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Die „Zeit“ boomt und will weiter wachsen – mit Bildung

HAMBURG. Der Journalismus steckt in der Krise. Die Auflagenzahlen der meisten Zeitungen und Publikumszeitschriften sinken. Die vielen Gratis-Angebote im Internet verderben die Preise.  Bundesweit kämpfen Verlage ums Überleben. In den Redaktionen werden immer mehr Stellen gestrichen. Tausende von Journalisten ringen um ihre wirtschaftliche Existenz. Und in diese Situation platzt eine interessante Nachricht: Mit Qualität lässt sich (noch?) Geld verdienen. Der Zeit-Verlag, dessen Flaggschiff das Wochenblatt „Die Zeit“ ist, meldet hervorragende Geschäfte. Und: Um sich die gute Perspektive zu bewahren, setzen die Hamburger vor allem auf einen Bereich: Bildung.

Pressehaus in Hamburg. Foto: Manfred Sauke / Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Pressehaus in Hamburg. Foto: Manfred Sauke / Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Der Zeit-Verlag, so meldet der Brancheninformationsdienst „Meedia“ konnte seinen Jahresumsatz 2014 gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent auf 180 Millionen Euro steigern; selbst „Zeit Online“ (bei den meisten Verlagen ist der Online-Auftritt ein teures Zuschussgeschäft) schreibt seit Neuestem schwarze Zahlen – ohne dass den Besuchern für Lesen der Beiträge Geld abverlangt würde.  „Insgesamt sind unsere Online-Erlöse um 29 Prozent gewachsen“, so berichtet Geschäftsführer Rainer Esser im Interview mit „Meedia“. „Das konnten wir auch dank der hohen journalistischen Qualität erreichen.“

Hohe journalistische Qualität? In anderen Verlagen wird Qualität vor allem als Kostenfaktor gesehen – und Stellen werden abgebaut. Bei der „Zeit“ (dem Lieblingsblatt der deutschen Lehrerschaft) hingegen wurden die Kapazitäten erweitert; so wurde beispielsweise von Chefredakteur Giovanni di Lorenzo eine neue Investigativ-Redaktion eingerichtet, die mit aufwendiger – und damit teurer – Recherche für  Enthüllungsgeschichten sorgen sollen. Die Leser schätzen das offenbar: Allein für das kostenpflichtige Digital-Abo der Wochenzeitung haben sich mittlerweile 35.000 Menschen angemeldet. Und für „Zeit Online“ sprudeln offenbar die Werbeeinnahmen.

Esser rät den Verlagen, bei der Akquise von Anzeigen selbstbewusster auftreten. Esser: „Printmarken werden gemeinsam mit ihren Onlineportalen immer mehr zum alleinigen Qualitätsmedium. Und nur das konzentrierte Lesen garantiert Alleinaufmerksamkeit. Bei Ladenhütern wie Dschungelcamp geht man in der Werbepause pinkeln oder holt sich ein Bier. Und 75 Prozent der Zuschauer schauen auf ihren second screen. Die Werbewirkung dürfte auf nahezu Null gehen.“ In welchen Bereichen kann die „Zeit“ noch wachsen, so wird Esser gefragt. Seine Antwort: „In allen Feldern, Print wie Online – wir haben viele kreative Köpfe bei der Zeit, die das Haus in 2015 gemeinsam weiterentwickeln werden. Insbesondere im Digitalbereich ist viel Musik drin, aber auch bei unseren hochwertigen Bildungsangeboten wie der Zeit Akademie, die wir ausbauen.“

Das lässt aufhorchen. Tatsächlich bietet die „Zeit“ seit kurzem eine Reihe mit verfilmten Vorlesungen namhafter Experten und Wissenschaftler. Zum Einstieg wird beispielsweise gratis „Eine Reise durch die Menschheitsgeschichte“ angeboten – eine 20-minütige Lektion aus einem Seminar zum Thema Archäologie von Prof. Dr. Hermann Parzinger, dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und vormaligen Chef des Deutschen Archäologischen Instituts. Der Vor- und Frühgeschichtler leitet zahlreiche Ausgrabungs- und Forschungsprojekte.

Ob Prof. Dr. Günter M. Ziegler von der Freien Universität Berlin die „bunten Facetten und Dimensionen dieser faszinierenden Wissenschaft“ Mathematik erklärt (unter der Überschrift „Menschen, Rätsel und Beweise“) oder Prof. Dr. Ulrich Beck in seinem Seminar „Gesellschaft im 21. Jahrhundert“ in die Soziologie einführt – und dabei Grundfragen anspricht wie: Was hält die Familie und den Staat zusammen? Was passiert, wenn traditionelle Bindungen brüchig werden? Wie können wir unseren Alltag bewältigen? Welche Kräfte treiben den Wandel in unserer Gesellschaft voran? –, stets ist es akademisches Spitzenpersonal, das für die „Zeit Akademie“ in konsumierbaren Häppchen in ihre jeweilige Disziplin einführt. Erstaunlich ist nicht, dass dies auf Interesse bei den „Zeit“-Kunden stößt – erstaunlich ist, dass der Preis dafür offenbar nicht abschreckt: Stattliche 129 Euro sind für die  DVD-Sammlung aufzubringen, online immerhin noch 79 Euro, als reine Audio-Version 49 Euro. Qualität zieht. News4teachers

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