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BLLV: Kopftuchfrage soll Sache der Schule sein

MÜNCHEN. Die Haltung von Kultusminister Spaenle zum Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichts stößt im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband auf Unverständnis. „Ich hätte mir mehr Sensibilität und Offenheit für veränderte gesellschaftliche Realitäten erwartet“, erklärt der Verbandspräsident Klaus Wenzel in einer Pressemitteilung. Wenzel hatte das Gerichtsurteil, wonach ein pauschales Kopftuchverbot bei Lehrkräften nicht mit der Religionsfreiheit vereinbar sei, grundsätzlich begrüßt und sich dafür ausgesprochen, das Urteil „in Ruhe und möglichst sachlich“ zu überdenken.

Kopftücher und Schleier sind im Schuldienst in der Regel verboten - bleibt das so? Foto: Ranoush / flickr (CC BY-SA 2.0)

Der BLLV will die Entscheidung den Schulen überlassen, ob Lehrerinnen mit Kopftuch unterrichten dürfen. Foto: Ranoush / flickr (CC BY-SA 2.0)

Der vom Bundesverfassungsgericht ausgelöste Diskurs biete aus Sicht Wenzels große Chancen: „Wo, wenn nicht an den Schulen, können junge Menschen lernen mit Vielfalt umzugehen.“ Die Bayerische Staatsregierung dürfe nicht die Augen davor verschließen, dass Schulen längst Orte der Interkulturalität und Heterogenität sind. Die Lehrkräfte seien tagtäglich mit den damit verbundenen Herausforderungen konfrontiert und müssten Antworten finden. „Sie haben die Erfahrung gemacht, dass Antworten, die integrieren und zusammenführen, hilfreicher sind als Antworten, die spalten.“

Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) regt an, die Entscheidung darüber, ob eine Lehrerin mit oder ohne Kopftuch unterrichten sollte, den einzelnen Schulen zu überlassen. So könne die berechtigte Forderung, den Schulfrieden zu berücksichtigen, am besten erfüllt werden. „Ich weiß, dass dies eine zusätzliche Belastung für alle Lehrkräfte ist, deswegen fordere ich die Politik auf, die Schulen zu unterstützen.“

Je mehr anspruchsvoller Religionsunterricht für Kinder muslimischen Glaubens an bayerischen Schulen stattfinde, umso eher könne damit auch radikalen Entwicklungen entgegengewirkt werden. Dafür sei aber gut ausgebildetes und qualifiziertes Personal nötig. Islamverbände machten schon seit längerem darauf aufmerksam, dass es wegen des Kopftuchverbots zu wenige Lehrerinnen für islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen gebe.

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