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Wieviel kostet ein Schüler? Regierung und Opposition streiten um Kosten der Gemeinschaftsschule

STUTTGART. Ein Gemeinschaftsschüler kostet den Steuerzahler mehr als das Zweieinhalbfache eines Realschülers, behauptet die baden-württembergische CDU. Diese Zahl sei frei erfunden, oder die Berechnungsmethode mehr als peinlich kontern Vertreter von Grünen und SPD; Unterschiede erklärten sich hauptsächlich aus Kosten für den Ganztagsbetrieb und Inklusion.

Wie berechnet man die durchschnittlichen Personalkosten für einen Schüler? An dieser Frage scheiden sich die Geister zwischen Schwarz-Gelb und Grün-Rot in Baden-Württemberg. Letztere warfen den Christdemokraten am Wochenende vor, falsche Zahlen beim Rechnen zu verwenden. Das ließen diese nicht auf sich sitzen und konterten mit dem Argument, das Kultusministerium verwende veraltete Daten. Hintergrund ist der alte Streit um die noch junge Gemeinschaftsschule, die die Landesregierung eingeführt hat.

„Milchmädchenrechnung“ gegen „peinliche Berechnungsmethode“. Regierung und Opposition sind sich uneins über die Berechung der Kosten für die Gemeinschaftsschule. ActuaLitté / flickr (CC BY-SA 2.0)

Was darf ein Schüler kosten? Regierung und Opposition sind sich uneins über die Berechung der Kosten für die Gemeinschaftsschule. Foto: ActuaLitté / flickr (CC BY-SA 2.0)

Anfang Januar hatte der bildungspolitischer Sprecher der CDU im Landtag, Georg Wacker, seine Rechnung veröffentlicht. Demnach kostet ein Schüler an der Gemeinschaftsschule den Steuerzahler mehr als das 2,5-fache eines Realschülers oder mehr als das Doppelte eines Gymnasiasten. Die reinen Personalkosten für einen Realschüler lägen im laufenden Schuljahr bei rund 2800 Euro, beim Gemeinschaftsschüler seien es 7000 Euro und bei einem Gymnasiasten 3600 Euro. „Solange Grün-Rot den pädagogischen Mehrwert der Gemeinschaftsschule nicht bewiesen habe, müsse sie sich den Vorwurf der puren Steuerverschwendung gefallen lassen, so Wacker.

Die Bildungspolitiker von Grünen und SPD, Sandra Boser und Stefan Fulst-Blei, erklärten hingegen am Samstag: «Die CDU zieht mit angeblichen Mehrausgaben von 150 Prozent für die Gemeinschaftsschule durch das Land. Diese Zahl ist entweder frei erfunden, oder die Berechnungsmethode ist mehr als peinlich.» Nach neuen Berechnungen des Kultusministeriums lägen die Personalkosten pro Schüler bei 5800 Euro für Gemeinschaftsschulen und bei knapp 4000 Euro für Realschulen. Am Gymnasium seien es 5400 Euro.

Die Unterschiede von teils mehr als 1000 Euro erklärte Boser zum einen damit, dass die Gemeinschaftsschulen als Ganztagsschulen eingerichtet sind. Deshalb bräuchten sie mehr Lehrerstunden als etwa Realschulen ohne Ganztagesbetrieb. Zudem gebe es mehr inklusive Beschulung – also Integration behinderter Kinder – an Gemeinschaftsschulen, auch dafür seien mehr Stunden nötig. Fulst-Blei sagte: «Wer einfach nur die Kosten für verbeamtete Lehrer durch die Zahl an Schülern teilt, zeigt, dass er an einer fundierten Kosten-Leistungsrechnung kein Interesse hat.»

Wacker entgegnete, Kultusminister Andreas Stoch (SPD) beziehe sich «ausschließlich auf veraltete Daten, die keinerlei Bezug zu den von uns für die Haushaltsjahre 2015 und 2016 vorgelegten Zahlen» hätten. So berufe er sich in einer Stellungnahme unter anderem auf den Bildungsfinanzbericht 2014, dessen Datenbasis aber auf dem Jahr 2011 beruhe. «Ein Bezug zum aktuellen Landeshaushalt ist nicht erkennbar», sagte Wacker. Sein Fazit: «Damit ist klar, dass der Kultusminister trotz aller Anstrengungen seines Hauses unsere Kostenberechnung zur Gemeinschaftsschule nicht entkräften kann.»

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke warf der Regierung eine Milchmädchenrechnung vor. Sie habe die Kosten des Ganztagsbetriebs und der Inklusion unterschlagen, um die Gemeinschaftsschule künstlich billig zu rechnen. Unterm Strich bleibe die Gemeinschaftsschule gegenüber allen anderen Schultypen finanziell bevorzugt.

In der Gemeinschaftsschule werden Kinder mit Empfehlung für Werkreal-, Realschule und Gymnasium zusammen unterrichtet. Zum Schuljahr 2015/16 wird ihre Zahl im vierten Jahr nach Einführung der Schulart um 62 auf 271 steigen. Boser forderte eine Debatte über Inhalte der Schulpolitik und erklärte: «Wir wollen eigentlich keine Mathematik-Spielchen mit der CDU ausfechten.» (dpa)

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Ein Kommentar

  1. Also auch nach den Zahlen des Ministeriums ist eine Realschule 1/3 billiger (bzw. kriegt weniger Geld) als eine Gemeinschaftsschule? Der Wert für Hauptschulen wäre auch interessant, sind die genannt worden?

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