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Philologenverband sieht Regierung in der Reformfalle: „Qualität bleibt auf der Strecke“

KIEL. Mit dem Motto „Das Gymnasium – Qualität ist Zukunft“ stellte der Philologenverband Schleswig-Holstein auf dem diesjährigen Jahreskongress in Rendsburg die Lehrerbildung an den Gymnasien in den Mittelpunkt. Vor mehr als einhundert Delegierten erneuerte der Landesvorsitzende, Helmut Siegmon, seine Kritik am Ausbildungskonzept des Einheitslehrers, schreibt der Verband in einer Pressemitteilung.

Thorsten Albig von der schleswig-holsteinischen SPD musste seine Bildungspolitik im Wahlkampf verteidigen. (Foto: Olaf Bathke/ SPD Schleswig-Holstein)

Steckt die schleswig-holsteinische Regierung von Ministerpräsident Thorsten Albig wirklich in der Reformfalle, wie es der Philologenverband meldet? (Foto: Olaf Bathke/ SPD Schleswig-Holstein)

„Diese von der Küstenkoalition geschaffenen Strukturen werden den differenzierten Ansprüchen der verschiedenen Schularten nicht gerecht. Hinzu kommt die Tatsache, dass Lehrkräfte für Sonderpädagogik, in den MINT-Fächern sowie im Berufsschulbereich im System fehlen. Ebenfalls befürchte ich, dass sich die Tendenz der Abwanderung der klügsten Köpfe weiter fortsetzt. Anscheinend gilt Schleswig-Holstein für viele junge Kolleginnen und Kollegen schon heute als unattraktiv, weil die bundesweite Anerkennung des schleswig-holsteinischen Einheitslehrers als Gymnasiallehrkraft in Frage steht.“ Die befristeten Kettenverträge, fachfremde Unterrichtsangebote, prekäre Arbeitsverhältnisse oder unbezahlte Semesterpraktika blieben in diesem Kontext noch unerwähnt, so der Pädagoge weiter.

Hart ins Gericht ging Siegmon nach Verbandsangaben mit der aus SPD, Grünen und SSW geführten Landesregierung: „Offenbar steckt diese Regierung in einer Reformfalle, die wohl die Schülerinnen und Schüler sowie Kolleginnen und Kollegen ausbaden müssen. Was hat bloß die Küstenkoalitionäre die letzten zweieinhalb Jahre dabei geritten, das Schulwesen in Schleswig-Holstein an unzähligen Stellen unnötig einzureißen? Heute stellt man überrascht fest, dass für diese geplanten Vorhaben die strukturellen, personellen sowie finanziellen Mittel fehlen.“ Siegmon weiter: „Nach dem großzügigen Verteilen von Wahlgeschenken wird die Regierung nun von den aufwachsenden Sach- und Personalkosten sowie finanziellen Risiken der großartig inszenierten teuren Schulreformen eingeholt. Es sind noch nicht einmal die finanziellen Mittel für 100 Prozent Unterricht vorhanden. Wie wollen da die Koalitionäre 1000 Lehrerstellen für eine gelingende Inklusion finanzieren oder Lehrkräfte gewinnen, die die erwarteten 6000 Flüchtlingskinder unterrichten? Weil die Küstenkoalition die reformbedingten Kosten nicht sorgfältig kalkuliert hat, droht sie nun, in Seenot zu geraten.“

Siegmon sagte abschließend: „Wir glauben schon lange nicht mehr, dass die Entscheidungsträger der SPD geführten Bildungspolitik das Gymnasium wirklich stärken wollen. Leistungsnivellierung und Niveauabsenkung sowohl in der Lehrerbildung als auch in den Schulen weisen eindeutig in eine andere Richtung“.

Zum Beitrag: Ausbildungsreform beschlossen: Schleswig-Holstein bekommt den umstrittenen „Einheitslehrer“

Titelbild: arne.list/flickr (CC BY-SA 2.0)

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