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Zentralrat der Juden: Besuch einer KZ-Gedenkstätte sollte für Schüler Pflicht werden

BERLIN. Der Zentralrat der Juden möchte das Thema Holocaust im Unterricht stärker verankern – über einen verpflichtenden Besuch jedes Schülers in einer KZ-Gedenkstätte. Die Kultusminister verweisen auf eigene Vorstöße für eine «Erinnerungskultur» in den Bundesländern.

Eingangstor des früheren Konzentrationslagers Auschwitz mit dem berüchtigten Schriftzug „Arbeit macht frei“; Foto: flickr / Walker (CC BY-NC-SA 2.0)

Eingangstor des früheren Konzentrationslagers Auschwitz mit dem berüchtigten Schriftzug „Arbeit macht frei“; Foto: flickr / Walker (CC BY-NC-SA 2.0)

Im Zuge des Auschwitz-Gedenkens hat der Zentralrat der Juden in Deutschland die Länder aufgefordert, im Schulunterricht mehr Informationen über den Holocaust zu vermitteln. Konkret schlug Zentralrats-Präsident Josef Schuster in der «Neuen Osnabrücker Zeitung» vor, «dass jeder Schüler ab der neunten Klasse verpflichtend eine KZ-Gedenkstätte besucht». Alle Bundesländer, in denen dies noch nicht der Fall sei, sollten eine entsprechende Regelung einführen. Zuletzt hatten KZ-Gedenkstätten beklagt, dass weniger Schülergruppen kämen.

Am 27. Januar 1945 – vor 70 Jahren – hatte die Sowjetarmee die Überlebenden des nationalsozialistischen Vernichtungslagers befreit. In dem Lager wurden mehr als 1,1 Millionen Menschen ermordet, darunter eine Million Juden.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) als oberstes Gremium der 16 Bundesländer für Bildungspolitik hatte im Dezember Empfehlungen zur «Erinnerungskultur» als Teil des historisch-politischen Schulunterrichts beschlossen. Dieses Hauptanliegen der letztjährigen KMK-Präsidentin, der grünen NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann, wird von deren Nachfolgerin Brunhild Kurth (CDU) aus Sachsen fortgeführt.

Löhrmann erklärte am Montag auf Anfrage: «Neben der Vermittlung des Wissens über Entstehung und Ausmaße des Nazi-Terrors ist es wichtig, den jungen Menschen ohne erhobenen Zeigefinger auch einen emotionalen Zugang zu diesem schrecklichen Kapitel der deutschen Vergangenheit zu eröffnen. Dieses Erinnern für die Zukunft formulieren auch die Zeitzeugen an die Jugend: „Ihr tragt keine Schuld, aber Verantwortung für die Zukunft, dass so etwas nie wieder passiert.“»

Dabei gebe es eine Reihe von Möglichkeiten neben dem Besuch eines Konzentrationslagers – «auch das Gespräch mit Zeitzeugen, der Besuch von Gedenkstätten oder die Auseinandersetzung mit bedeutsamen Persönlichkeiten wie Anne Frank, den Geschwistern Scholl oder Maximilian Kolbe, erklärte Löhrmann.

Einen anderen Zugang zur Auseinandersetzung von Schülern mit dem Holocaust hat unterdessen das Pädagogische Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums in Frankfurt/Main entwickelt: ein neues Web-Portal zur Verfolgung jüdischer Deutscher und zur Ermordung der europäischen Juden in den Jahren 1933 bis 1945. Es wird an diesem Dienstag online gestellt (www.holocaust-unterrichtsmaterialien.de). Schülern aller Schulformen ab Klasse 9 und jungen Erwachsenen bietet das Portal Texte und Fotos, die «persönliche Zugänge» ermöglichen, wie das Pädagogische Zentrum am Montag mitteilte.

Nach einer aktuellen Umfrage der Bertelsmann Stiftung will sich eine große Mehrheit der Deutschen 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz nicht mehr mit dem Holocaust beschäftigen. 81 Prozent möchten die Geschichte der Judenverfolgung «hinter sich lassen». Und 58 Prozent wollen einen regelrechten Schlussstrich ziehen. Bei den 40- bis 49-Jährigen sagt das jeder Zweite, bei den über 60-Jährigen sogar 61 Prozent. dpa

Zum Bericht: 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz: Schulen bekommen mehr Zuschüsse für Bildungsfahrten

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