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Ganztagsschulen sollen sich der „realen Welt“ öffnen

STUTTGART. Seit vergangenem Sommer ist die Ganztagsschule in Baden-Württemberg Regelangebot. Bei einem Symposium in Stuttgart fordern Eltern- und Schülervertreter eine stärkere Zusammenarbeit der Schulen mit externen Partnern.

Die Zusammenarbeit zwischen Ganztagsgrundschulen und «realer Welt» muss nach Auffassung von Schüler- und Elternvertretern intensiviert werden. Die Schulen sollten verpflichtet werden, etwa Sportverbände, Musikschulen oder Anbieter der Jugendarbeit in den Ganztagsbetrieb zu integrieren, forderten die Vorsitzenden des Landeselternbeirates und des Landesschülerbeirates, Carsten Rees und Johanna Lohrer, bei einem Symposium. Gleichzeitig müssten andere Lernorte außerhalb der Schule erschlossen werden, zum Beispiel in benachbarten Betrieben, Jugendzentren oder Büchereien. Rees: «Die Schule muss sich der Welt öffnen und die Welt der Schule.» Kultusminister Andreas Stoch (SPD) pflichtete bei: Ganztagsschulen müssten sich noch stärker der Gesellschaft zuwenden.

Uhr um 15:27 Uhr

Die Ganztagsschule müss mehr sein als «zweimal Halbtagsschule» ,meinen Eltern und Schülervertreter. Foto: ChristosV / Wikimedia Commons

Nach Überzeugung von Lohrer und Rees müssen die Schulleiter für die Koordination der externen Angebote mehr als eine Stunde vom Unterricht pro Woche freigestellt werden. Alternativ müsse professionelle organisatorische Hilfe von außen in die Schulen geholt werden, etwa von Kirchen oder Sportverbänden. Die Rektoren können die Hälfte der für den Ganztagsbetrieb gedachten zusätzlichen Mittel für externe Angebote verwenden. Zudem müsse das Ministerium Standards für die Qualifikation der externen Anbieter, wie Musiklehrern, festlegen, forderten Rees und Lohrer.

Grün-Rot hat im vergangenen Sommer das jahrzehntelange Schulmodell der Ganztagsschule zum Regelangebot gemacht. 178 Grundschulen waren mit dem neuen Ganztagskonzept in das Schuljahr 2014/15 gestartet. Die Landesregierung erwartet von der Ganztagsschule mehr Qualität und Bildungsgerechtigkeit, weil es zusätzliche Zeit für individuelle Förderung sowie musische und sportliche Angebote gibt. Gerade im Südwesten, wo soziale Herkunft und Bildungserfolg noch stark zusammenhängen, sei die Ganztagsschule unverzichtbar. Überdies hilft sie, Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

Dennoch, so beklagten Rees und Lohrer, sei für viele – darunter alleinerziehende berufstätige Eltern oder berufstätige Paare – das Angebot häufig zu gering. Ganztagsbetreuung kann auch an nur drei Tagen bis 16 Uhr dauern. «Da fehlen den Eltern täglich mindestens eine Stunde und zwei ganze Tage in der Woche, kurz es gibt Lücken», sagte der Freiburger Elternvertreter. Andere bräuchten dagegen nur an einem Nachmittag in der Woche Betreuung. An Ganztagsschulen sei dies nicht möglich. Alternativen seien vor allem auf dem Land schwierig zu finden. «Die Ganztagsschule müsste mit anderen staatlich unterstützten Angeboten kombinierbar sein», verlangten Lohrer und Rees.

Minister Stoch erläuterte: «Jedem dürfte klar sein, dass Kinder auch an einer Ganztagsschule nicht von morgens bis nachmittags durchgängig lernen können.» Mit einem gut rhythmisierten Tagesablauf mit vielfältigen, anspruchsvollen Angeboten müsse ein abwechslungsreiches Lernumfeld geschaffen werden. Nach Ansicht von Lohrer muss in der Ganztagsgrundschule auch Freiraum für Spielen und für aktive Gestaltung des Schullebens etwa in Schülerparlamenten gewährt werden. (Julia Giertz, dpa)

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