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Doch noch Schulfrieden in Baden-Württemberg? Arbeitgeber und Lehrer machen Druck auf Wolf

STUTTGART. Die schulpolitische Front zwischen Regierung und Opposition ist verhärtet. CDU Spitzenkandidat Wolf will im Falle eines Sieges bei der Landtagswahl 2016 die grün-roten Reformen zurückdrehen. SPD-Chef Nils Schmidt fordert mit schöner Regelmäßigkeit die CDU an den Verhandlungstisch. Nun melden sich Arbeitgeber und ein Lehrerverband gemeinsam zu Wort. Beide Kontrahenten sehen sich bestätigt.

Die Arbeitgeber Baden-Württemberg und ein Lehrerverband mahnen ein Jahr vor der Landtagswahl 2016 mehr Verlässlichkeit in der Schulpolitik an. «Eine Umstellung der Schulpolitik im Rhythmus der Legislaturperioden darf es nicht geben», sagte ein Sprecher des Arbeitgeberverbandes. In einer gemeinsamen Erklärung appellierten der Realschullehrerverband und die Arbeitgeber an die Politiker jeglicher Couleur, an einem Strang zu ziehen und einen Schulfrieden zu schmieden. Dabei müsse die Realschule angemessen berücksichtigt werden.

Sieht seine Partei nicht in der Verantwortung für Unruhe und Unzufriedenheit an den Schulen in Baden-Württemberg: CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf. Foto: Ra Boe / Wikipedia (CC BY-SA 3.0 DE)

Sieht seine Partei nicht in der Verantwortung für Unruhe und Unzufriedenheit an den Schulen in Baden-Württemberg: CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf. Foto: Ra Boe / Wikipedia (CC BY-SA 3.0 DE)

SPD-Landeschef und Wirtschaftsminister Nils Schmid sieht sich von der Erklärung in seinem Bemühen um eine einheitliche Linie bestätigt. Mit dem Versuch, einen Konsens zu erreichen, war Schmid im Dezember vergangenen Jahres gescheitert. Denn seiner Einladung zu einem Treffen war die CDU nicht nachgekommen. Mit von der Partie waren hingegen FDP und Grüne, die viele Gemeinsamkeiten sahen. Auch der Landeselternbeirat hatte mehrfach Kontinuität in der Schulpolitik gefordert.

Der CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf sieht seine Partei dabei jedoch nicht in der Verantwortung: «Für die Unruhe und die Unzufriedenheit an den Schulen ist nicht die CDU verantwortlich», sagte er. «Grün-Rot muss den Frieden an den Schulen wiederherstellen.» Es habe noch nie so viel Kritik gegeben wie an der derzeitigen Schulpolitik, sagte Wolf weiter. «Ich fürchte aber, dass der Appell der Arbeitgeber und des Realschullehrerverbands bei der grün-roten Landesregierung ungehört verhallt.»

Es sei höchste Zeit, sich wieder um Qualität und beste Angebote für Schüler zu kümmern, so Wolf weiter. Das Bildungskonzept der CDU-Fraktion sei dafür eine gute Diskussionsgrundlage. «Wir wollen jedenfalls die Ungleichbehandlung der Schularten beenden, für leistungsangemessenen Unterricht sorgen und den Schulen mehr pädagogische Freiheit geben.»

Schmid meinte: «Es darf nicht sein, dass grundlegende Weichenstellungen alle paar Jahre über den Haufen geworfen werden.» Die bisherige Verweigerungshaltung der CDU zeige, dass sie an einer konstruktiven Gestaltung bislang kein Interesse habe. «Spitzenkandidat Wolf betreibt pure Parteitaktik auf dem Rücken von Schülern, Eltern und Lehrern, nur um Wahlkampfmunition trocken zu halten.» Damit erreiche er nur, dass die Landtagswahl 2016 auch eine Abstimmung über den Schulfrieden in Baden-Württemberg werde.

In der Erklärung des Verbands und der Arbeitgeber heißt es, im grün-roten «Zwei-Säulen-Modell» müssten neben dam achtjährigen Gymnasium in der zweiten Säule die Realschulen genauso wie die Gemeinschaftsschulen Platz haben. Die Realschule müsse die gleichen Ressourcen erhalten wie die Gemeinschaftsschule, um dort die individuelle Förderung auszubauen. Strukturdebatten verunsicherten Schulen, Eltern, Lehrkräfte und Unternehmen.

Für die Realschule müsse es Möglichkeiten eines Kurssystems sowie der Binnendifferenzierung innerhalb einer Klasse geben. Neben dem bewährten mittleren Abschluss solle die Realschule auch Unterricht auf Hauptschulniveau und den entsprechenden Abschluss anbieten. Jeder Schüler solle so auf direktem Weg einen Schulabschluss erreichen können. Mit dem stark ausgebauten beruflichen Gymnasium bestehe bereits ein gute Option für die Realschulabsolventen auf den neunjährigen Weg zum Abitur. Die Kompetenz der Hauptschullehrer müsse für die Realschulen gewonnen werden.

Die Abschlüsse an der Realschule und an der Gemeinschaftsschule müssten gleiche qualitative Anforderungen erfüllen, fordern Arbeitgeber und Lehrer weiter. Die Entscheidung über eine Schulart und deren Ausgestaltung müsse vor Ort gefällt werden von Schulträger, Schulkonferenz und Schulamt: «Nicht jedes Schulprofil ist zwingend in jeder Region vorzuhalten.»

Die Arbeitgeber vertreten als Dachverband die Interessen ihrer 42 Mitgliedsverbände aus Industrie, Dienstleistungen, Handel, Handwerk und Landwirtschaft. (Julia Giertz, dpa)

zum Bericht: CDU streitet: Soll die grün-rote Gemeinschaftsschule wieder eingemottet werden?
zum Bericht: Schulfrieden im Südwesten: Scheitern wahrscheinlicher als Gelingen
zum Bericht: Während die Politiker um das Schulsystem streiten, boomen die Privatschulen

Ein Kommentar

  1. Der Artikel passt überhaupt nicht zum Text. In dem Text vertreten der RLV und der Arbeitsgeberverband grundlegend die Positionen von Wolf, die in einem Schulfrieden festgehalten werden sollen.

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