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Käßmann auf dem Deutschen Schulleiterkongress: Jedes Kind braucht ein „religiöses Handgepäck“

DÜSSELDORF. Das aktuelle Kopftuch-Urteil des Bundesverfassungsgerichts mochte sie, auf dem Deutschen Schulleiterkongress darauf angesprochen, nicht kommentieren – sie verwies auf die Leitung der Evangelischen Kirche (und von der kam, ebenso wie von der Deutschen Bischofskonferenz, Zustimmung). Margot Käßmann, 56, eine der ersten deutschen Frauen im Bischofsamt und frühere Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, drängt es nicht mehr in die erste Reihe. Die prominente Theologin, für das Reformationsjubiläum 2017 als Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eingesetzt, sprach auf dem Deutschen Schulleiterkongress zum Thema „Religiöse Erziehung“ – und plädierte dabei für einen starken Religionsunterricht.  

Plädiert für mehr religiöse Bildung: die Theologin Prof. Dr. Margot Käßmann. Foto: EKD

Plädiert für mehr religiöse Bildung: die Theologin Prof. Dr. Margot Käßmann. Foto: EKD

Religiöse Erziehung war das Thema Ihres Vortrags auf dem Deutschen Schulleiterkongress 2015. Hat die religiöse Erziehung heute den richtigen Stellenwert in der Schule?

Käßmann: In der Praxis fällt Religionsunterricht oft aus, weil andere Fächer als wichtiger angesehen werden. Hier sind Schulleitungen gefragt! Denn es zeigt sich eine Aufwertung des Religionsunterrichtes darin, dass in den letzten Jahren der Anteil von Kindern und Jugendlichen, die diesen Unterricht besuchen, obwohl sie nicht Mitglied der evangelischen Kirche sind, erhöht. In einer Gesellschaft, die religiös pluraler wird und in der Religion für viele Menschen auch gar keine Rolle mehr spielt, wird es wichtig sein, Schülerinnen und Schüler „pluralitätsfähig“ werden zu lassen. Es geht darum, die eigene Identität, den eigenen Glauben als Haltung zu entwickeln, die nicht ängstlich auf Differenz reagiert, sondern offen ist für andere. Toleranz bedeutet aktives Interesse am anderen ohne Angst vor Verlust des Eigenen. Dazu aber muss das Eigene stark sein können.

Was wünschen Sie sich in Bezug auf Religion von der Schule der Zukunft? Was kann jeder einzelne Lehrer oder Schulleiter ganz konkret dafür tun?

Käßmann: Religion sollte präsent sein dürfen an der Schule etwa im Schulgottesdienst oder in interreligiösen Veranstaltungen. In einer Gesellschaft, die sich ständig ausdifferenziert, in der Mithaltenkönnen, Aussehen, Geld zum entscheidenden Kriterium von Anerkennung wird, kann Religionsunterricht der Ort sein, der alternative Werte vermittelt. Dass jedes Kind, jeder Jugendliche eine Gabe, eine Begabung hat, können sie hier erfahren, aber auch in der Schule insgesamt. Und: Religionsunterricht lebt wie kein anderer von glaubwürdigen Unterrichtenden. Die persönliche Auseinandersetzung und Klärung des eigenen Glaubens ist nur möglich, wenn ich als Person beteiligt bin.

Sie sind selber Mutter. Welche Rituale der religiösen Erziehung halten Sie für besonders wichtig?

Käßmann: Ich finde, jedes Kind braucht ein kleines religiöses Handgepäck im Leben. Lieder, Texte, Gebete, die uns Worte geben, wenn wir vor Glück oder vor Leid selbst sprachlos sind. Miteinander ein Abendgebet zu sprechen, und den Tag in Gottes Hand zurückzulegen ist ein solches Ritual. Aber auch Rituale des Abschieds, etwa bei einer Beerdigung, können Geländer sein im Leben, wenn Trauer uns lähmt.

Ein Blick zurück in Ihre eigene Schulzeit. Wer oder was hat Sie dort religiös geprägt?

Käßmann: Ein guter Religionsunterricht, der einen kritischen Blick auf die Texte meiner Religion ermöglicht hat und ein freier Geist, der uns gefördert und gefordert hat, selbst zu denken.

Zum Bericht: Yogeshwar auf dem Deutschen Schulleiterkongress: “Schule braucht Priorität”

2 Kommentare

  1. jeder macht, was er am besten kann, siehe unsere doku: http://der-fall-tim-k.de

  2. Die einen tragen eine Perücke, die anderen ein Kopftuch….

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