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Gegen den Männermangel in den Grundschulen: Projekt «Rent a Teacherman»

BREMEN. Kristian Bunte ist als Mann ein Exot unter den Lehrkräften einer Bremer Grundschule. Das führt dazu, dass Kinder den Vollbart-Träger aus Gewohnheit mit «Frau Bunte» ansprechen. Ein Bremer Projekt will auf originelle Weise den Männermangel beheben.

Im Schnitt kommen in Grundschulkollegien auf sieben Frauen ein Mann. Foto: Ryan Hyde / flickr (CC BY-SA 2.0)

Im Schnitt kommen in Grundschulkollegien auf sieben Frauen ein Mann. Foto: Ryan Hyde / flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Grundschule an der Horner Heerstraße in Bremen ist eine wie viele andere in Deutschland: bunte Wände, Tierbilder, im Foyer eine große Kiste mit Fundsachen – und die Lehrkräfte sind alle weiblich. Eine Ausnahme ist der Lehramtsstudent Kristian Bunte. Er leitet die Fußball- und die Theater-AG und unterstützt die Lehrerinnen beim Unterricht. Möglich macht das ein bundesweit einmaliges Projekt, das Lehramtsstudenten als männliche Rollenvorbilder an Grundschulen holt.

Der Männeranteil an den deutschen Grundschulen liegt nach Angaben des Bremer Erziehungswissenschaftlers Christoph Fantini bei 12 bis 14 Prozent. Auch an den weiterführenden Schulen unterrichten inzwischen immer mehr Frauen. «Eine große Zahl von Kindern geht durch die Bildungsinstitutionen und sieht nicht einen einzigen Mann», sagt Universitätsdozent Fantini. «Dadurch entsteht bei den Kindern ein eindeutiges Bild: Kümmern ist nicht männlich.»

Vor zwei Jahren gründete der Pädagoge deshalb das Projekt «Rent a Teacherman». Übersetzt bedeutet das: einen männlichen Lehrer mieten. 10 000 Euro bekommt Fantini jährlich von der Bremer Bildungsbehörde. Dafür stellt er Lehramtsstudenten ein, die er für zehn Stunden im Monat an Grundschulen verleiht. Zurzeit sind es zehn Mitarbeiter.

Kristian Bunte arbeitet seit eineinhalb Jahren an der Horner Heerstraße. Trotzdem kommt es immer noch vor, dass Schüler den Vollbart-Träger versehentlich mit «Frau Bunte» anreden – weil sie es einfach nicht gewöhnt sind, dass ein Mann vor ihnen steht. «Die Kinder haben mich schon öfter gefragt, wieso ich das mache und ob das zu einem Mann passt», erzählt der 26-Jährige. Grundschullehrer zu werden, davon hatte Bunte selbst auch nie geträumt. Erst nach seinem Zivildienst an einer Schule für geistig behinderte Kinder kam er auf die Idee.

Praxiserfahrungen als Türöffner wollen auch Projekte an anderen Unis nutzen. Viele Schüler hätten falsche Vorstellungen von der Arbeit an Grundschulen, sagt die Hamburger Pädagogik-Professorin Hannelore Faulstich-Wieland. «Sie sei fachlich zu anspruchslos und im Umgang mit Kindern zu schwierig.» Deshalb wollen sie und ihr Team Schülern der 9. Klasse künftig ein Praktikum in Grundschulen vermitteln. Die Hildesheimer Universität organisiert ebenfalls Praktika und Schnuppertage, Lehramtsstudenten informieren an Schulen über ihren Beruf.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft begrüßt Initiativen wie diese. Das Bremer Projekt sieht Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann allerdings kritisch. «Nur ein Mann zu sein, ist noch keine pädagogische Qualität.» Dass die vielen Lehrerinnen angeblich dafür verantwortlich sein sollen, dass Jungen in der Schule schlechter sind, hält Hoffmann für einen Trugschluss. «Alle Forschungen, die in diese Richtung weisen, hatten einige methodische Schwächen.»

In der Fußball-AG fliegen Kristian Bunte an diesem Tag die Bälle um die Ohren. 15 Dritt- und Viertklässler dribbeln im Slalom um Hütchen und schießen dann aufs Tor, in dem Bunte im Trikot von Werder Bremen steht. Auf dem Spielfeld zwischen den Schülern fühlt sich der Student wohl. Doch nicht nur dort – auch im Lehrerzimmer, das an der Grundschule eigentlich Lehrerinnenzimmer heißen müsste, wie Bunte grinsend meint. Allein unter Frauen zu sein, das ist er schließlich schon von der Uni gewöhnt: In seinem Studiengang kommt auf zehn junge Frauen gerade mal ein Mann. Irena Güttel, dpa

Zum Bericht: Männer in Kitas: «Vorurteile schwingen immer mit»

4 Kommentare

  1. mehrnachdenken

    Ich bin entschieden für eine Männerquote in den Grundschulen.
    Also, Gender-Ideologen macht euch an die Arbeit, grins.

    • Geht ja nur, wenn es männliche Bewerber gäbe. Solange sich aber keine männlichen Bewerber mit ihren weiblichen Pendants um offene Stellen schlagen, bringt die Quote nix. Um die quote zu erfüllen, müssten nämlich so lange Grundschulen geschlossen und Lehrerinnen an andere Schulformen versetzt werden, bis die Quote passt.

      • PseudoPolitiker

        Es soll auch Unternehmen geben, die so lange schließen müssten, bis die Quote stimmt. Über sie heißt es dann allerdings nicht, dass weibliche Bewerber fehlen, sondern dass die böse frauenfeindliche Gesinnung in diesem Unternehmen Frauen benachteilige.

        • Ok, und wer holt dann den Müll ab?

          Ich sehe mehr Männer Tonnen leeren als Frauen, aber mehr Frauen als Männer lehren. – Aber im Großen und Ganzen stimmt die Quote im ÖD.

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