen.

    • Zitat:
      Auch Künstler, Kabarettisten oder Satiriker leben nicht außerhalb unserer Gesellschaft. Auch sie haben sich an Regeln und Gesetze zu halten. Ihr moralisches Gewissen sollte wie ein Seismograf fein spüren, was noch lustiger Witz ist, über den alle lachen können oder bereits beißender Sarkasmus, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt, weil er so geschmacklos, ja, widerwärtig daherkommt, und den Betroffenen jeglicher Würde beraubt.

      Imstitutionen und Personen in der Öffentlichkeit eben nicht in der Form wie Privatpersonen. Ihre Einschätzung der rechtssituation schlägt fehl.

  4. Im Großen und Ganzen teile ich Ihre Meinung. Nicht alles, was gesetzlich erlaubt ist, muss ausgelebt werden. Da gibt es noch die Regeln des Gewissens, des guten Geschmacks oder auch der Rücksicht auf das Empfinden bzw. die Verletzlichkeit anderer. Ohne sie ist ein Zusammenleben unmöglich.
    Bezüglich des Massakers von Paris würde es mich allerdings sehr stören, wenn diese Überlegungen zu dem Schluss führten, die Opfer seien letztlich selber schuld an ihrem Tod. Hie und da klingen solche Gedanken leider schon an.
    Ich bin sicher, dass Sie so nicht verstanden werden wollen. Das sagen Sie eingangs ja auch ganz klar.
    Dennoch möchte ich anmerken, dass ich eine Gefahr in der zunehmenden Unsitte falsch verstandenen Mitgefühls sehe, das Täter zu Opfern macht, indem ihr Seelenleben so lange mit wachsendem Verständnis unter die Lupe genommen wird, bis sie aus ihrer Tat als bedauernswerte Opfer hervorgehen. Als Opfer der Lebensumstände, des Schicksals, der Gesellschaft, des Elternhauses, böser Lehrer …usw.
    „Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit; Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist die Mutter der Auflösung.“ (Thomas von Aquin)

    • „Bezüglich des Massakers von Paris würde es mich allerdings sehr stören, wenn diese Überlegungen zu dem Schluss führten, die Opfer seien letztlich selber schuld an ihrem Tod. Hie und da klingen solche Gedanken leider schon an.“

      Nein, Gewalt in jeglicher Form lehne ich kategorisch ab. Nun bin ich aber – bei aller Bescheidenheit – ein denkender Mensch, der ab und zu auch nachdenkt.

      Was meinen Sie wohl, was Ihnen passiert, wenn Sie sich über die Kleidung eines „eingefleischten“ Fußballfans lustig machen und dann vielleicht noch über den Verein herziehen? Wenn Sie großes Glück haben, bleibt es bei einem Wortgefecht. Ganz schnell können Sie sich aber auch mit schlimmen Verletzungen im Krankenhaus wiederfinden, wenn nicht sogar noch Schlimmeres passiert.

      Warum ist das so? Ganz einfach! Aus der Sicht des Fußballfans sind Sie ihm nicht mit dem gebotenen Respekt begegnet. Anders ausgedrückt: Sie habne seine Würde missachtet. Wenn Sie dann noch den Verein beleidigen, drehen diese Leute oft vollkommen durch, da der Verein für nicht wenige so etwas wie eine Familie bedeutet.

      Fehlender Respekt oder nicht entgegengebrachte Würde sind oft Ursachen für Konflikte im Privaten und auch zwischen Staaten oder Religionen mit oft leider verheerenden Folgen.

      Ich bleibe dabei: Künstler, Satiriker oder Kabarettisten müssen bei ihrer Arbeit immer bedenken, dass sie die WÜRDE von Menschen zu achten haben. Auch sie müssen in sich hineinhorchen und sich prüfen, ob das, was sie malen, sagen oder schreiben vor den geltenden moralischen Grundsätzen in unserem Staat bestehen kann.
      Wer sich darüber hinweg setzt und meint, niemandem gegenüber verantwortlich zu sein, verlässt die geltende moralische Ordnung und verhält sich wie ein Anarchist.
      Laut Duden verstehen wir unter Anarchismus die Lehre, die sich gegen jede Autorität richtet und für unbeschränkte Freiheit des Individuums eintritt. Wollen wir das allen Ernstets?

      • Lieber mehrnachdenken,

        Sie haben Recht – die Meinungsfreiheit gilt (wie alle bürgerlichen Freiheiten) nicht uneingeschränkt. Sie hat Ihre Grenze an der Freiheit und Würde des Gegenübers. Wo aber beginnt die? Da lässt sich schon eine klare Regel definieren: Kritik – und dazu gehört auch die Satire – ist erlaubt, Schmähung und Beleidigung nicht. Eine Kritik wird aber nicht dadurch zur Beleidigung, dass sich jemand beleidigt fühlt – ein solcher lässt sich, gerade wenn es um Kritik an Religionen oder Ersatzreligionen wie Fußball geht, immer finden. Und Kritik darf auch, insbesondere wenn sie sich an Institutionen mit gesellschaftlicher Relevanz richtet, scharf sein. Heißt das nun: Satire darf alles? Im Prinzip schon. Nur: Sie darf sich nie gegen Schwächere richten.

        Herzliche Grüße
        Andrej Priboschek
        Herausgeber News4teachers

        • Guten Abend Herr Proboschek,

          „Eine Kritik wird aber nicht dadurch zur Beleidigung, dass sich jemand beleidigt fühlt – ein solcher lässt sich, gerade wenn es um Kritik an Religionen oder Ersatzreligionen wie Fußball geht, immer finden. Und Kritik darf auch, insbesondere wenn sie sich an Institutionen mit gesellschaftlicher Relevanz richtet, scharf sein. Heißt das nun: Satire darf alles? Im Prinzip schon. Nur: Sie darf sich nie gegen Schwächere richten.“

          Richtig, wann fühlt sich jemand beleidigt?
          Ich glaube nicht an Gott. Dennoch würde ich niemals auf die Idee kommen, mich über gläubige Christen, Gott und Jesus und wen auch immer lustig zu machen. Gleiches gilt für andere Religionen.
          Dazu habe ich viel zu viel Respekt gegenüber diesen Menschen.
          Sehen Sie, und genau das beachtet z.B. Satrire häufig nicht. Zunmal dann nicht, wenn es über harmlose Witze hinausgeht.

          Sie schreiben: Scharfe Kritik darf sich auch gegen Institutionen mit gesellschaftlicher Bedeutung richten. Richtig, zwisschen „scharfer Kritik“ und beißendem Spott gibt es für mich einen graviereden Unterschied.

          Haben denn heutzutage Institutionen noch eine Chance, sich gegen maßlose Beschimpfungen zur Wehr zu setzen? Regelmäßig scheitern sie vor Gericht. Also sind sie auch schwach.

          Im Volksmund heißt es: „Wenn du in trauter Runde keinen Streit haben möchtest, dann vermeide Gespräche über Politik, Sex und Religion.“

          Wohl wahr, und deshalb sollten Witze darüber sehr genau überlegt sein.

          Beste Grüße
          mehrnachdenken

          • Sorry, natürlich Herr Priboschek!

          • Lieber mehrnachdenken,

            Satire bedeutet nicht, Witze zu reißen – in der Satire steckt immer auch ein kritischer Kommentar. Gerade Religionen müssen meines Erachtens eine Menge davon vertragen können – sind es doch ihre Vertreter, die mit Unfehlbarkeitsanspruch moralische (und häufig auch politische) Ansprüche vertreten. Jeder, der sich in die Öffentlichkeit begibt, muss sich öffentliche Gegenrede gefallen lassen. Das gilt auch für den lieben Gott.

            Herzliche Grüße
            Andrej Priboschek

  5. Ich finde nicht, dass Satire alles darf. Es ist nur wirklich sehr schwer zu entscheiden, wo da die Grenze gezogen werden soll / kann / darf / muss. Darauf habe ich im Moment keine Antwort.

    • Satire darf de facto alles – vor allem darf sie Institutionen und iIeologien und auch Religionen auf’s Korn nehmen. Lediglich beim satirischen Umgang mit Personen gibt es Grenzen, wenn die Würde der betroffenen Person verletzt wird. Satire ist nämlich eine Kunstform und ihre Ausdrucksmittel unterliegen dem Schutz der künstlerischen Freiheit. Sie sind lediglich bezogen auf die Rechte der Menschen nachrangig. Es muss also eine konkrete Person in ihren Rechten verletzt sein, wenn Satire einen Rechtsverstoß begeht.

      • Na, hoffentlich reden Sie auch noch so, wenn Sie – rein theoretisch – zur Zielscheibe von Satire werden sollten.

        Es wäre sowieso interessant zu verfolgen, wenn der Spieß mal umgedreht würde. D.d., wenn Satirker – und da meine ich die richtig BÖSEN und NIEDERTRÄCHTIGEN – selber rmal „nackt ausgezogen“ würden.

        Toll, da können sich „Schmierfinken“, die sich Satiriker nennen dürfen, ja ungestraft so richtig austoben, steht ihre „Ausdrucksform“ doch unter „Artenschutz“.

        Bei dieser Rechtslage wundert es mich überhaupt nicht, dass mancher Satiriker einfach keine moralischen Grenzen mehr spürt und Gefahr läuft, „Gott“ zu „spielen“.

  6. Ich wäre sehr dafür, wenn die „öffentliche Herabwürdigung“ von Menschen, aber auch Religionen / Weltanschauungen, vielleicht auch von Institutionen verboten wäre. Etwas in dieser Art gibt es sicherlich auch schon. Ich meine, dass inhaltliche Auseinandersetzung und Kritik ohne Beleidigungen, Beschimpfungen, Hohn und Spott auskommen „können sollen muss“ !!! Ich bin mir aber im Klaren, dass die Grenzziehung schwer ist und ich habe keine Antwort momentan darauf, wo eine Grenze zu ziehen wäre. Es geht nicht um die „Extreme“, die sind leicht erkennbar, aber wann etwas noch erlaubt und ab wann nicht mehr erlaubt sein soll, da darf es ja keine Willkür geben und ich weiß im Moment nicht, wie man das bestimmen sollte.

    • Das ist dann wie in Russland oder der Türkei. Dort wandern allzu forsche Kritiker wegen Präsidentenbeleidigung oder ähnlicher Gummiparagraphen im Gefängnis oder gleich im Gulag.

  7. Zu sagen „Satire“ darf alles, ist kein ARGUMENT, „dicke bank“. Warum denn? Wieso soll Satire beleidigen, beschimpfen, verhöhnen, verspotten, Gefühle verletzen dürfen??? Weil Kurt Tucholsky es gesagt hat? („How the fuck is Kurt Tucholsky?“ oder auf Deutsch „Wer zum Teufel ist Kurt Tucholsky?“)

    Naja, dann sagt -sofawolf- eben, Satire darf nicht alles! Und nun?

  8. „Je ne suis pas Charlie“ :
    http://www.freiewelt.net/je-ne-suis-pas-charlie-und-gerade-deshalb-fuer-die-absolute-pressefreiheit-10051684/

    Auszug: „Die Beschneidung von Meinungs- und Pressefreiheit ist mitnichten eine Erfindung von Islamisten, sie ist zentraler Bestandteil westlicher Regulierungs- und Kontrollpolitik. Tatsächlich ist auch „Charlie Hebdo“ in Konflikt mit dem Zensor geraten. Schon vor einigen Jahren wurde die Publikation wegen Blasphemie und Hetze verklagt – wohlgemerkt nicht in einem Sharia-Staat, sondern in Frankreich, auf Basis französischer Gesetze. Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu ähnlichen Prozessen – die Anklage gegen den Kabarettisten Dieter Nuhr war nur eins von vielen Beispielen. Viel schlimmer aber noch: Es hat sich eine vorauseilend gehorsame Kultur der ängstlichen Zurückhaltung und Selbstzensur entwickelt, die dazu führt, dass wirklich kernige Standpunkte und auch mal deutlich ausgesprochene Wahrheiten immer seltener den Weg in die Öffentlichkeit finden.
    Gegen diese Kultur der Angst, die immer wieder in offene Unterdrückung von Freiheitsrechten umschlägt, hilft nur ein mutiges Eintreten für das Recht auf vollständige und unbeschnittene Meinungs- und Pressefreiheit.“

    • Es gibt keine Anklage gegen Dieter Nuhr. Es gab eine Anzeige – und die Ermittlungen wurden eingestellt. So viel zur „seriösen“ Recherche der „Freien Welt“. Aber auch solche Schmutzblätter, die mit Verzerrungen und Pauschalisierungen arbeiten („Kultur der Angst“), gilt es auszuhalten.

  9. Heute Morgen habe ich in Eile den Gastkommentar eines Journalisten der RP überflogen, der mirauf den ersten Blick im Zusammenhang mit dem diskutierten Thema gut gefallen hat.
    Aus Zeitgründen musste ich mir vornehmen, den Artikel am Abend noch einmal zu lesen, um auch meinen Gefallen zu äußern, doch nun finde ich ihn nicht mehr.
    Liebe Mitarbeiter der Redaktion, bitte helfen Sie mir bei meiner Suche nach dem Kommentar!

    • Liebe Frau Prasuhn,

      es dürfte sich um den Kommentar von Michael Bröcker, Chefredakteur der Rheinischen Post, handeln:
      http://www.news4teachers.de/2015/01/gastkommentar-die-lehre-von-paris-mehr-mut-zu-uns-auch-in-den-schulen/

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

      • Danke, liebe Redaktion, für die Hilfe. Genau diesen Artikel meinte ich. Nach gründlicherem Lesen gefällt er mir noch immer gut, weil Einwanderung und Integration nicht nur – wie meist üblich und „politisch korrekt“ – unter den Wünschen und Forderungen der „Neulinge“ gesehen werden, sondern auch unter den Wünschen und Rechten der aufnehmenden Bevölkerung.
        Sie ebenfalls zu erwähnen erfordert bei unserer „Willkommenskultur“ inzwischen schon Mut, auch wenn nur Selbstverständliches gesagt wird. Darum hat für mich Michael Bröcker mit seinem Artikel Zivilcourage bewiesen.

  10. @ wetterfrosch, es gibt ja bekanntlich für jedes Argument ein Gegenargument. Das ist schon klar. Sie haben eine andere Haltung dazu als ich. Ich meine, wenn ich weiß, dass ich mit dem, was ich sage oder tue, jemand anderen zutiefst (zutiefst – das ist die Schwachstelle, die ich momentan nicht abgrenzen kann) verletze, dann muss ich das doch nicht sagen oder tun, es sei denn, ich WILL verletzen. Es ist doch niemals so, dass Hohn und Spott die anderen Seite meinen Argumenten gegenüber aufgeschlossener macht, sie verschließt sich doch nur noch mehr – und sei es nur aus Trotz. Wenn Ihrer Meinung nach „alles“ erlaubt sein soll, dann doch wirklich alles (auch sogenannte Volksverhetzung???) oder doch nur „einiges alles“? Aber wer ist dann in letztem Falle der Maßstab? Sie?

    • Ihre Bedenken sind gerechtfertigt und einleuchtend dargelegt, dennoch sollte es meiner Meinung nach keine Einschränkung von Satire geben, außer der bereits bestehenden. Weitere Ausnahmen erweitern auch die Möglichkeiten zu mehr Interpretationen und damit die Mittel zur Unterdrückung unerwünschter Meinungen bzw. ihrer Darstellung.
      Wenn Sie den Artikel gelesen haben, konnten Sie feststellen, dass der Autor kein Freund der Karikaturen von Charlie Hebdon ist und sie eher abstoßend findet. Trotzdem möchte er zum Schutz der Meinungsfreiheit keine weiteren Reglements.
      Je engmaschiger Gesetze werden, desto mehr Unterdrückungspotential besitzen sie. Es geht also darum, Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen und sehr zurückhaltend zu sein mit Einschränkungen, auch wenn sie alle naselang aus unterschiedlichem Anlass geboten erscheinen.
      In diktatorischen Staaten ist das gesellschaftliche Leben der Bürger bis ins Kleinste geregelt. Aber ist das wünschenswert? Wuchernde Gesetze sind nun mal Feind jeder freiheitlich demokratischen Grundordnung.

  11. @ Bernd, es ging nicht darum, dass man nicht kritisieren dürfen soll, es ging um Hohn und Spott, um „öffentliche Herabwürdigung“. Sie plädieren, frage ich nun genauso verkürzt zurück, also für ein „Recht“ auf öffentliche Herabwürdigung anderer Menschen, Religionen und Institutionen? (So lange es nicht um Sie selbst geht vermutlich aber nur?)

    • Was ist denn eine Herabwürdigung? Fragen wir doch mal konkret: Ist es aus Ihrer Sicht legitim, die Bibel zu veralbern, wie es Monthy Phyton im Film „Das Leben des Brian“ taten? Aus meiner Sicht schon – dahinter verbirgt sich eine durchaus zu rechtfertigende Kritik an jeglicher Religion. Fanden die vielen Juden, Katholiken und Protestanten, die seinerzeit vor den Kinos demonstrierten und ein Verbot des Filmes forderten, aber nicht.

  12. @ wetterfrosch, ich muss gestehen, dass ich den Artikel nicht zu Ende gelesen habe. Es ging mir auch nur darum zu bekräftigen, dass Satire eben nicht alles darf, weil mit dem „berühmt-berüchtigten“ Kurt-Tucholsky-Zitat argumentiert wurde. Wenn es da schon Regelungen / Grenzen gibt, ok. Das finde ich hiermit gut. Die Freiheit der eigenen Meinung soll zwar nicht grenzenlos, aber doch sehr, sehr, sehr weit sein.

  13. @ Bernd (13.01.), nee, so konkret ist das gar nicht, denn da ich diesen Film nicht kenne, kann ich dazu keine Einschätzung abgeben. Vor allem aber kann ich nur wiederholen, dass es in weiten Teilen sicherlich einfach wäre zu entscheiden, ob etwas bereits eine unerlaubte Beleidigung ist (z.B. einen Religionsstifter beim Sex mit Tieren zu zeigen), dass es aber eine breite Grauzone gibt, wo die Meinungen auseinander gehen und wo mir wie gesagt (noch) ein Kriterium fehlt, um zu sagen, „ab jetzt geht es zu weit“.

    • Dann mal anders gefragt: Wie sieht’s mit dem aktuellen Titelbild von Charlie Hebdo aus – Mohammed mit Krokodilsträne und „Je suis Charlie“-Anstecker? Empörung unter Muslimen weltweit, und auch der Papst äußert sich kritisch. Erlaubt oder „zu weit“?

  14. Ursprünglich gesehen, ist Satire eine Kunstform mit allen stilistischen Freiheiten der Kreativität. In der heutigen Zeit sehe ich diese Kunst als eine besondere Form der Kritik, bei der indirekt angeprangert wird. Satire ist keine gesteigerte Art der Komik, wo über Gott und die Welt gedankenlos gelacht werden kann. Nein, sie muss und soll kritische Dinge ansprechen, die auf normalem Weg, die Öffentlichkeit nur schwer erreichen. Dabei sind die allgemein bekannten Grundsätzte einer konstruktiven Kritik einzuhalten.
    Würdigt Satire die Persönlichkeit von Menschen herab, sind für mich die Grenzen überschritten. Was erreiche ich damit? Im Zweifelsfall, dass der Angemahnte harmoniesüchtige Barmherzige anzieht.
    Ja, Satire muss sein – aber mit allen Regeln der Moral!

  15. @ Bernd, so wie Sie es schreiben (das Bild kenne ich) klingt es aus meiner Sicht nicht nach einer „öffentlichen Herabwürdigung“. Allerdings steht ja noch was auf Französisch darüber. Warum dieses Bild bei Muslimen / Moslems weltweit zur Empörung und leider wieder zu Toten geführt hat, verstehe ich momentan nicht.

  16. @ Bernd, in den Nachrichten sagen sie gerade, die Kritik der Moslems / Muslime richtet sich gegen die bildhafte Darstellung des Propheten. Nun, wie gesagt, das empfinde ich nicht als öffentliche Herabwürdigung. Da würde ich sagen, das mag für sie gelten und sie mögen sich daran halten, aber das gilt nicht für uns und deshalb müssen wir uns nicht daran halten. Aber natürlich, was ich denke und richtig finde, muss nicht der Maßstab sein. Ich sagte ja schon, dieser Maßstab, wie er für alle gelten sollte, fehlt mir momentan noch.

  17. Weil es dafür keinen allgemeingültigen Maßstab gibt. Ob es sich bei einer Zeichnung um eine Satire im Sinne einer Meinungsäußerung oder eines Kunstwerks handelt oder um eine Beleidigung bzw. Schmähung, lässt sich nur im konkreten Fall klären (und selbst dann nicht immer zweifelsfrei). Als Demokrat würde ich aber immer sagen: Im Zweifel für die Veröffentlichung – und damit für die Meinungsfreiheit.

  18. @ Bernd, teilweise stimme ich Ihnen zu. Jeder kann etwas anderes als schon oder nicht nicht beleidigend empfinden. Einiges lässt sich aber auch grundsätzlich „klären“ (definieren), z.B. sexuelle Darstellungen. Im Zweifel (im vorherigen Falle hätte ich diese Zweifel nicht), würde ich als „Humanist“ daher so sagen: Lieber auf die Veröffentlichung verzichten – um andere Menschen nicht zu verletzen, zumal wenn ich weiß, dass ich sie zutiefst verletze.

  19. Oder so gesagt, Bernd: Im Zweifel für die Menschenwürde eines jeden !

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