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BLLV meldet viele Unterrichtsausfälle – wegen der Grippewelle

MÜNCHEN. Den Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband erreichen nach eigenen Angaben Hilferufe von Schulleitern und Lehrkräften, die nicht mehr wissen, wie sie den Unterricht aufrechterhalten sollen: Die Grippewelle legt ihre Schulen lahm. Das meldet der Verband in einer Pressemitteilung. Besonders gravierend sei die Situation in Mittelfranken, Niederbayern und der Oberpfalz.

So manche Kollegien seien am Ende, sagt der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Klaus Wenzel. Sie wüssten nicht mehr, wie sie die Schüler wenigstens mit einem Notprogramm versorgen sollen. „Von differenziertem Unterricht, zusätzlichen Angeboten oder individueller Förderung rede ich gar nicht.“

Ein Grippe-Virus unter dem Elektronenmikroskop. Foto: United States Department of Health and Human Services / Wikimedia Commons

Ein Grippe-Virus unter dem Elektronenmikroskop. In Bayern legt es nach Angaben des BLLV derzeit einige Schulen lahm. Foto: United States Department of Health and Human Services / Wikimedia Commons

Immer wieder erreiche der Unterrichtsausfall Spitzen, vor allem dann, wenn die Grippe grassiere und viele Lehrkräfte erkrankten. Hinzu kämen übliche Fehlzeiten wegen Schwangerschaft oder anderen Ausfällen. „Die mobilen Reserven reichen einfach nicht aus“, so Wenzel. „Sie sind meistens schon zu Beginn eines Schuljahres verplant.“ Er fordert das Kultusministerium daher auf, umgehend Maßnahmen einzuleiten und den betroffenen Schulen zu helfen. Aus seiner Sicht sind die regelmäßigen Unterrichtsausfälle an den Schulen der Beleg für die finanzielle Unterversorgung des bayerischen Schul- und Bildungswesens. Es werde zwar stets behauptet, Bildung hätte Priorität – „diesen Eindruck haben die Schulleiter und Lehrkräfte aber nicht“.

„In verschiedenen Schulamtsbereichen Mittelfrankens ist die Situation im Moment sehr schwierig“, erklärt BLLV-Bezirksvorsitzender Gerhard Gronauer. Vor wenigen Tagen habe er abgefragt, wie es um die Unterrichtsversorgung an den mittelfränkischen Schulen stehe. Ergebnis: „Es gibt Regionen, die haben das Schlimmste hinter sich, in einigen Gegenden brennt es aber noch.“ Gronauer nennt als Beispiel Schulen im Raum Erlangen und Roth. Dort falle seit Wochen Unterricht aus, weil es keine mobilen Reserven gebe. Die Folgen seien Klassenzusammenlegungen, Kollegen führten noch andere Klassen mit oder aber Klassenteilungen. „Die Schulleiter sprechen von einer katastrophalen Lage.“ Ein Schulamtsbezirk hätte berichtet, dass allein im ersten Schulhalbjahr 120 Stunden weggefallen seien. Man habe sie nur „minimal wiederbesetzen können“. Arbeitsgemeinschaften, profilbildende Stunden, Differenzierungsstunden für Jahrgangsmischungen fänden kaum noch statt. Die Mittelschulverbünde würden alle an der „untersten zulässigen Grenze“ versorgt, Überstunden sammelten sich an. Der Frust sei groß“, heißt es in einer der zahlreichen Mails, die Gronauer erreicht haben, wörtlich.

In Niederbayern sei die Situation ähnlich: Zwar flaue die Grippewelle allmählich ab, so die BLLV-Bezirksvorsitzende Judith Wenzl, aber an zahlreichen Schulen herrsche – wie im letzten Jahr auch – der Notstand. Auch seien die mobilen Reserven längst aufgebraucht. Wenzel nennt ein Beispiel: Weil eine Grundschullehrerin derzeit auf Fortbildung sei, müsse eine andere ihre 28 Stunden vertreten. Sie halte nun in einer Woche 14 Stunden in Doppelführung – wobei in beiden Klassen 33 Schülerinnen und Schüler zu unterrichten seien. „Das ist leider kein Einzelfall.“ Im Landkreis Passau müssten aktuell Kollegien über 1200 Stunden ohne Ersatz vertreten.

In der Oberpfalz sei die Situation vergleichbar: Dort sei die Versorgung bereits zum Schuljahresbeginn so schlecht gewesen, dass an vielen Grundschulen gerade noch der Pflichtunterricht habe abgedeckt werden können. An vielen Mittelschulen könnten kaum Arbeitsgemeinschaften eingerichtet werden. Fachlehrer müssten in Fächern unterrichten, die normalerweise von Hauptschullehrern abgedeckt würden, Förderlehrer würden zu vermehrten eigenverantwortlichen Stunden eingesetzt. „Viele Schulen wissen derzeit nicht mehr, wie sie den Pflichtunterricht aufrecht erhalten sollen“, so die BLLV-Bezirksvorsitzende Ursula Schroll. „Beispielsweise mussten an einer einzigen Schule im Landkreis Cham von November bis heute 400 Stunden von Kollegen ersatzlos vertreten werden.“

„Diese Beispiele zeigen, wie ernst es in manchen Regionen Bayerns derzeit ist“, so das Fazit von BLLV-Präsident Wenzel. Auch er bekomme Mails – die letzte aus Oberbayern/München. Eine Lehrerin habe ihm mitgeteilt, dass an ihrer Schule etwa 75 Prozent der Differenzierungsstunden nicht bei den Schülern ankommen würden. Sie müssten stattdessen als Vertretungsstunden eingesetzt werden. „Es kann nicht sein“, schreibt sie, „dass ein Großteil der mobilen Reserve gleich von Anfang an für feste Einsätze abgezogen wird. Unterricht soll nicht ausfallen und trotzdem muss hier und da mit schlechtem Gewissen einfach abgesagt werden, um die anwesenden Kollegen nicht auch noch zu schwächen. Ich bin sicher, ich brauche Ihnen nicht mehr zu schreiben. Sie kennen die Misere. Wir alle kennen sie. Aber muss das ewig so weitergehen?“ Das sei eine berechtigte Frage, so Wenzel.

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