Startseite ::: Praxis ::: NRW-Praxissemester startet: Lehramtsstudenten tauchen in den Schulalltag ein

NRW-Praxissemester startet: Lehramtsstudenten tauchen in den Schulalltag ein

WUPPERTAL/DÜSSELDORF. Das Sommersemester 2015 wird für zahlreiche Lehramtsstudenten in Nordrhein-Westfalen zum Praxissemester. Künftig sollen alle Lehramtsstudierenden im 8. oder 9. Semester fünf Monate an der Schule verbringen. Erste Erfahrungen an der Universität Wuppertal sind überwiegend positiv, auch wenn es noch Probleme gibt.

«Ich habe im Praxissemester festgestellt, dass Lehrer mein Traumberuf ist. Ich kann jetzt beruhigt ins Referendariat gehen», sagt Saskia Ruckebier. Die 23-Jährige ist eine von mehr als 200 Studierenden an der Bergischen Universität Wuppertal, die das neue Praxissemester in einem Modellversuch schon absolviert hat. Künftig müssen sich in Nordrhein-Westfalen alle angehenden Lehrer schon während des Studiums sich diesem Praxistest stellen.

Nordrhein-Westfalens Lehramtsstudenten sollen die Alltagspraxis künftig früher kennenlernen. Foto: Jirka Matousek / flickr (CC BY 2.0)

Nordrhein-Westfalens Lehramtsstudenten sollen die Alltagspraxis künftig früher kennenlernen. Foto: Jirka Matousek / flickr (CC BY 2.0)

Saskia Ruckebier, die Biologie und Chemie studiert, möchte später an einer Gesamtschule oder am Gymnasium unterrichten. Sie hat während ihres zweiten Semesters im Masterstudium fünf Monate an einer Schule in Remscheid verbracht und auch unterrichtet. So sieht es die neue Ausbildungsordnung vor. «Vielleicht könnte man das Praxissemester sogar früher ansetzen», schlägt die junge Frau aus Radevormwald vor.

Ihr Kommilitone Niklas Müntges hatte Glück. Er konnte während der fünf Monate an einem Wuppertaler Gymnasium hospitieren und unterrichten. «Andere hatten es nicht so gut und mussten bis zu zweieinhalb Stunden Fahrtzeit aufwenden», sagt Müntges. Sein Schulwunsch Wuppertal wurde erfüllt. «Zur Schule waren es mit dem Bus zehn Minuten.» Englisch und Geschichte in der Mittel- und Oberstufe hat er unterrichtet. «Am Anfang, wenn man hospitiert, ist es weniger Stress.» Später kommen täglich zwei Stunden Vorbereitung dazu.

Auch Niklas Müntges ist zufrieden mit seinen Erfahrungen an der Schule. Das Praxissemester hat meinen Wunsch bestärkt, Lehrer zu werden», sagt der junge Mann aus Nettetal.

Die neue Lehrerausbildung in NRW holt nach, was Studiengänge wie Ingenieurswissenschaften schon bieten: Praxisnähe. Nach sechs Semestern Studium und dem Bachelor-Abschluss geht es ins viersemestrige Masterstudium. Dort steht nach einem weiteren Semester die Praxisphase an. Da kann es vorkommen, dass Lehramtsstudenten nur wenig älter sind als Oberstufenschüler, wenn sie erstmals vor einer Klasse stehen.

Mit fünf Monaten ist das Praxissemester länger als ein normales Semester mit drei bis vier Monaten Vorlesungszeit. Dazu kommen viermal die Woche Wege zur Schule. Dienstags ist zudem Studientag in der Uni oder im Studienzentrum. Nach den fünf Monaten werden die Erfahrungen aus dem Schulalltag aufgearbeitet.

«Die ersten Auswertungen haben gezeigt, dass das Praxissemester als sinnvolles Studienelement angesehen wird», sagt Prof. Michael Böhnke von der Uni Wuppertal. «Allerdings kann nicht verschwiegen werden, dass es mit einer enorm hohen Belastung für alle Beteiligten verbunden ist.»

Immerhin verkürzt sich das Referendariat von 24 auf 18 Monate. Trotzdem müssen die Studierenden mehr tun als früher. Das gilt besonders für angehende Grundschullehrer, die den Großteil der Lehreranwärter stellen. Sie mussten vor zehn Jahren noch sieben Semester studieren, später waren es acht, jetzt sind es einheitlich zehn Semester für alle angehenden Lehrer.

Noch etwas ist neu in der Ausbildung: «Um mehr Berufsschullehrer zu bekommen, beziehen wir jetzt die Fachhochschulen mit ein», sagt Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD). «Sie können an der FH beispielsweise mit Maschinenbau anfangen und dann Lehrer in einem technischen Bereich werden.» Beim Übergang zum Masterstudium müssen sie allerdings pädagogische Anteile nachweisen oder nachholen. «Wir sind, glaube ich, die ersten, die das ermöglichen», sagt Schulze. (Wolfgang Dahlmann; dpa)

Rahmenkonzept zum Praxissemester (pdf)
zum Bericht: Mit dem Praxissemester gegen den Praxisschock
zum Bericht: Praxiserfahrung soll verbindlicher Teil der hessischen Lehrerausbildung werden

5 Kommentare

  1. Das ist der nächste Schritt zur Abschaffung des Referendariats. Wohlgemerkt, ich begrüße ausdrücklich, dass die praktische Lehrerausbildung Teil des Universitätsstudiums wird. Der von der Politik bewusst verschwiegene, aber wohl beabsichtigte Nebeneffekt ist folgender:

    Durch die Abschaffung des Referendariats brauchen die angehenden Lehrer nicht mehr 18 Monate lang bezahlt zu werden. sie machen das ja unbezahlt als Studenten. Außerdem entfallen dann die ebenfalls teuren Fachleiter, Studienseminarleiter und die ganzen Fachseminare. Diese Kostenersparnis geht in die Millionen — jedes Jahr.

  2. Dies ist nicht der Schritt zur Abschaffung des Vorbereitungsdienstes sondern der hin zur Verkürzung auf 12 Monate.. Die derzeitige Regelung (18-Monate) ist für die Schulen eine absolute Katastrophe – vor allem für die Schüler, die häufig mit Beginn des 2. Schulhalbjahres einen LAA oder Ref als Fachlehrer bekommen und ihn nach einem Jahr zum Ende des Halbjahres wieder los werden.

    Für die LAA und refis ist es auch nicht besser, sie fangen im November an und hören im Mai auf. Bis zur Einstellung zum 1. August gibt es dann erst einmal ein Quartal ALGII, wenn man nicht Teil einer Bedarsfsgemeinschaft ist. Bei den Unter-25-jährigen sind dann erst einmal die Eltern wieder unterhaltspflichtig.

    Wenn das ‚mal keine Perspektiven sind …

    • na ja. nach der Verkürzung auf 12 monate stellen diebildungspolitiker fest,

    • na ja. nach der Verkürzung auf 12 monate stellen die bildungspolitiker fest, dass dann der bdu entfällt und noch ein paar jahre später, dass man das referendariat auch ganz abschaffen könnte.

      • Können die Politiker ruhig feststellen und beschließen. Das bedeutet dann allerdings die Abschaffung des Berufbeamtentums für Lehrkräfte. Ohne Vorbereitungsdienst keine Berufung ins beamtenverhältnis. Schlechter wäre das aus meiner Sicht auf gar keinen Fall – nur das kann der Staat nicht bezahlen, für mindestens eine Generation müssten dann nämlich aus einem haushalt Ruhestandsbezüge und AG-Anteil in die sozialen Sicherungssysteme gleichzeitig in den Haushalt eingestellt werden.

        Das wissen auch Politiker – und deshalb wird es keine Veränderung geben.

        Die Veränderungen bei den unterschiedlichen lehrämtern von GS bis GY – die einheitliche Studiendauer – wird eine andere Diskussion mit sich bringen. Und zwar die nach einheitlicher Bezahlung – folglich A12 für alle Berufseinsteiger …

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*