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Niedersachsens Unis verpflichten sich zu Transparenz in der Forschung

HANNOVER. Niedersachsens Wissenschaftler sollen sich bei ihrer Forschung die ethisch problematischen Aspekte ihrer Arbeit bewusster machen. Die Landesregierung beschließt dazu mit den Hochschulen neue Leitlinien.

Mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung wollen Niedersachsens Hochschulen für mehr Transparenz bei ihren Forschungsprojekten sorgen. Gemeinsam mit Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić (Grüne) stellten ihre Vertreter am Donnerstag in Hannover die entsprechenden Leitlinien vor. Sie sollen an den öffentlichen Forschungseinrichtungen und auch in der Gesellschaft eine ethische Debatte anstoßen. «Es geht um die Frage: Was ist ethisch vertretbar in der Forschung und was nicht», sagte die Ministerin. Auf einer Plattform soll künftig zu einem bestimmten Stichtag veröffentlicht werden, wer worüber und für wen forscht.

Die Ministerin gab allerdings zu, dass Vertraulichkeitsklauseln bei von der Industrie finanzierten Forschungsprojekten durchaus Ausnahmen von den Transparenzregeln zulassen. Der Präsident der Technischen Universität (TU) Braunschweig, Professor Jürgen Hesselbach, wies auf das Dilemma zwischen der Absicherung des Know-hows und der Transparenz hin. «Ich weiß, dass ich an bestimmten Stellen die absolute Transparenz nicht einfordern kann», sagte die Ministerin. «Da ist eine Abwägung zu treffen zwischen den Interessen der Industrie und den Interessen der öffentlich finanzierten Hochschulen.»

Sie schloss nicht aus, dass in Einzelfällen industrielle Auftraggeber vor dem Hintergrund der beschlossenen Transparenz abspringen könnten. Das werde aber in Kauf genommen. Hintergrund der Aktion sind Hinweise auf Wissenschaftler, die in militärische Forschungsprojekte eingebunden sind. Alle Forschungsprojekte werden künftig zentral gesammelt. Die Freiheit der Forschung verhindere ein weiteres Eingreifen der Politik, hatte die Ministerin schon im Vorjahr erklärt. In einer Demokratie könne es nicht sein, dass öffentlich geförderte Hochschulen hinter verschlossenen Türen forschten.

Heinen-Kljajić: «Forschung steht auch immer in gesellschaftlichem Kontext.» In den vergangenen zehn Jahren habe die ethische Debatte in den Hochschulen zugenommen, sagte Professor Wolfgang-Uwe Friedrich, der Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz: «Das ist eine Daueraufgabe.» Im Zentrum stehe die «doppelte Chance» einer ethischen Debatte in den Hochschulen und der gesellschaftlichen Debatte über teils hochkomplexe wissenschaftliche Themen. Im Frühjahr 2016 soll es eine Bestandsaufnahme der Erfahrungen mit den neuen Leitlinien geben. dpa

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