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Bildungsmesse „didacta“ im Computerrausch – Kraus mahnt „Maß und Mitte“ an

HANNOVER. Die Schule der Zukunft? Kommt an digitalen Medien nicht vorbei. Dieses Bild vermittelt jedenfalls die derzeit in Hannover stattfindende „didacta“, Europas größte Bildungsmesse. Zahlreiche Innovationen  – von der App, die den Taschenrechner ersetzt, über das „KitaPad“ bis hin zum großformatigen Touch-Display für Klassenräume, an dem bis zu zehn Schüler gleichzeitig arbeiten können – bestimmen das Bild. Nur einer, so scheint es, hält dagegen: Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, gab dem Deutschlandradio Kultur aus Anlass der „didacta“ ein Interview, in dem er vor einer „totalen Zwangsdigitalisierung“ der Schulen warnt.

Anbieter digitaler Medien - wie die Hersteller von elektronischen Whiteboards - prägen Anbieter digitaler Medien prägen das Bild auf der Bildungsmesse "didacta". Foto: Deutsche Messe AG

Anbieter digitaler Medien – wie die Hersteller von elektronischen Whiteboards – prägen Anbieter digitaler Medien prägen das Bild auf der Bildungsmesse „didacta“. Foto: Deutsche Messe AG

Kraus diskutierte auf der „didacta“ mit dem Bildungsforscher  Andreas Gold, der Bremer Bildungssenatorin Eva Quante-Brandt sowie der GEW-Vorsitzenden  Marlis Tepe über die Anforderungen, die an Lehrer gestellt werden. Eine davon: Sie sollen digitale Lernwelten gestalten. „Wogegen ich etwas habe, das ist die Euphorie, zu glauben, Schule könnte nun völlig anders gestaltet werden, völlig umgekrempelt werden, die totale Zwangsdigitalisierung, diese Euphorie stört mich“, sagte Kraus im Vorfeld im,Interview mit dem Deutschlandradio Kultur.

Natürlich müsse Schule mit der Zeit gehen – sich neuen Herausforderungen im medialen und inhaltlichen Bereich oder auch im gesellschaftlich-erzieherischen Bereich stellen, so Kraus. Aber: „Es hat mir bislang noch niemand nachweisen können, dass eine Totaldigitalisierung des Unterrichts beziehungsweise eine Eins-zu-eins-Computer-und-Tabletversorgungsrate für Schüler den Schülern wirklich etwas bringt und dass die beispielsweise in Leistungstests besser abschneiden würden. Den Beweis, den möchte ich erst mal sehen. Ich sehe nach wie vor, bis zum Beweis des Gegenteils, eine ganze Reihe an möglichen Kollateralschäden, wenn wir Unterricht total digitalisieren.“

So neigten Kinder durch die neuen Medien dazu, sich nur noch Häppchen-Informationen zu holen. Die Ausdauer, das Durchhaltevermögen und auch das Konzentrationsvermögen leide, sodass das Lernen mit dem Laptop an der Oberfläche bleibe. Kraus: „Schule braucht auch Durchhaltevermögen, braucht das Konzentrative, das Besinnliche, das Meditative. Ich glaube, das wird durch eine totale Digitalisierung, wenn alle sechs oder acht Unterrichtsstunden am Tag nur noch mit Tablets zu tun haben, gefährdet.“

Kraus appellierte daran, die Digitalisierung in den Schulen mit „Maß und Mitte“ voranzutreiben – dort, wo es fachliche Anknüpfungspunkte gebe, aber nicht in jedem Fall. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes sprach sich bei der Gelegenheit für einen Informatik-Unterricht als Pflichtfach in allen weiterführenden Schulen aus. Auch Medienkompetenz müssten Schulen vermitteln. „Natürlich ist es Aufgabe von Schule, den jungen Leuten beizubringen, wo man sich Informationen holt, wie man sich Informationen holt und wie man vor allem, das ist für mich das ganz Entscheidende, Schrottinformation von wichtiger Information unterscheiden kann.“

Doch dafür wäre es mitunter sinnvoll, zunächst einmal den Bildschirm zu verlassen – und eine Bibliothek zu besuchen.  Kraus: „Wer sich in einem Lexikon nicht auskennt, der wird sich auch im Internet nicht auskennen.“  News4teachers

Hier geht es zum Interview mit Josef Kraus des Deutschlandradios Kultur.

Ein Kommentar

  1. Kraus hat das Wesentliche gut auf den Punkt gebracht: es kommt auf das rechte Maß an.
    Aber damit lässt sich kein Geld verdienen!

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