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Nach den Anschlägen von Paris: Verband fordert mehr Islam-Lehrer

MÜNCHEN. Nach den islamistischen Terroranschlägen von Paris hat der Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, seine Forderung nach mehr und besser ausgebildeten Lehrern für den Islamunterricht an bayerischen Schulen erneuert. «Wir brauchen mehr Lehrerinnen und Lehrer, die in der Lage sind, Islam-Unterricht in deutscher Sprache anzubieten», sagte er am Mittwoch. Außerdem seien mehr Ausbildungsstätten nötig, die das Studium für die Lehrkräfte anbieten. «Unsere Forderung ist, dass es neben Erlangen-Nürnberg noch zwei bis drei weitere Standorte gibt, an denen man das Fach auf Lehramt studieren kann.»

Das heilige Buch der Muslime: der Koran. Foto: crystalina/Wikimedia Commons (CC-BY-2.0)

Das heilige Buch der Muslime: der Koran. Foto: crystalina/Wikimedia Commons (CC-BY-2.0)

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte, Bayern nehme in Sachen Islamunterricht eine Vorreiterrolle ein. «Wir haben hier bundesweit Vorbildcharakter.» Der Unterricht sei «wichtig für die kulturelle Identität» der Schüler.

Im vergangenen Schuljahr besuchten 11.500 Schüler an rund 260 bayerischen Schulen den Islam-Unterricht. «Es ist uns sehr wichtig, dass der Unterricht auf der Grundlage der Verfassung stattfindet und nicht im Hinterhof von möglicherweise islamistischen Gruppierungen», sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. «An einer staatlichen Schule weiß man, wer da unterrichtet.» 177 Grundschulen in Bayern bieten nach Ministeriumsangeben Islam-Unterricht an, 78 Mittelschulen, vier Realschulen und nur zwei Gymnasien. Die meisten der Schulen sind in Großstädten.

Im islamischen Unterricht wird den Schülern in deutscher Sprache Basiswissen über den Islam vermittelt und der richtige Umgang mit den Texten, die dem Islam zugrunde liegen, wie Amin Rochdi vom Interdisziplinären Zentrum für islamische Religionslehre an der Uni Erlangen-Nürnberg erklärte. Auch die anderen Weltreligionen würden thematisiert sowie das Thema Ethik und die Fragen und Probleme der Schüler in der hiesigen Gesellschaft.

Der Lehrplan wurde im sogenannten Erlanger Modell entwickelt von einem Zusammenschluss von Moscheen, Fachvertretern der Uni Erlangen-Nürnberg und Eltern muslimischer Schüler. Seit 2009 läuft der islamische Unterricht als Modellprojekt, weil die hiesigen Vertreter des Islams noch keine Religionsgemeinschaft gebildet haben, die als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Die Eltern müssen ihre Kinder für den Unterricht anmelden, die Zuteilung erfolgt nicht wie beim katholischen und evangelischen Religionsunterricht automatisch.

Etwa 90 Prozent der Lehrkräfte kämen aus den drei Vorreitermodellen, die es vor dem jetzigen Islamunterricht gegeben habe, sagte Rochdi. Diese hatten beispielsweise islamische Unterweisungen auf türkisch gegeben. Für den Islam-Unterricht mussten sie deutsch lernen und regelmäßig Fortbildungen für Lehrkräfte absolvieren. Der Rest der Lehrer seien Deutsch- und Geschichtslehrer, die wie Rochdi das Erweiterungsstudium «Islamische Religionslehre» absolviert haben. dpa

Zum Bericht: Stoch will mehr islamischen Religionsunterricht – gegen Islamismus

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