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Robert Atzorn: Deutschlands bekanntester TV-Lehrer wird 70

PRIEN AM SEE. Von Dr. Specht zum Charakterdarsteller. Am Montag feiert der Schauspieler Robert Atzorn seinen 70. Geburtstag.

Auf seine bekannteste Rolle, den Lehrer Dr. Specht aus der erfolgreichen ZDF-Serie, will Robert Atzorn ungern festgelegt werden. Gerüchten zufolge wollte er ihn sogar bei seinem ersten «Tatort»-Auftritt als Mordopfer ins Drehbuch schreiben lassen. «Mich freut es sehr, dass ich den beruflichen Dreh von Dr. Specht zu Charakterrollen hinbekommen habe», lässt der Schauspieler, der am Montag seinen 70. Geburtstag feiert, über seine Agentur ausrichten. Für Interviews hat er keinen Platz im Terminkalender.

Freut sich, den beruflichen Dreh von Dr. Specht zu Charakterrollen hinbekommen zu habe: Robert Atzorn (mit Grimme-Preis) Foto: Michael Kramer / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Sieht seine Rolle als Dr. Specht ambivalent: Robert Atzorn (mit Grimme-Preis) Foto: Michael Kramer / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Tatsächlich ist Atzorn bis heute den meisten als Dr. Specht im Gedächtnis, der in den 90ern fast ein Jahrzehnt lang gute Quoten erzielte. Dabei hat er in zahlreichen und oft erfolgreichen Serien und Fernsehfilmen mitgespielt: darunter als unkonventioneller Geistlicher in der Serie «Oh Gott, Herr Pfarrer» und sieben Jahre lang als introvertierter «Tatort»-Kommissar Jan Casstorff aus Hamburg. Aus beiden Formaten stieg er auf der Höhe des Erfolgs freiwillig aus. «Wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören», sagte er regelmäßig.

Endgültig vom attraktiven Frauenschwarm mit Komödien-Talent zum Charakterdarsteller wird er 2008 mit der Hauptrolle in «Mein Mann, der Trinker». Dabei ist seine Rolle als Alkoholiker nicht so weit weg von Erfahrungen im eigenen Leben, wie Atzorn damals kurz vor der TV-Premiere des Films sagte: «Inzwischen ist es Jahrzehnte her. Es fing als Jugendlicher an und ging, bis ich ungefähr 30 war. Mit Alkohol konnte ich meine Schüchternheit überwinden. Als Jugendlicher war ich verschlossen und kompliziert. Der Alkohol hat mir ein Selbstwertgefühl gegeben. Dabei habe ich übersehen, dass ich süchtig wurde.» Und dann? «Gerettet hat mich, dass ich meine spätere Ehefrau kennenlernte. Ich war plötzlich süchtig nach dieser Frau. Da sie den Alkoholkonsum nicht akzeptiert hat, bin ich zu einer Entscheidung gezwungen worden. Ich habe mich für die Liebe und gegen den Alkohol entschieden. Das war gut so.»

Die Ehe hält noch heute. Die Frau, die ihn auf den rechten Weg brachte, ist die Schauspielerin Angelika Hartung. Mit ihr ist Atzorn inzwischen fast 40 Jahre verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und lebt in einem alten Landhaus in Prien am Chiemsee.

Bayern ist für Atzorn seit vielen Jahren Wahlheimat, geboren wurde er im einstigen Bad Polzin, das heute in Polen liegt und Połczyn-Zdrój heißt. Seine Familie floh wenige Tage nach seiner Geburt in den Westen, seine Kindheit und Jugend verbrachte Atzorn in Oldenburg und Hamburg. Nach einem abgebrochenen Grafikstudium in Hamburg zog es ihn auf die Bühne und an die Neue Münchner Schauspielschule.

Während er früher durch stetigen Rollenwechsel immer wieder versucht hatte, Schubladen zu vermeiden, ist Atzorn im Alter ruhiger geworden, wie er sich heute zitieren lässt: «Ich bin absolut zufrieden mit mir und meinem Leben, das über die Jahre immer authentischer geworden ist.» Das Älterwerden sehe er völlig unverkrampft. «Mehr gestört hat mich mein 60. Geburtstag. Damals dachte ich: Aha, ein Einschnitt! Okay, keine Zeit mehr zu verlieren! Heute bin ich mit meinem Alter versöhnt.»

Groß feiern lassen möchte er sich am 2. Februar trotzdem nicht. Zu seinem runden Geburtstag plant er eine große Reise zu zweit. «Ich denke, ich fahre zusammen mit meiner Frau für vier Wochen an einen schönen Ort.»

Atzorn dreht nach wie vor Fernsehfilme, inzwischen sei ihm aber ein gutes Verhältnis von Spannung und Entspannung enorm wichtig. «Ich arbeite, aber auch nur so, dass an jedem Tag auch noch etwas ganz anderes getan werden kann.»

Seine wohl eindringlichste Rolle spielte Atzorn erst vor drei Jahren. Im Film«Der Fall Jakob von Metzler» über die Entführung und Ermordung des elfjährigen Bankierssohnes mimte er den ehemaligen Frankfurter Vize-Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner. Für die eindringliche Darstellung bekam er unter anderem den bayerischen Fernsehpreis und den Grimme-Preis. Damit dürfte Dr. Specht zumindest bei Kritikern endgültig abgeschüttelt sein. (Elena Koene, dpa)

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