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Hamburgs Parteien streiten um die Zahl förderbedürftiger Kinder an Grundschulen

HAMBURG. Rund 870 Grundschüler sind in Hamburg förderbedürftig. Nur rund die Hälfte von ihnen wurde schon vor der Einführung des Inklusionsunterrichts in Sonderschulen oder spezieller Betreuung gefördert. Die Opposition ätzt: Jahrelang habe Bildungssenator Rabe wissentlich Schulen, Eltern und Lehrer mit falschen Zahlen an der Nase herumgeführt.

Rund 870 Kinder brauchen in Hamburgs Grundschulen ein spezielle Förderung in den Bereichen Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung (LSE). «Es gibt weniger LSE-Kinder als behauptet und mehr als erwartet», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD. Bislang wurden mehr als 1000 Kinder in Hamburger Schulen als förderbedürftig eingestuft. Davon bestätigten Experten jedoch nur knapp 870 Fälle, bei etwa 130 Kindern hielten sie die Einstufung für unangemessen, bei 10 Kindern ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen.

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). Foto: SPD Hamburg / flickr (CC BY-SA 2.0)

„Weniger LSE-Kinder als behauptet und mehr als erwartet“, resümiert Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). Foto: SPD Hamburg / flickr (CC BY-SA 2.0)

Nur rund die Hälfte der betroffenen Kinder wurde schon vor der Einführung des Inklusionsunterrichts in Sonderschulen oder spezieller Betreuung gefördert. Fehldiagnosen und genauere Methoden in der Früherkennung hätten dennoch zu diesem Anstieg an förderbedürftigen Kinder geführt. 60 zusätzliche Lehrkräfte sollen vom Sommer 2015 an in der fünften und sechsten Schulstufe die Kinder fördern. «Dank dieser ergänzenden Maßnahmen können jetzt auch erstmals früher ungeförderte Kinder gefördert werden», sagte der Senator.

Die CDU erklärte den «Versuch», die «brisanten Zahlen» der tatsächlichen förderbedürftigen Kinder bis nach der Bürgerschaftswahl zurückzuhalten, als «gescheitert». «Senator Rabe wäre jetzt gut beraten, die Zahlen nicht auch noch schönzureden», sagte Karin Prien, schulpolitische Sprecherin der Unionsfraktion. Die von der SPD verkündeten zusätzlichen Lehrerstellen würden nicht genügen.

Vor der Veröffentlichung der umfangreichen Begutachtung hatte die Grünen-Bildungspolitikerin Stefanie von Berg dem Senator vorgeworfen, die Daten im Wahlkampf geheimhalten zu wollen. «Immerhin wird die Fehleinschätzung des Senators jetzt für alle deutlich», sagte von Berg. Sie beklagte eine Unterversorgung an Förderkräften in Grundschulen: Jahrelang sei von vier Prozent betroffener Fälle pro Jahrgang ausgegangen worden, die veröffentlichen Zahlen hätten mit 6,6 Prozent nun einen weitaus höheren Bedarf zutage gefördert.

Die FDP-Fraktion forderte, das abgeschaffte Verfahren der Einzelfalldiagnose für förderbedürftige Kinder wieder einzuführen. Geschlossen trat die Opposition für eine Überarbeitung des Inklusionskonzepts ein. (dpa)

zum Bericht: Hamburger FDP-Kandidatin Suding macht Inklusion zum Wahlkampfthema

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