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Kurse schon für werdende Eltern: Lehrerverband will Vätern und Müttern das Erziehen beibringen

MÜNCHEN. Eltern sollen ihre Kinder erziehen. Doch wer bringt den Vätern und Müttern das bei? Vielen Paaren fehlt es am nötigen Wissen, meint Lehrerpräsident Klaus Wenzel – und fordert gemeinsam mit dem Bayerischen Elternverband Kurse schon für werdende Eltern.

Immer mehr Eltern können angeblich nicht erziehen. Foto: Jeff Howard / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Immer mehr Eltern können angeblich nicht erziehen. Foto: Jeff Howard / flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) plädiert für eine Erziehung der Eltern. Gemeinsam mit dem Bayerischen Elternverband und dem Münchner Mediziner Karl-Heinz Brisch wirbt der Verband dafür, Eltern besser auf die Herausforderung der Kindererziehung vorzubereiten. «Viele Kinder kommen heutzutage in die Schule, ohne die Grundlagen des Miteinander zu kennen», sagte BLLV-Präsident Klaus Wenzel am Mittwoch. «Dass man Rücksicht nimmt, dass man sich hilft, dass man sich einordnet. Es fehlt vielen Kindern das, was früher zur Grundausstattung gehörte.»

Wenzel fordert die Wiedereinführung des in den 1990-er Jahren abgeschafften Fachs Erziehungskunde. «Vor vierzig Jahren hatte die Schule eine familienergänzende Funktion», sagte der BLLV-Präsident. «Heute ist es vielfach eine familienersetzende Funktion.» Es sei ein Ärgernis, dass dauernd über das G8 und G9 diskutiert werde, nicht aber über die Belange kleiner Kinder.

Der Elternverband und der Kinderarzt Brisch haben jeweils eigene Initiativen gestartet, um Eltern möglichst früh auf die Kindererziehung vorzubereiten. Der BEV nennt sein 2013 gestartetes Projekt «Elfe» – Eltern möglichst früh erziehen. «Wichtig ist, dass die Eltern möglichst vor der Entbindung Informationen über die Grunderziehung haben», sagte Wenzel.

Immer mehr Kinder brächten in Kita und Schule nicht die erforderliche Grunderziehung mit, so heißt es beim BEV. Das sei keine „Schuld” der Eltern, sondern habe mehrere Ursachen: „Erziehungswissen ging verloren, weil viele junge Eltern niemanden haben, den sie fragen können. Erziehung in der Art, wie man selbst erzogen wurde, wirkt nicht mehr, denn die Gesellschaft hat sich verändert. Menschen aus anderen Kulturen kennen die unausgesprochenen kulturellen Grundregeln in Deutschland nicht. Die Erziehungsziele haben sich geändert – zum Beispiel selbstbewusst kreativ statt gehorsam und fleißig -, die Methoden sind noch nicht angepasst.“ Weiter heißt es auf der Seite des BEV: „Erziehungskurse für alle Eltern vor der Geburt des ersten Kindes müssen in Bayern so selbstverständlich werden wie die Hundeschule. Sie müssen zum guten Ton gehören.“

Wenzel wird vom BEV folgendermaßen zitiert: „In unseren Schulen haben wir immer mehr Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten. Zahlreiche Ursachen führen dazu, dass viele Schülerinnen und Schüler orientierungslos sind und Beziehungsprobleme haben. Gelegentlich liegt es auch an überforderten Eltern und deswegen sind wir froh, dass mit dem Projekt Elfe eine wertvolle Hilfe angeboten wird. Der BLLV wird diese Projekt nach Kräften unterstützen”. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Kommentar: Woher rührt die Verunsicherung der Eltern? Es fehlt an Werten

10 Kommentare

  1. … aha, Herr Wenzel fordert die Wiedereinführung des Fachs “Erziehungskunde” in der Schule. Und Kinder kriegen und erziehen darf dann wahrscheinlich nur derjenige, der im Fach “Erziehungskinde” im Zeugnis mindestens einen “Dreier” hatte. Ja ist denn schon wieder 1.April?

    • Dumme Polemik ist überflüssig. Die Erziehungs-Unsicherheiten von Eltern sind jeder Grundschullehrerin und Erzieherin bekannt und werden oft in den Medien diskutiert. Angesichts der geringen Kinderzahlen in unserer Gesellschaft ist es auch sehr einleuchtend, dass junge Eltern viel seltener als vor 40 Jahren den Umgang anderer mit Kindern vor Augen haben.

    • Alexander hat wohl noch kein anderes Portal gefunden, um seinem Kommunikationsstil RAUM geben zu können- Ich halte es für sehr angebracht, hin und wieder mit ANDEREN Menschen, die Thematik anzusprechen- bewusst wähle ich `ANDEREN`- denn ich bin kein BESSERWISSER- nur Wissende aus den Berufs-und allgemeinen Lebenserfahrungen meiner SELBST!
      Es ist schon in anderen Diskussionen das Thema der NEUEN ERZIEHUNGSQUALITÄT angesprochen worden-
      woher-warum-wann-wie-was sich sooooo entwickelte….damit befassen sich ja nun ganze Studiengänge und Gelder für die Forschung werden frei gesetzt….
      A b e r bald -in den nächsten -nach mir- folgenden Schuljahren wird sich alles ändern- denn heute noch das Wort “VIELFALT” in aller Munde , sehe ich die Parallelentwicklung in der Forschung. Es wird sich nun bemüht, sogar schon per Gesetz, jegliche schwere (???) Beeinträchtigung vom noch nicht gezeugtem Kind “wegzuoperieren”…Welche Visionen werden da frei?!!!
      Dass durch die Entwicklung der Technik der Mensch in seiner Lebensführung eine neue Überbelastung auf anderem Gebiet erfahren muss, war doch einem Menschen klar, der mit natürlicher Neugier heranwuchs und irgendwann beginnt, Freude zu haben, am DENKEN!

  2. In der „Weltwoche“ aus der Schweiz war vor längerer Zeit ein Interview mit dem Familienexperten Jonas Himmelstrand zu lesen. Leider finde ich dazu keinen Link mehr. Da ich mir aber Ausschnitte kopiert habe, kann ich diesen zum Thema beisteuern:
    „Wenn aber die schwedische Regierung recht hätte und ihre Familienpolitik so super wäre, wie sie sagt, müssten die Kinder und Jugendlichen gesünder sein, besser lernen, glücklicher sein, und das ist definitiv nicht eingetreten.
    Außerdem dürfen wir eines nicht vergessen: Auch Soziales wird von Generation zu Generation weitergegeben. Wenn diese Kinder nicht erleben, wie Familie und Elternschaft funktioniert, werden sie es später, sobald sie eigene Familien haben, noch schlechter machen. Und bald könnte das ganze Wissen um Elternschaft verloren sein, was für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft gefährlich wäre.“

  3. Folgendes Beispiel für später leidende Lehrkräfte:
    Ein Vater geht mit seinen beiden Kindern (ca. 1/2 Jahr und 4 Jahre) einkaufen/bummeln. An einem Stand mit Erfrischungen und Kaffee bestellt der Herr Papa einen Saft (groß und zum Verzehr vor Ort), er selbst möchte einen Cappuchino. Bevor der Cappuchino gemacht wird, meldet sich der Vater, dass der Saft doch zum mitnehmen ist. WARUM? Der 4-jährige heult und quengelt, dass er den Saft lieber mitnehmen möchte. Der Papa versucht seinem ältesten zu erklären, dass er auch etwas möchte, das Kind versteht seinen Vater nicht bzw. will es nicht. Der Vater gibt viel zu schnell nach. Das Kind bekommt seinen Willen und das jüngere Geschwisterchen lernt: Wenn ich heule bekomme ich alles!
    Auf den höflichen Hinweis: Das sollten Sie dem Kind nicht durchgehen lassen! Erwidert der Herr Papa: Lassen Sie das mal MEINE Sorge sein! und geht (Saft ist bezahlt!)
    => Solche Kinder in der Schule, egal welche, sind der reinste Horror für jede Lehrkraft! Tyrannen und Prinzessinen möchte ich nicht in der Klasse haben.

    • .. hätte der Vater in seiner eigenen Schulzeit nur besser im “Erziehungskunde”-Unterricht aufgepasst… 😉
      (O.K., Reinhard, das war in Ihrem Sinne wohl wieder “dumme Polemik”)

      • In großen Familien, überhaupt in kinder-reichen Gesellschaften lernen Heranwachsende vom Zuschauen und Dabeisein. Zwar können sich da auch Fehlhaltungen festsetzen (wie z.B. das Füßeabbinden im alten China), aber es gibt die hohe Wahrscheinlichkeit, dass künftige Eltern am täglich beobachteten Beispiel auch positiv lernen, wie man mit Kindern umgehen kann und wie nicht. In unserer kinderverarmten Gesellschaft gelingt das nur noch in Nischen. Da wäre Erziehungskunde eine Notlösung, und dem beschriebenen Vater hätte ein solcher Unterricht vielleicht gut getan, da stimme ich Ihrer geäußerten Meinung zu.

  4. Frei nach Karl Valentin: Was nützt die Erziehung, die Kinder machen eh alles nach.

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