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Missbrauch bei den „Regensburger Domspatzen“ – Ehemalige Schüler erheben neue Vorwürfe

BADEN-BADEN. Es ist der berühmteste Chor der katholischen Kirche, aber hinter der Fassade brodelte es: 2010 erfuhr die Öffentlichkeit vom systematischen jahrelangen Kindesmissbrauch im Musikinternat. Die Kirche versprach Aufklärung, Transparenz und unbürokratische Hilfe für die Betroffenen. In einer ARD-Dokumentation erheben drei frühere Sänger der „Regensburger Domspatzen“ jetzt neue Vorwürfe gegenüber kirchlichen Mitarbeitern.

Fünf Jahre nach dem Skandal, im November 2014, legt das Bistum Regensburg einen ersten Tätigkeitsbericht vor. Die Kirche erkannte 30 Betroffene als Missbrauchsopfer an und zahlte ihnen dafür zwischen 1.000 und 15.000 Euro pro Person aus. Nach Recherchen der ARD ist die Affäre damit aber nicht ausgestanden.

In Exklusiv-Interviews beschreiben drei frühere Sängerknaben dem Fernsehsender jetzt, wie ihnen von katholischen Geistlichen Nahrung und Getränke entzogen und wie sie gedemütigt und geschlagen worden seien. Die ARD zeigt diese Aussagen in ihrem Film „Sünden an den Sängerknaben – Die Akte Regensburger Domspatzen“ (Hier geht es zur Mediathek).  Zudem bekräftigen die drei Protagonisten des Films Anschuldigungen anderer ehemaliger „Domspatzen“, die bereits früher Verantwortlichen des Chors sexuellen Missbrauch von Sängerknaben vorgeworfen hatten. Gerichtsurteile bestätigten solche Vorwürfe. Alle drei Interviewpartner beschreiben für die ARD-Dokumentation, wie sie selbst Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen bei den „Domspatzen“ geworden seien.

Der Vater soll seinen Sohn massiv missbraucht haben - Symbolbild. Foto: goldsardine / Flickr (CC BY-ND 2.0)

Die katholscihe Kirche scheint mit dem Missbrauch nicht angemessen umzugehen – Symbolbild. Foto: goldsardine / Flickr (CC BY-ND 2.0)

Das Bistum Regensburg erklärte im November, es habe 30 Opfer anerkannt, die durch Mitarbeiter der Kirche als Kinder sexuell missbraucht worden seien. Wie viele dieser 30 Opfer den „Domspatzen“ angehörten, möchte das Bistum nicht mitteilen. Die Justiz habe 77 minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs im Zuständigkeitsbereich des Bistums seit 1945 ermittelt. Im selben Zeitraum wurden im Bistum Regensburg 13 Geistliche wegen sexuellem Missbrauch von Kindern strafrechtlich verurteilt. Martin Linder, der Missbrauchsbeauftrage des Bistums erklärte im ARD-Interview keinen „Systemfehler“ bei den „Regensburger Domspatzen“ erkennen zu können.

Udo Kaiser, einer der drei Protagonisten im ARD-Film, bezeichnet dagegen das Internat des Chors als „ein Gefängnis, nur mit Schlägen, Tritten“. Der ehemalige „Domspatz“ Alexander Probst berichtet in der Doku von systematischen Gewaltanwendungen durch Lehrer der Sängerknaben: „Es gab natürlich noch viele andere Prügeleien, das darf man nicht vergessen. Prügeleien beim Klavierunterricht, Prügeleien durch Lehrer im ganz normalen Unterricht, Prügeleien während des Mittagessens, wo man zum Beispiel nicht sprechen durfte.“ Georg Auer, der dritte Interviewpartner beschreibt drakonische Strafen und Demütigungen für Bettnässer, darunter den Entzug von Essen und Trinken: „Manchmal hatte ich so einen Durst, da habe ich mich zur Toilette gestohlen und den Wasserhahn aufgedreht und habe meinen Durst gestillt. Und ich bekam oftmals auch Essensentzug. Ja, ich hatte ständig Hunger und Durst.“

Filmemacherin Mona Botros konfrontierte Geedo Paprotta, den Rechtsanwalt des Bistums mit dem Vorwurf des Nahrungsentzugs. Darauf antwortete der Jurist: „Letztlich ist auch das wieder eine Form von Folterung der Kinder, die Sie schildern. Wenn Kinder davon betroffen gewesen sind und wir jetzt öffentlich darüber sprechen, würde ich genau das wieder verletzten, was ich eben gesagt habe, nämlich das Recht der Betroffenen selbst darüber zu sprechen und dass ihre Geschichte geheim gehalten wird.“ Auf die Schilderungen von Gewalt und Demütigungen gegenüber Schutzbefohlenen entgegnete Paprotta gegenüber der ARD: „Ich denke, das kann man bestätigen, das ist übrigens vor dem Hintergrund der Zeit nichts völlig Unübliches gewesen.“

Vier Jahre, nachdem Alexander Probst dem Bistum Regensburg gemeldet hatte, dass er bei den „Regensburger Domspatzen“ sexuell missbraucht wurde, bot ihm das Bistum Regensburg überraschend während der Dreharbeiten eine einmalige Zahlung von 2.500 Euro „in Anerkennung des Leids“ an. Die Anträge von Udo Kaiser und Georg Auer lehnte die Kirche ab. Das Bistum Regensburg habe ihre Aussagen „leider nicht nachvollziehen“ können. Eine „Leistung in Anerkennung von erlittenem Leid“ erscheine, so das Bistum in seinem Ablehnungsbescheid „auf diesem Hintergrund leider nicht gerechtfertigt“.

Mehr Informationen zum Skandal und zur Dokumentation hier

2 Kommentare

  1. Wieder weitere von den zig tausenden Einzelfällen (Institutioneller Satanismus von Staat und Kirche).
    2 Prozent nahmen den Hilfsfond in Anspruch – Irland zahlte 120 mal soviel – ohne Retraumatisierung. mit Rechtsanspruch und keine genehmigungspflichtigen Naturalien. Von der Dunkel (Todesziffer) ganz zu schweigen. Allein in Glückstadt (Geschlossenes Heim (Kinder KZ – suptiler Heimkinder Holocaust) wurden 156 Heimkinder gekillt von den Satanisten aus Staat und Kirche.
    Das ist amtlich. Von mir gibt es gratis eine Göttliche Erleuchtung , wenn ihr den Heiligen Geist bereits habt. http://www.religionskritik.net/forum/thread.php… – Schalom – Ihr werdet bezahlen auch nach eurem Tod !!!

  2. Nachtrag:
    Von mir gibt es gratis eine Göttliche Erleuchtung , wenn ihr den Heiligen Geist bereits habt.
    http://www.religionskritik.net/forum/thread.php?threadid=6321
    Schalom

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