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Thüringischer Lehrerverband: Burnout bei Kindern wird unterschätzt

ERFURT. Die Depression sei auf dem besten Wege, sich zu einer wahren Volkskrankheit zu entwickeln. Das schreibt der thüringische Lehrerverband in einer Pressemitteilung und kritisiert, dass die Zunahme depressiver Erkrankungen im Kindesalter bislang nur wenig Beachtung finde.

Ein Training des Arbeitsgedächtnisses kann offenbar bei Schreib- und Leseschwierigkeiten helfen. Foto: Randen Pederson/Flickr (CC BY 2.0)

Burn-Out ist bereits bei Schülern ein Problem. Foto: Randen Pederson/Flickr (CC BY 2.0)

Im Rahmen der BELLA-Studie des Robert Koch-Instituts in Berlin, einer Erhebung zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen von sieben bis 17 Jahren, seien bei zehn Prozent der Probanden Hinweise auf Ängste, bei fünf Prozent Anzeichen von Depression festgestellt worden. Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, gehe davon aus, dass etwa 30 Prozent der betroffenen Kinder unter einer Erschöpfungsdepression leiden – auch als Burnout bezeichnet. „Das wäre, rein statistisch gesehen, einer von 60 Schülern“, schreibt der tlv. Dabei sei zu bedenken, dass dies nur die diagnostisch bereits erkennbaren Fälle seien. Es sei davon auszugehen, dass sich ein weitaus höherer Anteil an Kindern in einer Gefährdungssituation befinde.

„Dass bereits Schüler unter dem sogenannten Burnout leiden, ist die traurige Realität“, sagt Rolf Busch, Landesvorsitzender des tlv thüringer lehrerverband. „Und leider werden die Symptome oftmals zu spät erkannt.“ Das liege zum einen daran, dass sich bei jungen Menschen häufig körperliche Symptome wie ungeklärte Bauchschmerzen in den Vordergrund drängten – aber auch an der noch immer zu geringen Anzahl an Schulpsychologen im Freistaat. „Derzeit liegt der Betreuungsschlüssel bei einem Psychologen pro 6700 Schüler. Verbunden mit den langen Anfahrtswegen führt das beim Ersttermin zu Wartezeiten von etwa sechs Wochen.“

Ebenso vielseitig wie die Symptome seien jedoch auch die Ursachen der Erkrankung. „Dass auch die Schule dabei eine Rolle spielt, kann und soll nicht abgestritten werden. Allerdings ist dies nur ein kleiner Teil des Problems“, gibt Busch zu bedenken. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass bei den betroffenen Schülern vor allem im Elternhaus, in der Peergroup, im Verein und nicht zuletzt über die sozialen Medien eine starke Erwartungshaltung erzeugt worden ist, an denen sie letzten Endes zerbrechen. Leistungsdruck bis hin zur totalen Erschöpfung ist ein Phänomen, das die gesamte Gesellschaft betrifft – und eben leider auch schon unsere Kinder.“

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Titelbild: Greg Westfall / Flickr (CC BY 2.0)

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